Stipendium, Bafög oder Kredit? Finanztipp: Welche Geldquellen beim Studium unterstützen können

Von Annette Jäger

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Es gibt zahlreiche Wege, um ein Studium oder eine Ausbildung zu finanzieren. Symbolfoto: Uwe Anspach/dpaEs gibt zahlreiche Wege, um ein Studium oder eine Ausbildung zu finanzieren. Symbolfoto: Uwe Anspach/dpa

Schondorf. Eine gute Ausbildung soll keine Frage des Geldes sein. Vor allem Studenten können verschiedene Geldquellen nutzen, um ihr langjähriges Studium zu finanzieren. Neben dem Ausbildungsunterhalt kommen Bafög, ein Stipendium oder ein Studienkredit in Frage. Jeder kann sich daraus seinen persönlichen Finanzierungsmix zusam-menstellen. Auch für Auszubildende gibt es fi-nanzielle Unterstützung.

1a. Tipps zur Studienfinanzierung

Die wichtigste Regel bei der Studienfinanzierung lautet: Sie soll so günstig wie möglich sein. Der Student soll wenige oder - im besten Fall - gar keine Schulden machen. Aus dieser Vorgabe ergibt sich eine Prioritätenliste an Geldquellen, die Studenten anzapfen sollten.

1. Ausbildungsunterhalt: Er steht an erster Stelle. Eltern sind laut Gesetz verpflichtet, ih-ren Kindern eine angemessene Ausbildung zu finanzieren, dazu gehört auch ein Studium. Die Höhe ist in der Düsseldorfer Tabelle (Unterhaltstabelle der Familiengerichte) fest-gelegt. Demnach gelten 735 Euro als ange-messener Bedarf volljähriger Kinder, sofern diese einen eigenen Hausstand führen.

2. Bafög: Das Bundesausbildungsförderungs-gesetz ist unter Studenten in der Abkür-zungsform Bafög zum Schlagwort für bares Geld geworden. Sind die Eltern finanziell nicht in der Lage, ihrer gesetzlichen Unter-haltspflicht in Sachen Ausbildung ihrer Kinder nachzukommen oder ist der Unterhaltsan-spruch erloschen, können die Studierenden Ausbildungsförderung nach Bafög in An-spruch nehmen. Der Höchstsatz liegt bei 735 Euro. Die Hälfte des Geldes muss der Stu-dent zurückzahlen. Mehr dazu unter Punkt 2.

3. Nebenjob: Auch ein Nebenjob kann eine gute Geldquelle sein, um den Ausbildungs-unterhalt und/oder das Bafög aufzustocken. Einnahmen von 450 Euro monatlich sind „unschädlich“, das heißt: Sie werden nicht auf das Bafög angerechnet. Aufgepasst: Übt der Student mehr als einen Minijob aus, zieht das meist das Studium in die Länge. Das rechnet sich meist nicht, denn dann muss der Student ja auch insgesamt längere Zeit für seinen Lebensunterhalt sorgen. Zu beachten ist auch, dass alle, die mehr als 20 Wochen-stunden arbeiten, aus der studentischen Krankenversicherung herausfallen.

4. Stipendium: Stipendien gibt es mehr, als viele meinen. Und gute Noten sind nur ein Kriterium von vielen, um eines zu bekom-men. So zählt auch gesellschaftliches Enga-gement. Ein Student sollte es nicht unver-sucht lassen, eines zu bekommen. Denn das Geld muss er nicht zurückzahlen. Die durch-schnittliche Höhe liegt bei 423 Euro im Monat. Mehr dazu unter Punkt 3.

5. Kredite und Fonds: Über Banken und Bil-dungsfonds können Studierende Darlehen für die Dauer ihrer Ausbildung erhalten. Sie bilden das Schlusslicht auf der Prioritätenliste, weil sie die teuerste Form der Studienfi-nanzierung sind. Das Darlehen samt Zinsen muss komplett nach Studienende zurückge-zahlt werden. Dennoch sind sie eine gute Möglichkeit, für einen begrenzten Zeitraum eine Finanzierungslücke zu schließen. Mehr dazu unter Punkt 4.

