Gefahren im Straßenverkehr Sicher durch den Herbst: Tipps für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger

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Schmuddelwetter mit Regen und Sturmböen stellt im Herbst ein Verkehrsrisiko dar. Foto: imago/Ralph PetersSchmuddelwetter mit Regen und Sturmböen stellt im Herbst ein Verkehrsrisiko dar. Foto: imago/Ralph Peters

Hamburg. Nebel, Laub, Wind und Nässe: Mit diesen Tipps bewältigen Sie die typischen Herbstgefahren im Straßenverkehr – egal ob auf dem Rad, im Auto oder zu Fuß.

Der Herbst ist da und mit ihm ein erhöhtes Verkehrsrisiko: Geblendet von der tief stehenden Sonne, eine schlechte Sicht durch Nebel oder die frühe Dämmerung, nasse Straßen, Wildunfälle, Laub, Sturm – die Herbstzeit birgt für Verkehrsteilnehmer eine Reihe von Herausforderungen. Grundsätzlich steigern drei Faustregeln die Sicherheit im Straßenverkehr zur Herbstzeit:

  1. sicherstellen, dass man selbst gut sichtbar ist
  2. die Geschwindigkeit bei schlechten Sichtverhältnissen drosseln
  3. besonders aufmerksam unterwegs sein, weil andere Verkehrsteilnehmer die Punkte 1 und 2 missachten könnten

Dennoch passieren viele Unfälle vor allem in den dunklen Jahreszeiten. Wie sich Verkehrsteilnehmer auf der Straße, dem Radweg oder Gehweg absichern können. Ein Überblick:

Für gute Beleuchtung sorgen

In anderen EU-Ländern müssen Autofahrer ständig mit Licht fahren. In Deutschland ist es empfohlen, doch die Straßenverkehrsordnung (§17) schreibt eingeschaltetes Abblendlicht lediglich während der Dämmerung, bei Dunkelheit und bei unzureichender Sicht vor. Moderne Autos haben ergänzend ein Tagfahrlicht verbaut, das allerdings nur vorne leuchtet und daher nicht das Abblendlicht bei schlechter Sicht oder im Tunnel ersetzt. 

Motorräder dürfen auch tagsüber nur mit Abblendlicht oder Tagfahrlicht gefahren werden. Ansonsten gelten für sie die gleichen Vorschriften wie für Autofahrer – außer, dass sie den Nebelscheinwerfer auch benutzen dürfen, ohne dabei das Abblendlicht oder Standlicht eingeschaltet haben zu müssen.

Abblendlicht

Gesetzlich vorgeschriebene Beleuchtung, das der eigenen Sichtbarkeit und der Ausleuchtung der Fahrbahn dient. Moderne Fahrzeuge schalten es oft automatisch ein, allerdings erkennen die Lichtsensoren keinen Nebel, warnt der ADAC.

Fernlicht

Gesetzlich vorgeschriebene Beleuchtung, die bei ungenügender Sichtweite – meist außerorts – zusätzlich zum Abblendlicht zum Einsatz kommt. Bei Gegenverkehr – auch Radfahrern – Kolonnenfahren und auf beleuchteten Straßen muss es ausgeschaltet werden.

Nebelscheinwerfer

Nicht gesetzlich vorgeschriebene stark blendende Frontlichter, die bei starkem Regen, Nebel oder Schneeböen die Fahrbahn gut ausleuchten. Nebelscheinwerfer dürfen nur zusätzlich zum Abblendlicht – beziehungsweise bei zwei Scheinwerfern dem Standlicht – benutzt werden. Bei guter Sicht ist ihr Einsatz ordnungswidrig (20 bis 30 Euro Bußgeld). 
Der ADAC rät dazu, die Zusatzscheinwerfer auf der Autobahn bei einer Sichtweite von weniger als 150 Metern einzuschalten, außerorts bei einer Sichtweite von weniger als 100 bis 120 Metern, innerorts bei weniger als 60 bis 70 Metern. Es gibt allerdings keine Pflicht dazu, die Nebelscheinwerfer zu benutzen.

