Internationale Spieltage 2018 Warum immer mehr Menschen Brett- und Kartenspiele spielen

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Immer mehr Kinder und Erwachsene finden Gefallen an Gesellschaftsspielen. Foto: Roland Weihrauch/dpaImmer mehr Kinder und Erwachsene finden Gefallen an Gesellschaftsspielen. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Osnabrück. Der Wachstumstrend bei Brett- und Kartenspielen setzt sich unvermindert fort. Auch die am Donnerstag in Essen beginnende "Spiel '18", die weltweit größte Publikumsmesse für Gesellschaftsspiele, stellt neue Rekorde auf. Warum aber boomt die Branche?

Der Umsatz mit analogen Spielen habe in Deutschland in den Monaten von Januar bis August im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent zugelegt. Das teilte der Branchenverband Spieleverlage im Vorfeld der Messe "Spiel '18" mit. Dessen Vorsitzender Hermann Hutter denkt, dass dieser Trend auch nicht so schnell abreißen werde. In der vergangenen drei Jahren hat die Branche ihren zuvor bei 400 Millionen Euro stagnierenden Jahresumsatz um rund 25 Prozent auf mehr als 500 Millionen Euro gesteigert. Hutter, Chef des Günzburger Verlags Huch!, hält es für möglich, dass in diesem Jahr hierzulande erstmals mehr als 50 Millionen Spiele verkauft werden – mit einem durchschnittlichen Preis von 11 Euro pro Stück.

Messe "Spiel'18" in Essen

Wie erfolgreich das Jahr 2018 für die Verlage letztlich ausgeht, wird sich allerdings erst im Weihnachtsgeschäft zeigen. In den Wochen vor dem Fest erzielen die Spielehersteller den Großteil des Umsatzes. Die Vorzeichen stehen nicht schlecht, dass der Boom sich fortsetzt. Denn die zunehmende Beliebtheit von Brett- und Kartenspielen spiegelt sich auch in Rekordzahlen der Messe "Spiel" wider. Vom 25. bis zum 28. Oktober präsentieren in Essen rund 1150 Aussteller mehr als 1400 Neuheiten – zwei Werte, die noch nie so hoch waren. "Die Ausstellungsfläche hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt", sagt Dominique Metzler, Chefin des veranstaltenden Friedhelm-Merz-Verlags. Sie erwartet mehr als 180.000 Besucher an den vier Messetagen.


Das Wachstum der Messe begründet Metzler vor allem mit der Zunahme internationaler Aussteller. Beispielhaft zählt sie europäische Nachbarländer wie Polen, Tschechien, Frankreich und die Niederlande auf, aus denen immer mehr Verlage nach Essen kommen. Aber auch in asiatischen Staaten wie Südkorea wachse die Beliebtheit des Brettspiels. Die USA seien immer schon stark vertreten gewesen und verzeichnen weiterhin hohe Wachstumsraten. Überall auf der Welt wird immer mehr analog gespielt. Warum?

"Modernes Design, moderne Themen"

"Spiele sehen heutzutage modern aus, haben moderne Themen und sprechen deshalb immer mehr junge Leute an", sagt Metzler. "Diese Spiele eröffnen Erlebnisse und erzählen faszinierende Geschichten, in die sie die Spieler einbinden", argumentiert die Veranstalterin. Zudem seien gerade junge Menschen bereit, sich auch mit anspruchsvollen Spielen zu beschäftigen. Hutter bestätigt, dass sich zunehmend die Gruppe der 14- bis 30-Jährigen dem Brettspiel zuwendet. Die Erkenntnis, dass Spiele spaßige, spannende und anspruchsvolle Erlebnisse bieten, verbreite sich nicht zuletzt dank der sozialen Medien wie "eine Virusgrippe".

Metzler sieht auch das Aufkommen von Crowdfunding-Plattformen als einen Grund für die immer größere Spielevielfalt. Mittels dieser Schwarmfinanzierung lassen sich Neuheiten vorfinanzieren, sodass Hersteller kein Risiko eingehen müssen. "Es ist so einfach wie nie, einen Verlag zu gründen", meint Metzler. Zugleich sind immer mehr Spielefans bereit, in Einzelfällen auch weit mehr als 100 Euro für ein opulent ausgestattetes Strategiespiel zu bezahlen. Hinzukommt, dass Konsolen- und Handyspiele die Branche eher befruchten statt ihr zu schaden. Brettspiele haben in jüngster Zeit zunehmend Anregungen im Digitalen gefunden und Konzepte adaptiert.

"Ein Kurzurlaub vom gestressten Ich"

Zum Erfolg des Brettspiels schreibt das Magazin "Geo" in der Titelgeschichte seiner aktuellen Ausgabe, dass sich die Spieler in einem guten Spiel ständig in einem Korridor zwischen Unterforderung und Überforderung bewegten. Dadurch gerieten sie in einen Flow, in das hoch konzentrierte Sichversenken in eine Tätigkeit. Das sei wie "ein Kurzurlaub vom gestressten Ich".



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