1b. Ausgaben berechnen

Um zu wissen, wie viel Geld monatlich überhaupt benötigt wird, lohnt sich eine Kostenaufstellung. Bei den meisten Studenten fallen Kosten an für: Miete, Fahrten zur Uni, Ernährung, Kleidung, Lernmittel, Krankenversicherung, Telefon, Internet, Rundfunk- und Fernsehgebühren sowie Freizeitgestaltung. Dafür gaben Studenten im Durchschnitt im Jahr 2016 monatlich rund 820 Euro aus. Das zeigt die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes. Das ist freilich nur ein grober Anhaltspunkt, die monatlichen Aus-gaben können stark variieren, vor allem, wenn Studenten in Städten mit hohen Mieten studieren. Die Mietkosten machen den größten Anteil an den monatlichen Ausgaben aus.

1c. Beratung

Studenten sollten sich unbedingt zum Thema Studienfinanzierung beraten lassen. Anlaufstellen sind die jeweiligen Studentenwerke der Hochschulen. Es lohnt sich, ein wenig Vorwissen mitzubringen, um die Beratung so effektiv wie möglich zu gestalten. Zum Thema Kredite und Fonds können auch die Verbraucherzentralen beraten. Interessant ist auch der Austausch über Bafög-Foren im Internet: www.studis-online.de/Fragen-Brett/list.php?1 oder www.bafoeg-aktuell.de/forum/

2. Das Wichtigste zum Bafög

2a. Einkommensgrenzen

Bafög erhalten Studierende, wenn das Einkom-men der Eltern und das Vermögen des Studie-renden nicht ausreichen, um ein Studium zu fi-nanzieren. Dann greift der Staat unter die Arme und gewährt eine Förderung. Die Förderung wird auch gewährt, etwa wenn der Unterhaltsan-spruch gegenüber den Eltern erloschen ist (wenn der Studierende über 30 Jahre alt ist). Als Faustregel gilt: Liegt das Jahresnettoeinkommen der Eltern bei etwa 20.580 Euro, erhält der Stu-dierende den Bafög-Höchstsatz von 735 Euro (537 Euro, wenn der Student bei den Eltern wohnt). Verfügen die Eltern über ein Jahresnet-toeinkommen von 38.000 Euro, erhält der Stu-dent gar kein Bafög. Zwischen diesen beiden Jahresnettobeträgen gibt es Teilförderungen.

Das ist wichtig zu wissen:

• Es gibt keine festen Einkommensgrenzen beim Bafög.

• Das Vermögen des Studierenden (nicht das der Eltern) wird bei der Berechnung des An-spruchs berücksichtigt, es gilt jedoch ein Freibetrag von 7.500 Euro.

• Bei der Einkommensberechnung gelten di-verse Freibeträge. Der Familienstand, die Anzahl der Kinder in Ausbildung und andere Unterhaltszahlungen werden berücksichtigt.

• Kindergeld wird nicht als Einkommen ange-rechnet.

• Weigern sich die Eltern, Ausbildungsunterhalt zu bezahlen, kann das Bafög-Amt einen Vorschuss leisten. Das Amt holt sich den Be-trag dann von den Eltern zurück. Diese Re-gelung gilt unabhängig von der Einkom-menshöhe der Eltern.

Über einen Bafög-Rechner können Studenten einen groben Anhaltspunkt erhalten, was ihnen an Bafög zusteht:

www.studentenwerk-goettingen.de/bafoeg-rechner.html

https://www.biallo.de/vergleiche/soziales/bafoeg-rechner/nc/

Fazit: Es lohnt sich in jedem Fall, Bafög zu be-antragen. Selbst wenn der Staat keine Förderung gewährt, erhält der Student zumindest einen groben Anhaltspunkt, was die Eltern an Unterhalt bezahlen sollten. Auch wenn nur eine Minimal-förderung über das Bafög gewährt wird, zählt das. Jeder Euro macht am Monatsende einen Unterschied.

2b. Voraussetzungen für Bafög

Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um Bafög zu erhalten:

• Studierende müssen die deutsche Staatsan-gehörigkeit haben.

• Ausländische Studenten müssen einen Auf-enthaltsstatus haben.