Nebelschlussleuchte

Nicht gesetzlich vorgeschriebene stark blendende zusätzliche Leuchte am Heck, die den nachfolgenden Verkehr warnen soll. Sie darf nur eingeschaltet werden, wenn die witterungsbedingte Sicht weniger als 50 Meter beträgt. Das ist die Entfernung zwischen zwei Leitpfosten. Es ist nicht verpflichtend, die Nebelschlussleuchte zu benutzen.

Standlicht

Es sollte eingeschaltet werden, wenn man in der Dunkelheit außerorts oder außerhalb eines markierten Parkplatzes parkt sowie wenn man längere Zeit auf der Fahrbahn oder vor einem Bahnübergang hält.

Tagfahrlicht

Zusätzliche schwächere Frontleuchten, die für mehr Sichtbarkeit sorgen, ohne zu blenden. Sie schalten sich automatisch ein, wenn der Motor gestartet wird.

Intelligente Lichtsysteme

Moderne Autos sind oft mit automatisch arbeitenden Lichtsystemen ausgestattet: Adaptives Licht passt sich der Helligkeit der Umgebung an, dynamisches Kurvenlicht leuchtet um Ecken, Fernlichtassistenten blenden automatisch ab.


Kostenloser Lichttest – und Sehtest

Autos, die "einäugig" mit defektem Scheinwerfer fahren, oder mit zu hoch eingestellten Leuchten andere Fahrer blenden, sind ein Verkehrsrisiko. Innungsbetriebe des Kfz-Gewerbes bieten daher Autobesitzern während des Oktobers kostenlose Lichttests an. Sie prüfen Scheinwerfer, Leuchten und Blinker auf ihre Funktion und Einstellung. Offenbar ist das nötig: 2017 wies die Beleuchtung bei einem Drittel der geprüften Fahrzeuge Mängel auf. 

Jeder zweite Autofahrer sah zudem nicht gut genug. Der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen wirbt daher für seine kostenlosen Sehtests bei Innungsaugenoptikern im Oktober. Welche Betriebe in Ihrer Nähe zum Optikerverband gehören, können Sie hier herausfinden.

Tipps zur Auto- und Helmpflege im Herbst

  • Gegen beschlagene Scheiben wirkt das Einschalten der Klimaanlage besonders flott. Sie entfeuchtet die Luft im Innenraum. 
  • Damit Streusalz dem Auto nichts anhaben kann, sollte der Lack im Herbst gründlich gewaschen und versiegelt werden. Kleinere Lackschäden sollten ausgebessert werden, um Rostnester zu vermeiden.
  • Fenster und Scheibenwischer ordentlich putzen, denn die Sicht durch verschmierte Scheiben ist bei Dunkelheit oder einstrahlender Sonne deutlich schlechter.
  • Motorradfahrer sollten ihr Helmvisier auf Kratzer überprüfen, die bei Dunkelheit und Nässe zu irritierendem Streulicht führen können. Gegen das Beschlagen der Innenseite hilft es laut dem Automobilclub ACE, das Innere des Visiers mit ein paar Tropfen Spülmittel einzureiben.

Wann die Winterreifen aufziehen?

Es gibt in Deutschland kein vorgeschriebenes Datum oder eine Temperatur, ab der man mit Winterreifen fahren muss. Wer bei "winterlichen Bedingungen" unterwegs ist, also bei Glatteis oder Schnee, muss sie jedoch montiert haben, sonst droht ein Bußgeld von 60 bis 120 Euro und ein Punkt in Flensburg. Als Orientierungswert wird oft die Sieben-Grad-Grenze genannt. Fällt das Thermometer über mehrere Stunden darunter, kann es streckenweise glatt sein – ein Fall für Winterreifen.

