Zu schade für die Mülltonne Wohin mit alter Kleidung? Tipps für eine nachhaltige Entsorgung

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Ungewöhnliche Altkleider-Sammelcontainer in Potsdam. Foto: Bernd Settnik/lbnUngewöhnliche Altkleider-Sammelcontainer in Potsdam. Foto: Bernd Settnik/lbn

Hamburg. Ressourcen schonen, Bedürftigen helfen: Mit diesen Anregungen bekommt ausgediente Kleidung einen neuen Zweck.

Der Kleiderschrank ist ausgemistet, ein Textilberg liegt in der Zimmerecke. Welche Möglichkeiten gibt es, die aussortierten Klamotten möglichst umweltverträglich loszuwerden und sie vielleicht sogar einem wohltätigen Zweck zu stiften?

Entscheidend dafür ist der Zustand der Kleidung und wie viel Zeit und Mühe Sie für die Entsorgung aufbringen möchten. Sind die Sachen einwandfrei, eignen sie sich für den Weiterverkauf, Tausch oder die Altkleidersammlung. Die Entsorgung alter Kleidung im Hausmüll ist zwar am praktischsten, doch nicht zwingend nachhaltig. Lediglich stark verschmutzte und beschädigte Stücke sollten in die Restmülltonne. Auch Nylonstrümpfe, getragene Unterhosen und zerschlissene Socken gelten als nicht verwertbar und werden mit dem übrigen Restmüll verbrannt. Für gut erhaltene Stücke gibt es mehrere Optionen:

1. Zweite Chance durch Upcycling

Der gute alte Flicken – Mutti hat den Riss im Hosenbein früher mit einem aufgebügelten Stück Stoff schnell und preiswert kaschiert. Heute gibt es die Flicken in fantasievollen Formen und Farben und sie werden "Patches" genannt, die Mutti "Upcyclerin". Denn wie schon damals, als man Kleidung eher flickte, statt neue zu kaufen, verschaffen immer mehr Kreative alten Kleidungsteilen ein frisches Aussehen: Die Hosenbeine der alten Schlagjeans abschneiden, die Säume aufrauen, fertig sind lässige Shorts. Strasssteinchen aufkleben, Tragetaschen aus alten Hemden nähen, aus einem Kleid einen modischen Zweiteiler schneidern – per Upcycling entstehen meist in Handarbeit Unikate, die ausrangierte Kleidung aufwerten, statt nur wiederzuverwerten (Recycling).

Anregungen und Do-it-yourself-Anleitungen zu dem Thema gibt es etliche auf Youtube oder in Blogs. Mehrere Volkshochschulen bieten mittlerweile Upcycling-Kurse an, in denen man teils auch die Grundlagen des Nähens lernen kann. Leder- oder Pelzspezialisten können auch eine Anlaufstelle sein, wenn der Schnitt eines Teils geändert werden soll.

Auch in der Modebranche ist der Upcycling-Trend angekommen. Wer hochwertige Kleidungsstücke nicht selbst umgestalten will, kann sie zum Beispiel dem Berliner Designerlabel Schmidttakahashi zukommen lassen. Die Firma entwirft aus eingesandten Kleidungsstücken seine Kollektionen und informiert die Spender hinterher, was aus ihren Teilen geworden ist.

2. Verkaufen oder Tauschen

Wer seine getragene Kleidung am liebsten zu Geld machen will, kann das offline versuchen oder über das Internet. Wer sehr viele Klamotten loswerden will, für den lohnt sich vermutlich die Standmiete bei einem Flohmarkt. Eine andere Möglichkeit ist die Abgabe im Second-Hand-Shop, in dem man in der Regel am Verkaufserlös beteiligt wird. Möchte man die Entsorgung mit dem Erstehen neuer Kleidung verbinden, gibt es in vielen Städten öffentliche Tausch-Veranstaltungen. Auch privat organisierte Tausch-Partys eignen sich dazu, sich von unliebsam gewordenen Teilen zu trennen und sich im Gegenzug das ein oder andere neue Teil zuzulegen.


Im Netz gibt es zudem diverse Verkaufsportale, die registrierten Nutzern oft gegen eine geringe Verkaufsgebühr einen Online-Marktplatz für Gebrauchtkleidung bieten. Meist muss man die Kleidung einzeln fotografieren und beschrieben. Klassiker sind Ebay und Ebay-Kleinanzeigen, über die man Artikel versteigern, zum Festpreis einstellen oder über Preise verhandeln kann. Ähnlich wie Ebay Kleinanzeigen arbeitet die Flohmarkt-App Shpock. Bei Mädchenflohmarkt kann man eigene Angebote erstellen oder die Kleidung einschicken, damit Profis das Inserieren übernehmen.  