• Studierende müssen bei Bachelor-Studienbeginn jünger als 30 Jahre alt sein. Ausnahmen gelten u.a. bei Studenten mit Kindern oder bei Master-Studienbeginn (35. Lebensjahr).

• es muss sich um ein Erststudium handeln oder

• es muss sich um einen Master-Studiengang handeln, der auf ein Bachelor-Studium auf-baut.

Tipp: Auch bei einem Fachrichtungswechsel kann weiter Bafög gezahlt werden. Wer im Aus-land studieren möchte, kann Auslands-Bafög erhalten. Dafür ist allerdings ein gesonderter Antrag nötig.

Übrigens: Auch Schüler können Bafög erhalten. Meist gilt jedoch als Kriterium, das sie nicht mehr zuhause bei den Eltern wohnen. Förderung gibt es zum Beispiel beim Besuch einer Abend-Haupt-, Real- oder Gesamtschule, eines Abend-Gymnasiums, einer Berufsfachschule oder Fach- und Fachoberschule. Auch hier gilt je nach Schulart eine Höchstförderung von bis zu 735 Euro. Die Förderung ist ein Vollzuschuss und muss nicht zurückgezahlt werden. Mehr zur För-derung von Auszubildenden unter Punkt 5.

2c. Höhe des Bafögs und Rückzahlung

Maximal 735 Euro erhalten Studierende im Mo-nat als Höchstsatz, wenn sie nicht mehr zuhause wohnen. Wer zuhause wohnt, erhält 537 Euro im Monat. Die Beträge setzen sich zusammen aus einem Grundbedarf von 399 Euro und einem Betrag für Unterkunft über 250 Euro (auswärts wohnen) bzw. 52 Euro (bei den Eltern wohnend). Zusätzlich können 71 Euro für die gesetzliche Krankenversicherung und 15 Euro für die Pfle-geversicherung gewährt werden.

Bafög erhalten Studenten zwölf Monate im Jahr für die Dauer der Regelstudienzeit von Bachelor plus Master der jeweiligen Fachrichtung (meist zehn Semester). Sie kommen so maximal auf 44.100 Euro Förderungssumme über die gesam-te Studienzeit. Die Hälfte des Betrags ist ein Ge-schenk des Staates, die andere Hälfte muss der Studierende später zurückzahlen. Allerdings ist der Rückzahlungsbetrag gedeckelt – mehr als 10.000 Euro sind nicht zurückzuzahlen! Wer den maximalen Fördersatz erhalten hat, muss also weniger als ein Viertel der Summe zurückzahlen. Noch dazu ist das Staatdarlehen zinslos.

Die Rückzahlung des Darlehensanteils beginnt fünf Jahre nach dem Ende der Förderungs-höchstdauer und dauert maximal 20 Jahre. Die Rückzahlung ist abhängig vom Einkommen. Die Höhe der monatlichen Raten liegt meist bei knapp über 100 Euro im Monat.

2d. Antragstellung

Der Antrag auf Bafög muss schriftlich erfolgen, Möglich ist ein Online-Antrag oder ein E-Antrag, den aber noch nicht alle Bundesländer anbieten. Beim ersten Mal ist das ein ziemlicher Aufwand, doch mit der Zeit lässt sich der Antrag, der jedes Jahr neu gestellt werden muss, routinierter erle-digen. Hier finden sich alle Links zur elektroni-schen Antragstellung: www.bafög.de/de/587.php. Wer auf einen Antrag in Papierform setzt, kann sich die Formulare hier herunterladen: www.bafög.de/de/alle-antragsformulare-432.php. Oder der Student wendet sich an das Bafög-Amt seines zuständigen Studentenwerkes. www.studentenwerke.de//de/content/finden-sie-hier-ihr-amt-f%c3%bcr-ausbildungsf%c3%b6rderung

Der richtige Zeitpunkt

Bafög kann frühestens ab dem Monat der An-tragstellung gezahlt werden. Deshalb ist es rat-sam, den Antrag möglichst gleich mit Beginn der Ausbildung zu stellen. Wer ab September ein Studium an einer Fachhochschule beginnt, sollte auch direkt mit Beginn einen Antrag stellen. Wer das versäumt, kann noch bis 28. September beim Bafög-Amt einen sogenannten vorläufigen, formlosen Antrag stellen (z.B. so: www.studentenwerke.de/sites/default/files/formloser_BAfoeG_Antrag_0.pdf). Der vollständige Antrag muss dann nachgereicht werden. Auf diese Weise fließt das Geld noch für September. Allerdings kann die Bewilligung bei Semesterstart acht Wochen lang dauern. Diese Zeit müsste der Studierende finanziell selbst überbrücken.