Vorsicht an kritischen Stellen

Nachts und am frühen Morgen kann es vor allem in Senken, auf Brücken, an schattigen Stellen oder am Waldrand Glatteis oder Reif geben. Vereisungen erkennt man zum Beispiel daran, dass sich das Licht auf der Fahrbahn spiegelt. Ruckartige Lenkbewegungen oder starkes Bremsen kann das Fahrzeug hier ins Rutschen bringen. 

Längerer Bremsweg durch Matsch, Laub oder Nässe

Herbstlaub und Nässe machen die Fahrbahn rutschig, der Bremsweg wird länger, wie groß der Unterschied sein kann, zeigt die Grafik:

Der ADAC empfiehlt daher die Fahrgeschwindigkeit mit der Sichtweite in Metern gleichzusetzen. Zum Beispiel Tempo 50 bei 50 Metern Sichtweite. "Wer sich an diese einfache Faustformel hält, ist stets auf der sicheren Seite." Außerdem sollte genügend Abstand zum Verkehr vor einem gehalten werden. "Zwei Sekunden Sicherheitsdistanz zum Vordermann sind die goldene Regel – in jeder Jahreszeit." Zwei Sekunden entsprächen dabei dem viel zitierten "halben Tacho": beispielsweise 40 Meter Abstand bei Tempo 80. Zur Orientierung können die Leitpfosten dienen, die in 50 Metern Abstand voneinander aufgestellt sind.  

Aquaplaning – zurecht gefürchtet

Platzregen kann die Straße derart überschwemmen, dass sich darüberfahrende Autos nicht mehr kontrollieren lassen. Das Wasser verhindert die Haftung zwischen Reifen und Asphalt, wodurch der Bremsweg länger wird (vor allem bei Sommerreifen) und das Auto leicht aus Kurven rutschen kann. Daher empfiehlt es sich, langsam zu fahren und weiten Abstand zu halten.

Aquaplaning macht sich meist durch platschendes Geräusch von unten bemerkbar, die Räder drehen durch, der Motor heult auf. In solchen Momenten, Fuß vom Gas nehmen, das Lenkrad festhalten und die Kupplung treten bis das Auto nicht mehr schlingert.

Wenn der Wind bläst

Bei starken Windböen muss man teils gegenlenken, um das Fahrzeug in der Fahrspur zu halten. Motorradfahrer sollten mittig auf dem Fahrstreifen fahren. Zudem sollte man die Geschwindigkeit senken, mit beiden Händen das Lenkrad fassen und besonders auf Fahrzeuge mit großen Dachlasten achten. Wohnwagen, Busse und Lkw haben eine größere Widerstandsfläche, sodass sie bei starkem Wind ausscheren oder sogar umkippen können. 

Bei starkem Sturm sollte man baumreiche Strecken meiden, um nicht von umherfliegenden Ästen getroffen zu werden. Biker sollten darauf achten, dass ihre Bekleidung möglichst wenig flattert und mit viel Gepäck auf dem Motorrad sollten sie das Tempo drosseln.

Wenn die Sonne blendet

Laut dem ADAC entstehen jährlich rund 3000 Unfälle, weil Autofahrer von der Sonne geblendet waren. Das sind zehnmal mehr Unfälle als durch Sichtbehinderung durch Nebel. Vorbeugend hilft eine blank geputzte Frontscheibe gegen starke Blendung. Schmutz und Schlieren vom Scheibenwischer können das einfallende Licht nämlich stark streuen.

Während der Fahrt sollten Autofahrer bei tief stehender Sonne ordentlich Abstand halten, um im Zweifelsfall noch rechtzeitig zum Stehen zu kommen. Zudem empfiehlt der ADAC, das Licht einzuschalten, um die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen. Außerdem gibt es bei sinkender oder gerade aufgehender Sonne massig Straßenbereiche, die im Schatten liegen. Das Tragen einer Sonnenbrille kann dabei ein zusätzliches Risiko darstellen, weil es die Sicht noch weiter verdunkelt. 

Bei unangenehm blendender Sonne am besten die Sonnenblende herunterklappen. Wem das nicht hilft, der sitzt wahrscheinlich zu tief und sollte eine aufrechtere Sitzposition wählen.

