Diese Arten sind gefährdet Fällt die Pilzsaison dieses Jahr aus?

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Keine Hüte in Sicht: In Bundesländern wie Niedersachsen bleiben vielerorts die Pilzkörbe aufgrund der anhaltenden Trockenheit leer. Foto: dpa/Patrick PleulKeine Hüte in Sicht: In Bundesländern wie Niedersachsen bleiben vielerorts die Pilzkörbe aufgrund der anhaltenden Trockenheit leer. Foto: dpa/Patrick Pleul

Osnabrück. Die Körbe der Pilzsammler bleiben aufgrund der anhaltenden Trockenheit in vielen Gegenden Deutschlands derzeit leer. In Niedersachsen steht eine schlechte Saison bevor. Hier gingen besonders viele Bestände in den letzten Jahren verloren. Bundesweit ist jede vierte heimische Pilzart gefährdet.

Nach dem trockenen Sommer braucht es nun Starkregen mit 50 bis 100 Litern pro Quadratmeter, dann würden Pilze nach ein bis zwei Wochen wachsen, so Experten der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM). Wiesenpilze wie der Wiesenchampignon brauchen fünf bis sieben Tage, bis sie nach Starkregen sprießen, Waldpilze wie Steinpilze dagegen zwei Wochen.

Während derzeit schon in Teilen von Rheinland-Pfalz, in der Eifel und im Bayerischen Wald Pilze austreiben, sieht die Lage in Niedersachsen derzeit schlechter aus. Die Pilzsaison wird abhängig von den erhofften Niederschlägen später losgehen und deutlich kürzer sein als sonst. Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilt, ist richtiger Landregen deutschlandweit nicht in Sicht. Es sei in den nächsten zehn Tagen mit anhaltender Trockenheit zu rechnen. 

Trockenheit setzt Waldpilzen zu

Pilze wie Pfifferlinge benötigten einen feuchteren Sommer, um zu gedeihen. Das Wetter sei für sie im vergangenen Jahr sehr günstig gewesen, wie die DGfM mitteilte. In diesem Jahr dürfte ihre Zahl geringer ausfallen. Wiesen- und Steppenpilze können Dürre besser vertragen als Waldpilze und treten zurzeit schon lokal in großen Mengen auf.

Waldpilze wie Pfifferlinge benötigen feuchte Sommer, um zu gedeihen. Foto: dpa/Jens Büttner

Kürzere Saison

Normalerweise dauert die Pilzsaison von April bis November mit Einsetzen der ersten Bodenfröste über minus fünf Grad Celsius. Die Hauptzeit war lange Zeit im September und Oktober. Dieses Jahr wird sie deutlich kürzer ausfallen, geschätzt um bis zu zwei Monate. Von Mai bis August hat es in weiten Teilen Deutschlands kein nennenswertes Pilzwachstum aufgrund der anhaltenden Trockenheit gegeben. In- folge der zunehmenden Dürreperioden könnten Pilzarten, die kühle und feuchte Klimate bevorzugen, künftig sogar von solchen verdrängt werden, die Trockenheit vertragen. 

Der leuchtend gelbe Schwefelporling wächst an Laubbäumen. Der Pilz ist in Deutschland noch wenig bekannt, wird von Experten aber als "lecker" und "fleischig-weich" bezeichnet. Foto: dpa/Arnd Petry Foto: Arnd Petry/dpa/tmn | Verwendung weltweit

Pilze durch Landwirtschaft gefährdet

Wie der Präsident der DGfM unserer Redaktion sagte, sei jede vierte heimische Pilzart durch die intensive Land- und Forstwirtschaft gefährdet. „Einige Pilze wie Pfifferlinge findet man deutlich weniger als noch vor 50 Jahren“, sagte Marco Thines. In landwirtschaftlich besonders intensiv genutzten Bundesländern wie zum Beispiel Niedersachsen sei das offene Grünland und damit auch der Pilzbestand auf naturnahen Wiesen um 90 Prozent innerhalb von nur 60 Jahren zurückgegangen. Wiesen wurden vielerorts durch Maisäcker und andere Nutzflächen verdrängt.

Eine deutlich geringere Pilzartenvielfalt gebe es auch in forstlich intensiv genutzten Wäldern, die alle 20 bis 30 Jahre durchgeforstet würden. Die Pilze bräuchten meist mehrere Jahrzehnte, um sich in einer veränderten Umgebung wieder zu etablieren.

Steinpilze sind oft nahe Fichten anzutreffen. Durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer werden die Fichtenbestände angegriffen, darunter leiden auch die Steinpilze. Foto: dpa/Patrick Pleul

Negativer Trend für Steinpilze

Da der Fichtenbestand in den vergangenen hundert Jahren stark zugenommen hat, nahm zunächst auch die Zahl der Fichten-Steinpilze, die in Symbiose mit Fichten wachsen, signifikant zu. Allerdings geht nun der Trend in die andere Richtung. Die Fichte ist die am wenigsten wärmeresistente Waldbaumart. Die zunehmende Trockenheit macht die Bäume anfällig – und lässt Borkenkäfer gedeihen. Auch starken Stürmen, die in Deutschland zugenommen haben, halten die Fichtenmonokulturen wenig stand. In der Folge werden auch die Steinpilzbestände zurückgehen.

Körbe voller Pilz? Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie fordert Pilzsammler dazu auf, schonend zu sammeln, also maximal nur ein Kilogramm pro Erwachsenem. Foto: dpa/Peter Endig

Experten: schonend sammeln

Die Konsumenten ruft die DGfM auf, Pilze zu schonen und sie als Genussmittel und nicht als billiges Nahrungsmittel anzusehen. Pro Erwachsener und Tag sollte maximal ein Kilogramm gesammelt werden.

Pilze seien für den Erhalt vieler Insekten- und Käferarten äußerst wichtig. „Werden sie weniger, dezimiert das auch die Nahrung und den Lebensraum für Insekten“, sagte Thines. Pilze würden mehr als 50 Prozent der Biomasse in Wäldern ausmachen und seien deshalb enorm wichtig für die Nahrungskreisläufe. Hochspezialisierte Käferarten besiedelten nur eine ganz bestimmte Pilzart.




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