Tipp: Auslands-Bafög muss mindestens sechs Monate vor dem Auslandsaufenthalt beantragt werden.

3. Stipendien als Finanzierungsquelle

3a. Für wen kommt ein Stipendium in Frage?

Stipendien sind eine attraktive Finanzierungs-möglichkeit, weil der Student die Fördergelder später nicht zurückzahlen muss. Es ist wesentlich leichter ein Stipendium zu erhalten, als viele meinen. Fast jeder, der ein Ziel vor Augen hat und das anderen auch glaubhaft vermitteln kann, hat Chancen auf eine Förderung. Gute Noten sind ein Aspekt. Aber auch auf Persönlichkeit kommt es an und soziales Engagement zählt. Manchmal genügt es auch, ein besonderes In-strument zu spielen oder sich in der Jugendarbeit zu engagieren. Ebenso kann ein bestimmter Geburtsort, die Herkunft oder der Beruf der El-tern, ein bestimmtes Studienfach oder ein Eh-renamt ausschlaggebend dafür sein, in die enge-re Auswahl zu gelangen. Es gibt 2.500 Stiftungen unter dem Dach des Bundesverbands Deutscher Stiftungen – die Chance ist gut, dass es genau das zum eigenen Profil passende Stipendium gibt.

3b. So viel Geld gibt es

 Im Durchschnitt haben Studenten im Jahr 2016 über ein Stipendium 423 Euro im Monat erhalten. Doch es gibt keine einheitliche Regelung, wie hoch der Fördersatz ist. Das kann jeder Förderer selbst bestimmen. Die Stipendien der Be-gabtenförderwerke orientieren sich am Bafög-Satz. Darüber hinaus werden auch häufig Son-derzahlungen gewährt wie Büchergeld oder ein Zuschuss zur Kranken- und Pflegeversicherung. Wer ein Stipendium erhält, kann nicht zusätzlich den vollen Bafög-Satz erhalten. Das Stipendium wird dann auf das Bafög angerechnet.

Tipp: Wer die Voraussetzung sowohl für Bafög als auch ein Stipendium erfüllt, sollte dem Sti-pendium den Vorzug geben. Nicht nur, weil man das Geld nach Beendigung der Ausbildung nicht zurückzahlen muss. Sondern auch, weil man ganz kostenlos das Renommee, Netzwerke und Schulungen dazu erhält: Denn das Stipendium sagt nicht nur aus, dass der Student finanziell bedürftig war, sondern dass er vor allem über-durchschnittliche Leistungen erbracht hat.

3c. Wie findet man ein Stipendium?

In der Regel vergeben Stiftungen Stipendien. Es gibt neben den bekannten großen Stiftungen - beispielsweise den Begabtenförderwerken - eine Unmenge an kleineren Stiftungen. Sie alle ver-folgen einen ganz bestimmten Stiftungszweck. Für den Bewerber ist es natürlich essentiell, in das Förderraster der Stiftung zu passen. Es gibt Stipendien für verschiedenste Bedürfnisse: für ein Studium im In- oder Ausland, für For-schungsprojekte, eine Diplomarbeit, eine Promo-tion, für Auslandsaufenthalte, Sprachkurse, als Zuschuss zum Lebensunterhalt oder für Sach- und Reisekosten.

Tipp: Auch Unternehmen und Berufsverbände kommen als Förderer in Frage. Sie leisten im Rahmen von Stipendien finanzielle Zuschüsse zu Diplomarbeiten oder Praktika, um so ihren Nachwuchs zu rekrutieren. Es lohnt sich also, bei Interesse für einen bestimmten Fachbereich, ganz konkret bei Firmen anzufragen, ob sie Sti-pendien gewähren.

