Viele Produkte betroffen Mehr Luft als Inhalt: Röntgenbilder entlarven zu große Verpackungen

Platz 1 belegt der "Mondamin Lieblingsgrießbrei Klassische Art" von Unilever. Foto: Verbraucherzentrale HamburgPlatz 1 belegt der "Mondamin Lieblingsgrießbrei Klassische Art" von Unilever. Foto: Verbraucherzentrale Hamburg

Hamburg. Viele Lebensmittelproduzenten haben sich dem Kampf gegen Plastikmüll verpflichtet. Röntgenbilder zeigen nun, dass viele Verpackungen jedoch nicht einmal bis zur Hälfte befüllt sind.

Trotz akuter Probleme mit Plastik in der Umwelt produzieren die Hersteller von Fertiglebensmitteln und Drogerieartikeln nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg noch immer viel zu viel unnötigen Verpackungsmüll. Bei einer stichprobenartigen Untersuchung von 14 Produkten, über die sich Verbraucher beschwert hatten, ermittelten die Hamburger Verbraucherschützer mit Hilfe von Röntgenbildern eine durchschnittliche Höhe von 59 Prozent für den Verpackungsanteil ohne Inhalt. Die Höhe des tatsächlich gefüllten Teils der Verpackung lag im Mittel bei nur 41 Prozent.

Die "Top-3" der zu großen Verpackungen

"Alle reden davon, dass Verbraucher bewusster konsumieren und Müll vermeiden sollen, doch in den Supermarktregalen ändert sich seit Jahren nichts", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Dort stehen nach wie vor viele Produkte, deren Inhalt sich in einer übermäßig großen Packung verliert. Dabei ließe sich viel Verpackungsmaterial einfach einsparen, wenn die Verpackungen vollgefüllt wären." Die Verbraucherzentrale zeigt auf, dass der Hersteller Procter & Gamble beispielsweise auf 20 Tonnen Plastik verzichten, wenn er die gleiche Menge seines flüssigen "Lenor Vollwaschmittels Weiße Wasserlilie" nicht – wie derzeit – in eine Million Flaschen mit niedrigerem Füllstand, sondern in 800.000 vollen Plastikflaschen auf den Markt bringen würde.

Juristisches Vorgehen zwecklos?

Rein rechtlich sind Luftpackungen kaum zu belangen. Fehlende Vorgaben im Eich- und Verpackungsrecht geben Herstellern viel Freiraum bei der Gestaltung ihrer Produkte. Zwar tritt am 1. Januar 2019 in Deutschland ein neues Verpackungsgesetz in Kraft, doch es wird nicht helfen, den Verpackungsmüll deutlich zu reduzieren. "Ein Ende der Ressourcenverschwendung ist nicht in Sicht!", so Valet. Der Verbraucherschützer fordert, dass grundsätzlich jede Packung bis zum Rand oder zur Naht befüllt werden muss und ein Freiraum von maximal 30 Prozent nur dann erlaubt ist, wenn es sich technisch nicht anders umsetzen lässt.

Insgesamt untersuchte die Verbraucherzentrale 14 Luftverpackungen. Hier sind die Plätze 4 bis 14:




14 untersuchte Luftverpackungen

Die Auswahl der 14 untersuchten Luftpackungen ging auf Beschwerden von Verbrauchern zurück, die sich von der tatsächlichen Füllmenge einer überdimensionierten Packung getäuscht fühlten. Knapp 1000 Meldungen aus dem gesamten Bundesgebiet erhält die Verbraucherzentrale Hamburg jedes Jahr wegen zu geringer Füllmengen bei Fertiglebensmitteln, Drogerieartikeln oder anderen Produkten des täglichen Bedarfs. Bereits zum dritten Mal in vier Jahren ließen die Verbraucherschützer ausgewählte Luftpackungen im Röntgengerät durchleuchten. Auch Händler hatte die Verbraucherzentrale erst kürzlich zu ihren Bemühungen zur Müllvermeidung befragt und nur wenige Rückmeldungen erhalten.

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