Geld für einen guten Zweck? So schützt man sich vor unseriösen Spendensammlern

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Sammelbüchsen in der Fußgängerzone oder Spendenaufrufe in der Post: Für Hilfsorganisationen ist der Dezember noch einmal eine gute Gelegenheit, Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln. dpa/Karl-Josef HildenbrandSammelbüchsen in der Fußgängerzone oder Spendenaufrufe in der Post: Für Hilfsorganisationen ist der Dezember noch einmal eine gute Gelegenheit, Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln. dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Osnabrück. In Deutschland gibt es laut einer aktuellen Untersuchung immer weniger, aber dafür großzügigere Spender. Verbraucherschützer raten, seine Gaben nicht leichtgläubig zu verteilen. Hier einige Tipps, wie man seriöse von unseriösen Sammlern unterscheiden kann.

Im Advent rufen viele Organisationen verstärkt zu Spenden auf. Sie versprechen, sich um Menschen in Not, kulturelle Anliegen sowie Tier- oder Umweltschutz zu kümmern. Doch kommt dort das Geld immer an? Hier Fragen und Antworten zum Thema.

Wie schützt man sich vor unseriösen Spendensammlern?

Ganz gleich, ob auf der Straße, an der Haustür, am Telefon, per Brief oder über soziale Medien für einen guten Zweck um eine Spende geworben wird: Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät, sich immer vor einer Spende über die jeweilige Organisation eingehend zu informieren.

Woran erkennt man seriöse Hilfsorganisationen?

Die Verbraucherschützer und die Stiftung Warentest verweisen besonders auf das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Dieses Logo auf einem Spendenaufruf garantiert, dass die Organisation eindeutig und sachlich wirbt, sparsam wirtschaftet und außerdem nachprüfbar ausweist, wie das Geld der Spender verwendet wird. Unter den Siegel-Trägern sind viele große Hilfsorganisationen wie etwa das Deutsche Rote Kreuz, Ärzte ohne Grenzen und die Deutsche Welthungerhilfe.

Geprüft werden jedoch nur Hilfswerke, die mindestens 25 000 Euro an Spenden in den vergangenen zwei Geschäftsjahren erhalten haben. Sie müssen sich selbst zur Prüfung beim DZI melden und diese bezahlen. Kleinere Organisationen sparen sich dies oft: „Wenn ein Verein in der Liste fehlt, muss dies also nicht bedeuten, dass er unseriös ist“, erklären die Verbraucherschützer. Ein Indiz für Glaubwürdigkeit sei, dass der Verein oder die Organisation als gemeinnützig anerkannt ist.

Der „weitaus größte Teil“ der Organisationen in Deutschland arbeite seriös, so die Einschätzung von Burkhard Wilke, wissenschaftlicher Leiter des DZI. Vor welchen Organisationen das DZI aktuell warnt oder welche es als „nicht förderungswürdig“ einstuft, teilt das Institut hier unter der Rubrik „Das DZI rät ab“.

Worin unterscheiden sich die verschiedenen Spendensiegel? 

Die Stiftung Warentest hält das Spendensiegel des DZI für „besonders aussagekräftig“, weil hier alle zwei Jahre Mitarbeiter des Instituts prüfen, ob Spenden zweckgerichtet, sparsam und wirtschaftlich verwendet wurden. „Im Unterschied zum DZI-Spendensiegel verpflichten Mitgliedschaften bei der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ), beim Deutschen Spendenrat und beim Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (Venro) lediglich zur Veröffentlichung wichtiger Informationen über Projekte und Finanzen“, so Warentest.

Wie viel Geld kommt an?

Es hängt von der Organisation ab, wie viel Geld bei den Hilfsbedürftigen ankommt: Laut DZI sollen die Kosten für Werbung und Verwaltung in der Regel nicht mehr als 30 Prozent der gesamten Ausgaben betragen. Tatsächlich liegen sie bei den aktuellen 231 Siegel-Trägern durchschnittlich bei 13 Prozent, so Bernhard Wilke vom DZI.

Was ist bei Spendenaufrufen per Post oder auf der Straße zu beachten?

Die Verbraucherschützer raten zur Vorsicht bei Bittbriefen, die allein auf Gefühle setzen: „Emotionsgeladene Texte und Mitleid erregende Fotos sind Kennzeichen unseriöser Werbung.“ Glaubwürdig hingegen seien „klare, aussagekräftige Informationen und authentische Fotos mit einem erkennbaren Bezug zum jeweiligen Spendenzweck und transparente Einblicke in die Spendenverwertung“. Auch bei Spendensammlungen mit der Büchse in der Fußgängerzone gilt: Hegt man Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Organisation, sollte man sich genauer über sie informieren. Die Verbraucherschützer raten zu einem Blick in den jeweiligen Jahresbericht, „den seriöse Organisationen auf Anfrage zusenden“.

Ist eine Fördermitgliedschaft ratsam?

„Viele unseriöse Gruppen buhlen sogleich um feste Mitglieder oder drängen auf Überweisung einer Dauerspende“, warnen die Verbraucherschützer. Meist seien die gewünschten Beiträge hoch. Zudem binde man sich in der Regel für einen längeren Zeitraum.

Wie seriös sind Spendenaufrufe im Internet?

Eine eigene Homepage, so professionell sie gestaltet sein mag, sei kein Garant für die Vertrauenswürdigkeit einer Organisation, so die Verbraucherschützer. Deshalb sollte man hier als ersten Schritt einen Blick ins Impressum werfen und überprüfen, ob ein Ansprechpartner sowie eine ordentliche Adresse genannt wird. Man kann auch hier weitere Informationen anfordern. Das gilt ebenso für die zahlreichen Spendenaufrufe in den sozialen Medien.

Wie viel spenden die Deutschen im Jahr? 

Der Deutsche Spendenrat rechnet für 2018 damit, dass sich die Summe für gute Zwecke Ende des Jahres auf bis zu 5,5 Milliarden belaufen wird. Das würde ein Einnahmeplus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeuten. (Mit dpa)


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