Um das passende Stipendium zu finden, ist ein wenig Recherche nötig. Datenbanken können dabei helfen: www.stipendienlotse.de oder www.stiftungssuche.de. Es lohnt sich auch, in der eigenen Hochschule nachzuforschen, ob hier Stipendien beworben oder vermittelt werden. Die Hochschulen sind in der Regel gut vernetzt. Ein Uniprofessor könnte auch eine Empfehlung schreiben, die man einer Bewerbung beifügen kann.

Zwei Beispiele für besondere Stipendien:

Die Zeppelin Universität vergibt jedes Jahr Stipendien

Die Zeppelin Universität vergibt jedes Jahr Stipendien

1. Die Zeppelin Universität in Friedrichsha-fen vergibt jedes Jahr Stipendien, unter an-derem ganz gezielt an Studierende mit einem Bruch im Lebenslauf: an „Gründungspleiti-ers“, wie es dort heißt, an „Studienabbrecher“ und „Sitzenbleiber“, an Legastheniker, „Nerds“, Studierende aus Nicht-Akademiker-Familien, Studierende mit Zuwanderungsge-schichte oder Bachelor-Studenten mit Kin-dern. www.zu.de/studium-weiterbildung/das-studium/stipendien-finanzierung/stipendien-ba/zu-stipendium.php

2. Fast 26.000 Studierende wurden im Jahr 2017 über das Deutschlandstipendium ge-fördert. Dabei teilen sich der Bund und priva-te Förderer (Unternehmen, Vereine, Privat-personen) die Stipendiumsförderung von 300 Euro monatlich. Laut Eigenwerbung sind Er-finderreichtum, Begabung und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen (zum Beispiel für ehrenamtliches Engagement) bei den Studierenden gefragt (www.deutschlandstipendium.de).

4. Kredite und Fonds als Lückenstopfer

4a. So funktionieren Studienkredite

Studienkredite sind sicherlich nicht geeignet, um ein komplettes Studium voll zu finanzieren. Aber als Notnagel, etwa, um einen vorübergehenden Finanzierungsengpass zu überbrücken, sind sie eine gute Lösung. Das ist allemal besser, als ein Studium wegen Geldnot abzubrechen. Wissen muss man aber, dass Kredite die teuerste Art der Studienfinanzierung sind, weil der Darle-hensbetrag voll verzinst zurückzuzahlen ist. Bei einem Studienkredit wird der Darlehensbetrag nicht auf einmal gewährt, sondern monatlich ausgezahlt. Die Rückzahlung beginnt nach einer bestimmten Frist nach Ende des Auszahlungs-zeitraums. Dabei ist es in der Regel unerheblich, ob der Student noch studiert, bereits arbeitet, arbeitslos ist oder kaum Geld zur Verfügung hat.

Der Studienkredit, der am meisten genutzt wird, ist der Studienkredit der KfW, der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Er hat sich in den vergange-nen Jahren gegenüber den Konkurrenzangebo-ten der Banken und Sparkassen durchgesetzt, die fast alle ihre individuellen Studienkredit-Angebote wieder vom Markt genommen haben.

4b. Studienkredit der KfW

Den Studienkredit der KfW gibt es seit 2006. Er ist genau auf die Bedürfnisse der Studenten zu-geschnitten, besticht durch vergleichsweise nied-rige Zinsen und Transparenz. Studierende erhal-ten monatliche Raten von mindestens 100 und höchstens 650 Euro. Die Summe kann jedes Semester neu festgelegt werden. Die Summe gibt es ohne Kreditsicherheiten und unabhängig vom Einkommen. Studenten können maximal 44 Jahre alt sein, um den Kredit zu erhalten.

Nach der Auszahlungsphase gilt eine sogenannte Karenzzeit von 18 bis 23 Monaten. In dieser Zeit müssen nur die Zinsen auf den ausgezahlten Darlehensbetrag gezahlt werden (sofern nicht das Modell Zinsaufschub gewählt wurde), aber es erfolgt noch keine Tilgung. Die Karenzzeit kann auf sechs Monate verkürzt werden. In der dann folgenden Tilgungsphase wird der Dar-lehensbetrag in monatlichen Raten zurückge-zahlt, über maximal 25 Jahre in Mindestraten von 20 Euro.

