Trendsetterin Queen Victoria Wie das weiße Brautkleid populär wurde

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Osnabrück. Termin, Festsaal, Brautkleid, Anzug oder Gästeliste: Viele Paare, die im Sommer 2019 im großen Rahmen heiraten möchten, beschäftigen sich bereits im Herbst damit, ihre Hochzeitsfeier zu planen. Der Fokus ist oft auf die Braut in einem „Traum in Weiß“ gerichtet. Doch das war nicht immer so.

Heiraten aus Liebe – diese romantische Vorstellung über die Eheschließung kam erst mit dem Aufblühen des Bürgertums im 19. Jahrhundert auf. Womit auch die Entwicklung zur individuellen Gestaltung des Hochzeitstages als „schönsten Tages im Leben“ einsetzte, die heute mitunter in Perfektionismus ausufert.

Ganz in Schwarz mit einem Blumenstrauß

Dass sich alle Augen auf die Wahl des Brautkleids richten, sei jedoch „eine neuere Geschichte, weil der Rahmen, wie man seine eigene Hochzeit gestalten kann, viel größer geworden ist“, erzählt Jane Redlin, Kustodin am Museum Europäischer Kulturen (MEK) in Berlin, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Früher hat die Mehrheit der Bevölkerung auf dem Land gelebt.“ Das bedeutet nicht nur, dass auch das ganze Dorf mitfeierte: „Im 18. und 19. Jahrhundert gab es die dörfliche Tracht. Sie war die Festtagskleidung, und damit war vorgegeben, was man am Hochzeitstag anzog.“ Somit trug die Braut ihr Kleid auch nicht – wie heute zumeist – nur einmal im Leben, sondern zu anderen Festtagen. „Die Braut wurde nur mit der Brautkrone besonders geschmückt. Sie waren meist Familienerbstücke oder wurden innerhalb eines Dorfes ausgeliehen“, so Jane Redlin. Schwarz war lange in der einfachen Bevölkerung die Farbe der Braut, denn sie „symbolisiert eine ernste Angelegenheit, und das war die Hochzeit damals: Man hat seinen Status geändert“, erklärt Redlin.

„Die Eheschließung bedeutet eine deutliche Veränderung für die Person, die heiratet, aber auch für die Familie und den Ort, die Gemeinschaft. Diese festlichen, schwarzen Kleider wurden auch am Sonntag oder bei größeren Feiern getragen.“ Zudem dienten sie als Trauerkleid. Diese Menschen hätten nicht die finanziellen Mittel gehabt, um sich ein Kleid nur für einen Tag nähen zu lassen: „Erst im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung und dem Aufblühen des Bürgertums wuchsen die finanziellen Möglichkeiten und der Wunsch nach mehr Individualität, auch in der Kleidung.“

Prominente Vorbilder

In europäischen Adelskreisen war das weiße Brautkleid als Symbol für Unschuld und Reinheit seit dem 17. Jahrhundert beliebt. Doch erst als die britische Königin Victoria 1840 in einer weißen Robe Prinz Albert heiratete, „hatte das eine Signalwirkung, die bis heute anhält“, sagt Jane Redlin. Farblithografien der königlichen Hochzeit lösten den Trend zum weißen Brautkleid aus. Doch diesmal setzte die Farbe nicht nur in den adeligen, wohlhabenden Kreisen durch, sondern letztendlich in den 1920er-Jahren in allen Bevölkerungsschichten auf dem Land und in der Stadt. Eine Entwicklung, die auch möglich war, weil sich die städtische bürgerlicher Mode hin zu einem individuellen Stil gewandelt hatte. Dabei ließ man sich prominenten Vorbildern inspirieren.

Königliche Hochzeiten haben bis heute Einfluss auf Brautmodetrends: Lady Dianas voluminöses, elfenbeinfarbiges Seidentaftkleid, das sie bei ihrer Hochzeit mit Prinz Charles 1981 trug, weckte den Traum vom üppigen Prinzessinenkleid .

Jane Redlin schätzt, dass auch das elegante, schlichte Givenchy-Kleid, das Meghan Markle bei ihrer Hochzeit mit Prinz Harry im Mai trug, einen Trend setzen wird, „weil es auch mit einem Frauenbild kombiniert ist, das nicht nur Meghan verkörpert, sondern auch die moderne Frau. Eine moderne Frau würde sich – denke ich – eher schlicht kleiden. “

Aktuelle Ausstellung in Berlin: „Hochzeitsträume“

Redlin hat gemeinsam mit Judith Schühle die aktuelle Ausstellung „Hochzeitsträume“ im MEK Kulturen kuratiert, in der sie den Wandel aufzeigen wollen, „der sich seit den vermittelten Hochzeiten im 18. Jahrhundert bis heute vollzogen hat“. Schwerpunkt sei jedoch nicht die Brautmode, sondern vielmehr die Emotionen und Erwartungen, die mit diesem Tag verbunden sind. Sie wollen aufzeigen, dass die Erfüllung von individuellen Hochzeitsträumen auch etwas damit zu tun hat, was die Gesellschaft erlaubt oder wie die sozialen und politischen Rahmenbedingungen sind, beispielsweise in Kriegszeiten. „Hochzeit ist für alle Menschen, ganz gleich, wo sie herkommen und zu welchen Zeiten, ein wichtiger Augenblick im Leben ist und es gibt mehr Gemeinsames als Trennendes“, sagt die Kustodin.

Der Hochzeitstag als Trennungsgeschichte

Bei der Sichtung vieler Hochzeitsfilme für die Ausstellung sei ihr aufgefallen, dass ein Grundschema im Ablauf auch bei Leuten zu erkennen sei, die von sich sagten, dass sie gar nicht religiös oder traditionell sind: „Doch wenn geheiratet wird, dann ist klar: Es gibt die Trauung, ein Essen und dann die Party“, so Redlin. Der Hochzeitstag ist ein Tag voller Rituale. Diese rituelle Form sei entscheidend, „um zu wissen, was man machen kann. Man darf nicht vergessen, dass die Eheschließung früher ein viel größerer Einschnitt war, weil dann das Brautpaar aus dem Elternhaus ausgezogen ist. Es ist also auch eine Trennungsgeschichte. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass man Rituale entwickelt, an denen man sich emotional entlang hangeln kann. Es gibt auch Stabilität, wenn man weiß, was passiert“.

Verbindung zwischen Tradition und Moderne

Rituale am Hochzeitstag seien heute genauso wichtig wie damals. Der Unterschied sei, dass man heutzutage in der Regel nicht mehr mit dem ganzen Dorf feiere. „Europäische Ausnahmen gibt es beispielsweise in Rumänien. Von einem Fall berichten wir: Es ist ein rumänisches Brautpaar, das in London lebt und arbeitet und zur Hochzeit in die Heimat zurückkehrte. Es ist spannend, wie sich hier die Verbindung zwischen Tradition und Moderne in diesem Ritual ausdrückt“, meint Jane Redlin.


Buch- und Ausstellungstipp: „Hochzeitsträume – Wedding Dreams.“ Berlin, Museum Europäischer Kulturen, Arnimallee 25. Bis 28. Juli 2019; Sa. und So., 11–18 Uhr; Di.–Fr., 10–17 Uhr, Tel. 030/266 42 42 42 . Katalog: „Hochzeitsträume“ erschienen im E. A. Seemann Verlag, 24,95 Euro.

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