Influenzasaison 2018: RKI meldet 26 Fälle Erstmals Vierfach-Impfstoff gegen Grippe verbindlich

Von Waltraud Messmann, 31.10.2018, 12:00 Uhr
Bevor die Grippe-Saison startet, kann man sich jetzt schon gegen die Influenza impfen lassen. Foto: dpa/Franziska Gabbert

Osnabrück. Die Grippe-Saison steht vor der Tür : Dem Robert-Koch-Institut wurden bisher 26 Influenza-Fälle gemeldet. 21 Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Gesundheitsexperten und -politiker appellieren an die Bürger, sich impfen zu lassen. Dabei ist für die gesetzlichen Krankenkassen erstmals die Impfung mit einem Vierfach-Grippeimpfstoff verbindlich.

In den Apotheken gehen dieser Tage die Lieferungen des Impfstoffes für die kommende Grippesaison ein. Für Kunden der gesetzlichen Kassen gab es bisher keine verbindliche Regelung, ob für Risikogruppen wie Alte oder chronisch Kranke zur Grippevorsorge ein Drei- oder Vierfach- Grippeimpfstoff zu verwenden und bezahlen sei. Das ist jetzt anders. Nach der aktualisierten Schutzimpfungsrichtlinie sollen auch diese Kassen die Kosten für einen Vierfach-Impfstoff übernehmen.

„Einsatz und Kostenfrage sind endlich geklärt“, zeigt sich der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Detlef Haffke im Gespräch mit unserer Redaktion erleichtert. Der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses, die Vierfachimpfung zur Regelleistung zu machen, folgte vielfacher Kritik daran, dass in der vergangenen Grippesaison nicht alle gesetzlichen Krankenkassen bereit gewesen waren, die Impfung mit dem teureren Vierfachimpfstoff statt mit einem preisgünstigeren Dreifach-Impfstoff zu bezahlen.

Über 1600 Toten

Update: Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) war die Grippewelle 2017/18 die stärkste seit 2001. „Geschätzte neun Millionen Menschen sind wegen einer Influenza-Erkrankung zum Arzt gegangen“, sagte Forscherin Silke Buda. „Das waren noch einmal zwei Millionen Menschen mehr als während der starken Grippewellen 2012/13 und 2014/15.“

Bereits für die Saison 2016/17 geht das RKI von 22 900 Todesfällen durch Grippe aus. „Die vergangene Welle könnte sogar noch darüber liegen“, sagte Buda. Eine bundesweite Schätzung der jüngsten Influenza-Todesfälle fehlt noch, weil die Daten zu Sterbefällen des Statistischen Bundesamts noch nicht verfügbar sind. Vergleichbare Grippe-Daten gibt es beim RKI seit 2001. Die Zahl der nachgewiesenen Todesfälle durch Grippe in der Saison 2017/2018 beträgt 1600.

Zwischen Ende Dezember 2017 und Anfang April 2018 erkrankten nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) mehr als 300000 Menschen. Die Zahl der tatsächlich Erkrankten dürfte weit darüber liegen. Fast ein Fünftel der registrierten Grippepatienten (18 Prozent) mussten wegen der Schwere der Erkrankung in eine Klinik eingewiesen werden.

Dreifach-Impfstoff

Ein möglicher Grund für die Heftigkeit der Grippe war nach Ansicht einiger Experten der meist verwendete Dreifach-Impfstoff. Denn in ihm war der in der Saison 2017/18 mit 68 Prozent dominierende Grippevirus Typ B der Yamagata-Linie nicht enthalten. Den breiter wirksamen und teureren Vierfach-Impfstoff mussten die gesetzlich Versicherten aber meist selbst bezahlen. Privatpatienten wurden bereits in der Vergangenheit mit dem Vierfach-Wirkstoff geimpft. Kritiker sahen darin einen Beleg für eine Zweiklassenmedizin.

Patientengruppen

Nach der neuen Schutzimpfungsrichtlinie haben folgende Patientengruppen der gesetzlichen Krankenversicherung einen Anspruch auf eine Vierfachimpfung gegen Grippe:

Als Risikopersonen gelten Personengruppen mit Grundkrankheiten, bei denen es Hinweise auf eine deutlich reduzierter Wirksamkeit der Influenza-Impfung gibt, wie z.B. Personen mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz.

Erhöhtes berufliches Risiko

Geimpft werden sollten laut Haffke im Rahmen eines erhöhten beruflichen Risikos außerdem:

Ann Marini, stellvertretende Pressesprecherin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) , weist aber darauf hin, dass berufliche Indikationen grundsätzlich keine (Pflicht-)Leistung der GKV, sondern Sache der Arbeitgeber seien.

Haffke rät außerdem auch Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln dazu, sich impfen zu lassen. Zwar schütze das nicht vor der Vogelgrippe, doch könnten so problematische Doppelinfektionen vermieden werden.

Freiwillige Satzungsleistungen

Der KVN-Sprecher weist außerdem darauf hin, dass viele gesetzliche Krankenkassen sogar Grippeschutzimpfungen für Versicherte, die nicht zu den oben genannten Risikogruppen zählen, als freiwillige Satzungsleistungen anböten. Patienten, die unsicher seien, ob ihre Kasse die Kosten übernehme, sollten unbedingt bei ihrer Krankenkasse nachfragen, meint Haffke. Als optimaler Zeitraum für eine Impfung gegen Influenza gelten die Monate Oktober und November. Es dauert bis zu zwei Wochen bis sich der Impfschutz aufgebaut hat. Die Dreifach-Grippeimpfstoffe enthalten Bestandteile von zwei Subtypen des Influenza-A-Virus und eines B-Virus.

Im Einzelnen sind das:

Erkältung und Grippe

Erkältung und Grippe werden umgangssprachlich oftmals gleichgesetzt - die echte Grippe verläuft jedoch in der Regel deutlich schwerer: Charakteristisch ist, dass man sich schlagartig sehr krank fühlt, mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und trockenem Husten.

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