Welthundetag 2018 Forscher: Hunde sind wohl doch keine Intelligenzbestien

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Osnabrück Schlechte Nachrichten am Welthundetag 2018: In Sachen Intelligenz sind die Vierbeiner im Tierreich wohl doch keine Überflieger. Die gute Nachricht: Als Freunde des Menschen sind sie unübertroffen.

Fragt man Herrchen oder Frauchen, so halten sie ihren Hund meist für ein Ausnahme-Genie. Auch viele wissenschaftliche Untersuchungen kamen bisher zu dem Ergebnis, dass die Vierbeiner zu erstaunlichen kognitiven Leistungen fähig sind. Doch nach Ansicht britischer Wissenschaftler können andere Spezies in Sachen Intelligenz durchaus mit ihnen mithalten. Die Forscher um Stephen Lea von der University of Exeter und Britta Osthaus von der Christ Church University in Canterbury warnen deshalb ausdrücklich davor, die Fähigkeiten von Hunden zu überschätzen. „Wir tun Hunden keinen Gefallen, wenn wir zu viel von ihnen erwarten. Hunde sind Hunde – und wie wir mit ihnen umgehen, sollte von ihren wahren Bedürfnissen und Fähigkeiten abhängig gemacht werden“, zitiert sie das Wissenschaftsmagazin „Scienxx“.

Wölfe, Katzen, Hyänen, Delfine und Tauben

Im Rahmen einer Metastudie werteten die Forscher über 300 Untersuchungen zur Intelligenz von Hunden und anderen Tieren wie Wölfen, Katzen, Hyänen, Delfinen und Tauben aus. Sie konzentrierten sich dabei auf Arten, die mindestens einer der folgenden drei Gruppen zugehören und damit ein entscheidendes Merkmal mit Hunden gemein haben: domestizierte Tiere, soziale Jäger und Raubtiere.

Dabei zeigte sich, dass viele andere Arten ähnliche kognitive Fähigkeiten haben wie Hunde und sie in manchen Fällen sogar übertreffen. Das betraf die sensorischen Fähigkeiten, die räumliche Orientierung, die soziale Intelligenz und auch die Eigenwahrnehmung. Hunde seien wohl nicht die „Überflieger“ für die wir sie gerne halten, meint Osthaus.

Blick für die Menge verloren

So können Haushunde zwar Futtermengen unterscheiden – Wölfe übertrumpfen sie dabei allerdings noch. Wie ein Experiment österreichischer Forscherinnen zeigt, wählten Wölfe treffsicherer die größere Portion, auch wenn sie beide nur einzeln zu sehen bekommen. Schuld an der Unterlegenheit der Haushunde bei der Einschätzung der Futtermenge haben vermutlich ihre Herrchen und Frauchen. Da sie die Vierbeiner regelmäßig und ausreichend mit Fressen versorgen, haben die Tiere den Blick für die Menge verloren.

Anders als zum Beispiel Schimpansen und Delfine scheitern Hunde auch beim sogenannten Spiegeltest, der darüber Auskunft gibt, ob Tiere ein Ich-Bewusstsein besitzen. Beim Spiegeltest wird dem Tier unter Betäubung oder während einer Ablenkung ein farbiger, aber geruchloser Punkt auf eine Stelle des Körpers gemalt. Dieser Punkt befindet sich an einer Stelle, die nur im Spiegel sichtbar ist, also etwa der Stirn. Erkennt das Tier sich anschließend im Spiegel selbst und berührt den Punkt am eigenen Körper, gilt das als Zeichen, dass es sich seiner selbst bewusst ist: Es unterscheidet zwischen „sich selbst“ und „den anderen“.

Ergebnisse überinterpretiert

Die Mär von der außergewöhnlichen Intelligenz von Hunden führen die Forscher darauf zurück, dass die Autoren ihre Studien vielfach schon mit dem Ziel begannen, die herausragende Intelligenz der Vierbeiner zu beweisen. Dies habe dazu geführt, dass manche Ergebnisse zugunsten der Hunde „überinterpretiert“ worden seien. Ob das auch für die jüngste Studie ungarischer Wissenschaftler gilt, ist unklar: Die Forscher wollen festgestellt haben, dass Hunde die Sprache des Menschen auf ähnlich arbeitsteilige Weise wie Menschen verarbeiten und erkennen, ob ein Wort trotz lobenden Tonfalls bedeutungslos ist.

„Schauen wir uns alle drei untersuchten Tiergruppen an, scheint die Kognition der Hunde nicht außergewöhnlich zu sein“, wird Osthaus in dem Magazin „Scienxx“ zitiert. Die Fähigkeiten „unserer“ Vierbeiner entsprächen vielmehr genau dem, was man von einem domestizierten, sozial jagenden Raubtier erwarten würde. „Trotzdem ist die Hundeintelligenz ohne Zweifel einzigartig – aber nur, weil die Kognition jeder Spezies einzigartig ist“, konstatiert die Forscherin.

Gute Freunde

Egal wie dumm oder intelligent ein Hund aber ist, vor allem Menschen mit wenig sozialen Kontakten tut er gut, zeigt eine schwedische Studie. So war bei Singles die Sterblichkeit unter den Hundebesitzern während der zwölfjährigen Untersuchungsdauer um 33 Prozent geringer, das Risiko für Herzinfarkte sank um elf Prozent gegenüber Alleinstehenden ohne Hund.


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