Wenn es neblig ist

Schränkt Nebel die Sicht stark ein, sollte das Abblendlicht angeschaltet werden. Das Fahrtempo sollte sich an der Sichtweite orientieren: Empfohlen ist die Geschwindigkeit in Stundenkilometern als Richtmaß für den Mindestabstand zum Vordermann: also bei Tempo 50, ein Abstand von 50 Metern. Aufs Überholen sollte man bei zweispurigen Landstraßen verzichten, rät der ADAC. Fernlicht leuchtet bloß den Nebel an, für bessere Sicht sorgen die Nebelscheinwerfer, für deren Benutzung es aber genaue Vorgaben gibt (siehe unter Punkt Beleuchtung oben).

Für gute Beleuchtung sorgen

Gesetzlich vorgeschrieben sind ein weißer Frontscheinwerfer sowie ein rotes Rücklicht am Fahrrad. Für gute Sichtbarkeit von der Seite müssen wahlweise Reflektorstreifen oder gelbe Speichenreflektoren (jeweils zwei pro Rad) angebracht sein. Auch ein weißer Reflektor vorne und ein roter Reflektor hinten sind obligatorisch. Wer unbeleuchtet im Dunkeln mit dem Fahrrad fährt, muss mit 20 Euro Bußgeld rechnen.

Laub und Nässe verlängern den Bremsweg, der Radfahrer sollte dementsprechend vorsichtig fahren. Die Kommunen müssen Radwege, die auf der Straße sind, von Laub und Matsch befreien. Auf kombinierten Geh- und Radwegen auf den Bürgersteigen sind oft Grundstückseigentümer in der Pflicht zu kehren. 

Mit Radpflege Sicherheitsrisiken eingrenzen

Die Kette leidet unter Nässe und Dreckspritzern und sollte daher regelmäßig geölt werden, rät der Fahrradclub ADFC. Außerdem sollten das Licht und die Bremsen vor dem Fahrtantritt auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden.

Um auf Laub oder Schnee nicht so leicht wegzurutschen, sollte man die Reifen nicht zu hart aufpumpen. Denn mit weniger Reifendruck vergrößert sich die Auflagefläche auf dem Untergrund – das gibt mehr Grip. Zu gering sollte der Druck aber nicht sein, weil die Haltbarkeit des Reifens darunter leidet.

Reflektierende oder helle Kleidung schützt

Im Herbst müssen Fußgänger besonders vorsichtig unterwegs sein. Überquert ein Fußgänger bei schlechter Sicht durch Nebel, Regen oder Dunkelheit in dunkler Kleidung achtlos die Straße und wird angefahren, kann ihm Fahrlässigkeit vorgeworfen werden. Das kann bedeuten, dass er nicht den vollen Schaden von der Haftpflichtversicherung des Fahrers erstattet bekommt, betont der ADAC.

Reflektierende Kleidung – etwa Warnwesten – verbessern die Sichtbarkeit auf mehr als hundert Meter. Auch helle Kleidung hat den Effekt, dass Fußgänger besser in der Dämmerung zu sehen sind. Dennoch empfiehlt es sich, als Fußgänger in der Dunkelheit auf dem Gehweg zu bleiben und Straßen nur an gesicherten Übergängen zu überqueren.

Rutscht ein Fußgänger zum Beispiel auf nassem Laub aus und verletzt sich, hat er das Recht, Schadensersatz zu verlangen. Je nachdem ob der Gehweg eine öffentliche oder private Fläche ist, haftet die Kommune oder der Grundstückseigentümer. Grundsätzlich sollten Fußgänger auf rutschigem Untergrund langsam gehen und kleine Schritte machen. Schuhe mit Profil verbessern überdies die Trittfestigkeit. Verlieren Sie dennoch die Balance, nehmen Sie am besten die Unterarme vors Gesicht, um den Kopf zu schützen. Fallen Sie nach hinten, mildert ein rund gebeugter Rücken den Aufprall ab.


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