Mehr als 20 Millionen Mitglieder würden ihre alten Klamotten kostenlos bei Kleiderkreisel verkaufen oder tauschen, berichtet das Unternehmen. Ebenfalls ohne Gebühren arbeitet Kleiderkorb. Designerstücke kann man trotz satter Provision von bis zu 40 Prozent über Vestiaire und Rebelle noch teuer verkaufen. Markenware im exzellenten Zustand nimmt auch der Ankaufhändler Momox an. Wie viel Geld man pro Teil erhält, wird nach dem Eingeben der Beschreibung angezeigt, danach schickt man die Sachen per Post an den Händler.

Weiterlesen: Die Skandale der Textilwirtschaft – und ihre Folgen 

Möchte man seine Klamotten ausschließlich Bekannten oder seiner großen Followerschar anbieten, kann man auch einen eigenen Webshop eröffnen. Zum Beispiel bei Tictail, so geht’s: Die Artikel einstellen und den Link zur Artikelübersicht in den sozialen Netzwerken verbreiten.

3. Spenden für einen guten Zweck

Wer mit seinen aussortierten Sachen etwas Gutes tun will, bringt sie in Kleiderkammern oder soziale Kaufhäuser. Dort werden gut erhaltene Stücke meist gegen einen kleinen Obolus an Bedürftige verteilt. Noch schneller und unkomplizierter ist die Entsorgung im Altkleidercontainer. Jährlich rund eine Million Tonnen Textilien landen laut dem Dachverband "FairWertung" in Kleiderboxen am Straßenrand. Sortierbetriebe übernehmen die Einschätzung, was mit den Klamotten passiert: Was in die Container geschmissen wird, sei zu rund zehn Prozent Abfall, berichtet der Verband. Rund 35 Prozent seien untragbar, weil die Kleidung kaputt oder von mieser Qualität ist. Sie werden zu Dämmstoffen oder Putzlappen verarbeitet oder als Recyclingfaser für neue Textilien verwendet. Die restlichen 55 Prozent würden sich als Secondhandware eignen.

"Angesichts dieser Kleidermenge ist es aber völlig unrealistisch zu erwarten, dass die ausrangierte Kleidung ausschließlich sozialen Zwecken in Deutschland zugute kommt", schreibt "FairWertung". Ein großer Teil werde daher gewerblich nach Osteuropa, in den Mittleren Osten oder Afrika weiterverkauft. Auch gemeinnützige Kleidersammler wie das Deutsche Rote Kreuz verfahren so. 

NDR-Doku: "Die Altkleider-Lüge"

2011 befeuerte eine NDR-Dokumentation eine heute noch verbreitete Annahme: Dass hierzulande gespendete Kleidung die heimische Wirtschaft in den Dritte-Welt-Ländern kaputt macht. Die Reportage "Die Altkleider-Lüge – Wie Spenden zum Geschäft werden" zeigt auf, wie der Großteil der deutschen Kleiderspenden nicht etwa kostenlos an Bedürftige in Afrika geht, sondern dort weiterverkauft wird. Dies treibe die heimische Textilindustrie in den Ruin, folgerten schon Untersuchungen der 80er- und 90er-Jahre.
Dass die eigene Kleidungsindustrie in Afrika verkümmert, liegt jedoch hauptsächlich an Wettbewerbsverzerrungen – auch durch den Altkleiderumschlag, aber vor allem durch eine verfehlte staatliche Produktionsförderung und importiere Billigware aus Asien. Dem Verband "FairWertung" zufolge hängen Tausende Arbeitsplätze in Afrika an dem Handel mit Gebrauchtkleidung. Da ihre Qualität meist besser ist als die der asiatischen Massenware werden europäische Altkleider in Afrika sehr geschätzt.
Mittlerweile wird auch wieder verstärkt genäht in Afrika, auch wenn davon maßgeblich ausländische Investoren und Kunden profitieren: Mehrere Lieferanten haben ihre Fabriken in afrikanische Staaten verlagert, weil die Produktionsbedingungen – etwa Brandschutz und Mindestlöhne – in asiatischen Ländern den Gewinn schmälern. Der Lohn in Afrika beträgt oft nur ein Bruchteil dessen, was in Asien bezahlt wird.


Eine andere Option ausgemisteter Kleidung einen Sinn zu geben, ist die Spende an einen Theaterfundus. Meist wird man dort zwar nur besondere Einzelteile los, aber Vintage-Kleidung aus vergangenen Epochen wird oft für Kostüme gesucht. Der geerbte Pelzmantel der Großmutter könnte so womöglich Bühnenkarriere machen, statt im Schrank ein verstecktes Dasein zu fristen.


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