Die Verzinsung ist variabel. Jeweils zum 1. April und 1. Oktober eines Jahres werden die Zinsen für das kommende Halbjahr festgelegt. Derzeit gilt ein Zinssatz von 3,49 Prozent (Sollzins), ab 1. Oktober 2018 gilt ein neuer Zinssatz. Vereinbart der Studierende einen Festzins – das ist ab der Tilgungsphase möglich - gelten derzeit 4,25 Prozent (Sollzins) bei fünf Jahren und 4,89 Pro-zent bei zehn Jahren Laufzeit.

Die Zinsentwicklung schwankt seit 2007 immer wieder: den Tiefststand erreichte sie mit 3,06 Prozent im Jahr 2012, den Höchststand mit 6,5 Prozent im Jahr 2008. Eine Zinsobergrenze gibt es nicht mehr.

Rechenbeispiel: Ein Student lässt sich über 24 Monate hinweg 300 Euro im Monat als Darlehen auszahlen. Das entspricht einer Gesamtdarle-henssumme von 7.200 Euro. Bei einem Zinssatz von 3,9 Prozent Sollzins zahlt der Studierende bei monatlichen Raten von 100 Euro insgesamt rund 8.700 Euro zurück. Achtung: Das Rechenbeispiel geht davon aus, dass der Zinssatz über die gesamte Dauer stabil bleibt. Er kann aber durchaus variieren. Tilgungsrechner: https://onlinekreditportal.kfw.de/BK_Tilgungsrechner/Rechner/Studienkredit/Main2.jsp#anker

4c. Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes

Auch der Bildungskredit des Bundesverwal-tungsamtes ist eine Finanzierungsoption. Er steht höheren Semestern offen. Studierende ab dem dritten Semester im Bachelor-Studiengang oder im Master-Studiengang können ihn in Anspruch nehmen. Maximal 300 Euro im Monat über eine Dauer von 24 Monaten gibt es. Der Bildungskredit wird von der Bundesregierung finanziell unterstützt, was einen sehr günstigen Zinssatz ermöglicht. Derzeit liegt er bei 0,72 Prozent (Sollzins). Die ersten vier Jahre ab der ersten Auszahlung sind tilgungsfrei, danach sind monatliche Raten von 120 Euro abzuzahlen. Der Bildungskredit ist über das Bundesverwal-tungsamt zu beantragen (www.bildungskredit.de).

4d. Bildungsfonds

Eine Studienfinanzierung über einen Studien-fonds stellt eine weitere Geldquelle dar. Bei die-sen Modellen zahlt der Student später einen Prozentsatz seines künftigen Gehalts zurück. Statt fester Tilgungsraten gilt eine einkommens-abhängige Rückzahlung. Wer also später viel verdient, zahlt möglicherweise mehr zurück, als er an Darlehen bekommen hat, wer wenig ver-dient, zahlt durchaus auch weniger zurück, als er bekommen hat und wer gar nichts verdient, zahlt auch gar nichts zurück. So funktioniert das Mo-dell vereinfacht ausgedrückt. Es gilt die Idee der Solidargemeinschaft: Gutverdienende tragen die Last der weniger gut Verdienenden mit.

Doch stellenweise klaffen bei Bildungsfonds An-spruch und Wirklichkeit auseinander, stellt Ulrich Müller vom Gemeinnützigen Centrum für Hoch-schulentwicklung (CHE) fest, der jedes Jahr Dar-lehensangebote prüft. So sind die Rückzah-lungssummen zum Teil (bei sehr hohen Ein-kommen) immens. Das Landgericht Aachen be-zeichnet sie in einem Fall als sittenwidrig und wucherähnlich (AZ 10 O 483/15, Quelle: Han-delsblatt vom 14.8.2018), am Ende ist dann doch häufig der Bildungsfonds der Gewinner. Deshalb lautet der Rat des CHE, bei solchen Angeboten genau zu prüfen und hinzuschauen, ob im vorge-legten Vertrag auch die Ursprungsidee des Fonds noch erhalten ist. Gut ist, wenn Beispiel-rechnungen über Zahlungsverläufe vorliegen und ein maximaler Rückzahlungsbetrag vertraglich garantiert ist sowie die Rückzahlung erst ab einem jährlichen Mindesteinkommen beginnt (zum Beispiel Chancen eG). Fonds haben den Vorteil, dass sie Studierenden die Möglichkeit bieten, ein komplettes Studium im Ausland zu absolvieren oder höhere Auszahlungssummen zu erhalten. Zu den Anbietern von Bildungsfonds gehören auch die Career Concept, die Deutsche Bildung und Brain Capital.

