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Fragen und Antworten Ryanair droht mit Stellenabbau - Das müssen Flugreisende zum Streik wissen

Von dpa

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Bereits im August sorgte ein Ausstand der Piloten für viele Flugausfälle und Verspätungen. Auch jetzt müssen Reisende mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Foto: Odd ANDERSEN/AFPBereits im August sorgte ein Ausstand der Piloten für viele Flugausfälle und Verspätungen. Auch jetzt müssen Reisende mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Foto: Odd ANDERSEN/AFP 

Frankfurt. Wegen des Streiks bei Ryanair müssen Fluggäste sich am Mittwoch, 12. September, auf Ausfälle einstellen. Welche Rechte haben Betroffene? Können sie mit Entschädigungen rechnen? Derweil droht die Fluggesellschaft ihren Angestellten mit Stellenabbau.

Bei Ryanair wollen am Mittwoch, 12. September, die Piloten und Flugbegleiter streiken. Bereits im August sorgte ein Ausstand der Piloten für viele Flugausfälle und Verspätungen. Auch jetzt müssen Reisende mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Diese Rechte haben Betroffene:

Muss Ryanair mich umbuchen?

Auf die Umbuchung haben Passagiere laut der Fluggastrechte-Verordnung der EU einen Anspruch. Möglich ist auch, dass Passagiere auf andere Transportmittel gebucht werden, wenn das Ziel per Bus oder Bahn erreichbar ist.

Was ist, wenn ich im Urlaub wegen des Streiks festsitze?

Stranden Passagiere vorübergehend am Flughafen, muss die Fluggesellschaft sie betreuen - unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen und Ausfälle verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Verpflegung. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Hotelübernachtung übernehmen. (Weiterlesen: Ryanair streicht in Deutschland 150 Flüge)

Was gilt bei Pauschalreisen?

Ist der Ryanair-Flug Teil einer Pauschalreise, ist nicht die Airline der Ansprechpartner, sondern der Reiseveranstalter. Er ist nach Angaben der Verbraucherzentralen auch bei Streiks verantwortlich für Kosten, die Reisenden durch eine Verspätung entstehen. Das können zum Beispiel Ausgaben für Verpflegung, Unterkunft, Taxifahrten und Telefonate sein. Bei großen Verspätungen können Pauschalreisende außerdem den Reisepreis mindern. Dafür gibt es Rechentabellen: Ab fünf Stunden Verspätung können Urlauber pro Stunde Verspätung fünf Prozent des anteiligen Tagespreises zurückfordern.

Steht mir bei streikbedingten Flugausfällen eine Entschädigung zu?

Bei Pilotenstreiks haben Reisende eigentlich keinen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung für Ausfälle oder Verspätungen von mehr als drei Stunden. Ein Streik gilt als außergewöhnlicher Umstand. Das gilt aber nur unter der Bedingung, dass die Airline alles in ihrer Macht stehende unternimmt, um die Folgen des Ausstands zu minimieren.

Allerdings hat sich die Rechtsprechung inzwischen weiterentwickelt, erklärt der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover. So entschied der Europäische Gerichtshof im April 2018, dass eine Airline bei einem wilden Streik nur unter zwei Bedingungen von der Erstattungspflicht befreit werden könne: Zum einen dürfe das Ereignis, das zu den Behinderungen führte, nicht Teil der normalen Betriebstätigkeit sein. Und zum anderen dürfe es von der Airline nicht beherrschbar sein (Az.: C-195/17).

Lesen Sie hier: Ryanair fordert deutsche Piloten zur Arbeit auf

Aus dem Urteil leitet Degott ab, dass Entschädigungszahlungen auch bei regulären Streiks möglich sind - wenn es den Streikenden nicht nur um die Bezahlung, sondern um die Arbeitskonditionen insgesamt geht. Betrachtet man die Streikgründe des Ryanair-Personals, «dann liegt das sehr nahe an dem, was der EuGH sagt», urteilt Degott. Allerdings müsse das zunächst erneut gerichtlich geklärt werden. Der Jurist rät, vorsorglich Ausgleichszahlungen zu fordern.

Ryanair droht bei anhaltenden Streiks mit Stellenabbau

Der irische Billigflieger hat derweil am Dienstagmittag mit einem Stellenabbau in Deutschland gedroht, sollte es weitere Pilotenstreiks geben. Solche Arbeitskampfmaßnahmen würden zur Streichung von Standorten und Stellen für Piloten und Flugbegleiter führen, erklärte Ryanair am Dienstag. Die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Verdi hatten am Montagabend zu einem 24-Stunden-Streik ab Mittwoch aufgerufen.

Flughäfen in Düsseldorf, Köln/Bonn und Weeze können betroffen

Der Ryanair-Streik trifft auch Passagiere in Nordrhein-Westfalen. 

Am Flughafen Köln/Bonn hat der irische Billigflieger 20 seiner geplanten 56 Starts und Landungen gestrichen, wie der Airport am Dienstag mitteilte. 

Auch der Airport Weeze am Niederrhein wird von dem Streik getroffen. Dort fallen nach Angaben eines Sprechers 12 der 28 Ryanair-Flüge von und nach Weeze aus. 

Am Airport Düsseldorf ist die Fluggesellschaft Laudamotion, für die Ryanair einzelne Verbindungen übernommen hat, vom Streik betroffen. Vier Flüge aus und nach Spanien wurden nach Angaben des Airports gestrichen. 

Der Flughafen Dortmund meldete bis Dienstagnachmittag keine gestrichenen Ryanair-Flüge. Dort sollen am Mittwoch zwei Maschinen starten. 

An den Flughäfen Münster/Osnabrück, Hannover und Paderborn/Lippstadt wird der Betrieb normal verlaufen. "Ryanair fliegt hier nicht", hieß es dort.

Andrea Hartmann, Pressesprecherin am Flughafen Bremen, empfiehlt Reisenden im Zweifelsfall die Fluggesellschaft, also Ryanair, direkt zu kontaktieren. Das ist aber nicht so einfach, denn eine Kundenhotline gibt es bei der irischen Fluggesellschaft nicht – ebenso wenig eine Liste von betroffenen Flügen auf der Internetseite. „Ryanair hat 42 Flugzeuge an 11 Basen in Deutschland stationiert. Diese Informationen schlüsseln wir nicht nach einzelnen Flughäfen auf“, sagt Robin Kiely, Head of Communications von Ryanair, auf Anfrage.


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