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Mehrarbeit gehört oft dazu Wie geht man mit Überstunden um?

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Osnabrück. Ob unbezahlt oder mit Zeitausgleich: Überstunden gehören in vielen Unternehmen wie selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Und nicht immer gibt es dafür Geld oder Freizeitausgleich und nicht immer sind die rechtlichen Rahmenbedingungen klar. Umso wichtiger ist es, dass Arbeitnehmer ihre Zeiten auch selbst erfassen.

Obwohl bei der jüngeren Generation Überstunden „out“ sind, belaufen sich eben solche in Deutschland immer noch auf weit mehr als insgesamt 800 Millionen im Jahr. Und das ist noch das Minimum, denn da etliche Mehrarbeit nicht gemeldet wird, ist dieser Bereich chronisch unterfasst. Ein pünktlicher Feierabend ist gerade an vielen Arbeitsplätzen mit einem hohen Anspruchs- und Tätigkeitsniveau reinstes Wunschdenken. Obwohl immer mehr moderne Unternehmen eine gute „Work-Life-Balance“ versprechen, gehören „freiwillig erwartete“ Überstunden für die meisten Mitarbeiter immer noch zu ihrem Arbeitsalltag.

Wie sind Überstunden geregelt?

Ob unbezahlt oder mit Zeitausgleich: Überstunden gehören in vielen Unternehmen wie selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Und nicht immer gibt es dafür Geld oder Freizeitausgleich und nicht immer sind die rechtlichen Rahmenbedingungen klar. Umso wichtiger ist es, dass Arbeitnehmer ihre Zeiten auch selbst erfassen.

Oftmals wissen sie dabei nicht, dass sich ihre Arbeitgeber im Umgang mit Überstunden in einer rechtlichen Grauzone bewegen - oder ihnen fehlt der Mut, die angemessene Bezahlung für die Zusatzarbeit einzufordern. Je nach Unternehmen und Position sind Überstunden mit dem Gehalt abgegolten. Klauseln im Arbeitsvertrag regeln das allerdings nur scheinbar. Denn nicht immer sind sie erlaubt: „Klauseln eines vom Arbeitgeber vorformulierten Arbeitsvertrags können ähnlich wie Allgemeine Geschäftsbedingungen unzulässig sein“, sagt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Nürnberg. „Gibt es Klauseln, die überraschend sind oder einseitig benachteiligen, sind diese unzulässig und damit unwirksam.“ Das gelte auch für Formulierungen, die nicht klar und verständlich seien.

Überstunden selbständig erfassen

„Bei der pauschalen Abgeltung von Überstunden ist die Regelung intransparent und somit unzulässig“, so Markowski weiter. In der Theorie kann ein Mitarbeiter den Arbeitgeber hier auffordern, Überstunden trotzdem zu bezahlen - wenn er seine Forderung belegen kann. „Ein Arbeitnehmer trägt die Darlegungs- und Beweislast und muss deshalb belegen können, dass er die Überstunden entweder nach Anordnung geleistet – oder dass sie nötig waren, der Arbeitgeber davon wusste und es gebilligt hat“, erklärt der Anwalt. Er empfiehlt deshalb, die eigene Arbeitszeit im Büro in einer Tabelle zu erfassen, selbst wenn das im Unternehmen eigentlich unüblich ist.

Oft fehlt nur der Mut, für das Extra-Geld zu kämpfen: Vor allem, wenn Überstunden Teil der Unternehmenskultur sind. „Viele Mitarbeiter haben das Gefühl, von ihnen werden viele Überstunden erwartet - auch wenn das nicht immer so offen kommuniziert wird“, sagt die Kommunikationspsychologin Steffi Jacobeit aus Delbrück bei Paderborn. Ihrer Einschätzung nach ist vor allem die mittlere und niedrige Führungskräfteebene betroffen: „Abteilungsleiter zum Beispiel leiden häufig unter einem hohen Überstundenpensum“, sagt sie. „Sie erhalten Druck von oben, wollen aber gleichzeitig ihre Mitarbeiter schützen. Zusätzliche Arbeit übernehmen sie deshalb oft selbst.“

Überstunden oft selbstverständlich

Aber auch normale Angestellte fühlen sich oft zu Überstunden verpflichtet: Sie springen aus Loyalität für kranke Kollegen ein oder bleiben länger im Büro, weil der Schreibtischnachbar mit einer wichtigen Aufgabe nicht rechtzeitig fertig wird. „Es gibt auch Unternehmen, in denen Mitarbeiter komisch angeguckt werden, wenn sie pünktlich Feierabend machen“, erzählt Jabobeit. Und oft gibt es vermeintlich lustige Sprüche wie „Heute nichts zu tun?“. Wer sich das nicht auf Dauer gefallen lassen will, sollte - falls vorhanden - mit dem Betriebsrat, einer Vertrauensperson oder dem Betriebsarzt sprechen, der zur Verschwiegenheit verpflichtet ist.

So kann man das Problem thematisieren und gemeinsam eine Strategie entwickeln, rät die Kommunikationspsychologin. Leiden auch andere Kollegen unter permanenten Überstunden, hilft es, sich als Team zusammenzuschließen. „Es soll keine Meuterei ausgerufen werden, aber vielleicht kann das gesamte Team den Wunsch äußern, sachlich über die Arbeitsbedingungen sprechen zu wollen“, rät Jacobeit. Am besten sei es, schon im Vorstellungsgespräch nach Unternehmenskultur und Leitlinien zu fragen. „Wenn es welche gibt, dann kann man sich die gerne anschauen“, rät Steffi Jacobeit. „Und wenn es keine gibt, dann ist das auch ein Zeichen.“ – und kann dafür sprechen, dass regelmäßige Mehrarbeit unterschwellig und unausgesprochen erwartet wird.


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