4e. Privatkredite

Privatkredite, auch P2P-Kredite oder Crowdlending genannt, haben in den letzten Jahren an Popularität gewonnen und werden als Alternative zu herkömmlichen Studienkrediten gehandelt. Bei dieser Variante leiht sich der Stu-dent das Geld von privaten Anlegern. Die Darle-henssumme wird auf einmal ausgezahlt, nicht monatlich. Plattformen wie www.auxmoney.com vermitteln solche Kredite. Solche Angebote sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Ulrich Müller vom Gemeinnützigen Centrum für Hochschul-entwicklung (CHE) weist darauf hin, dass diese Kreditangebote nicht auf die Bedürfnisse von Studierenden zugeschnitten sind, es gibt keine Karenzphase bevor die Tilgung startet und die Zinssätze sind teilweise mit über zehn Prozent horrend.

Wer im Internet nach Kreditangeboten recher-chiert, wird auch auf Strival treffen, ein Start-up, das sich auf Studienkredite fokussiert hat. Als Rückzahlung fallen zehn Prozent des Bruttoein-kommens an, bis der vereinbarte Rückzahlungs-betrag erreicht ist. Liegt das bei 3.000 Euro, sind 300 Euro im Monat zu leisten.

5. Förderungsmöglichkeiten für Azubis

5a. Überblick über Fördermöglichkeiten

Die meisten Auszubildenden verdienen zwar schon im ersten Lehrjahr etwas Geld. Doch häu-fig reicht es nicht, um damit den gesamten Le-bensunterhalt zu bestreiten. Auch für sie gibt es Fördermöglichkeiten, zum Beispiel die Beruf-sausbildungsbeihilfe oder Wohngeld. Azubis, die Auslandserfahrung sammeln wollen, können auch ein Stipendien erhalten (zum Beispiel Her-mann-Strenger-Stipendium, Leonardo da Vinci Mobilität des EU-Bildungsprogramms, siehe auch: httwww.auslandsaufenthalt.org/stipendium-fuer-auszubildende.php). Azubis kurz vor Ende ihrer Ausbildung können den Bildungskredit erhalten (siehe Punkt 4c).

Tipp: Wer eine schulische Ausbildung macht, sprich, eine Berufsfachschule besucht, oder ein duales Studium absolviert, kann Bafög erhalten. Der Höchstsatz für Azubis liegt bei 590 Euro im Monat und muss nicht zurückgezahlt werden.

5a. Berufsausbildungsbeihilfe

Diese Förderung der Bundesagentur für Arbeit, die einen Höchstsatz von 635 Euro vorsieht, erhalten Azubis, die eine anerkannte Ausbildung machen (keine schulische Ausbildung!). Zur Be-rechnung wird das Einkommen der Eltern oder des Partners herangezogen. Voraussetzung ist, dass der Azubi nicht mehr bei den Eltern wohnt bzw. wohnen kann. Über den Rechner können Azubis ermitteln, ob und in welcher Höhe sie Anspruch auf die Förderung haben. http://babrechner.arbeitsagentur.de/

5b. Wohngeld

Wer eine schulische Ausbildung macht und des-halb keine Berufsausbildungsbeihilfe bekommt, kann Wohngeld erhalten, wenn er nicht mehr zuhause bei den Eltern wohnt. Den Antrag auf Wohngeld stellen Azubis bei ihrer jeweiligen Kommune. Azubis müssen mindestens 18 Jahre alt sein.


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