Studie der Universität Jena Osnabrücker und Emsländer sind extrovertiert, haben aber keine Lust auf Neues

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Eine Studie der Uni Jena belegt: Die Menschen in Emsland und Osnabrücker Land passen zum Teil ins Stereotyp des unterkühlten Norddeutschen. Symbolfoto: Marijan Murat/dpaEine Studie der Uni Jena belegt: Die Menschen in Emsland und Osnabrücker Land passen zum Teil ins Stereotyp des unterkühlten Norddeutschen. Symbolfoto: Marijan Murat/dpa

Osnabrück. Die Menschen im Emsland und dem Osnabrücker Land haben wenig Lust auf Neues. Das geht aus einer wissenschaftlichen Studie der Universität Jena hervor. Unsere Redaktion hat nachgefragt, wie die Autoren der Studie zu ihrem Ergebnis kommen und was sie noch über die Menschen in der Region herausgefunden haben.

Die Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben eine sogenannte psychologische Deutschlandkarte erstellt. Damit beteiligten sie sich an dem internationalen "The Big Five Project". "Bei den Big Five handelt es sich um fünf Persönlichkeitsmerkmale, die ab dem Erwachsenenalter relativ konstant bleiben und mit denen sich die Persönlichkeitsstruktur eines Erwachsenen umfassend beschreiben lässt", erläutert Prof. Dr. Martin Obschonka von der Queensland University of Technology. 

Die fünf Merkmale sind: 

  • Extraversion (nach außen gewandte, gesellige Haltung)
  • Offenheit für neue Erfahrungen (Fantasie, Wissbegierde und eine Vorliebe für Abwechslung)
  • Neurotizismus (geringe emotionale Stabilität, Tendenz zu Angst, Nervosität und Unsicherheit)
  • Verträglichkeit (Kooperationsbereitschaft und Selbstlosigkeit)
  • Gewissenhaftigkeit (organisierte, sorgfältig planende und zuverlässige Haltung)

Knapp 1.000 Teilnehmer aus Osnabrücker Land und Emsland

Die Untersuchung sollte auch Ergebnisse darüber liefern, ob gängige Vorurteile wie die norddeutsche Unterkühltheit, die süddeutsche Gemütlichkeit, die Weltoffenheit der Großstädter oder Reserviertheit der Landbewohner zutreffen. An der Online-Umfrage teilgenommen haben mehr als 73.000 Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren. Aus dem Emsland nahmen 214 und aus dem Osnabrücker Land 755 Personen teil.

In dem Persönlichkeitstest hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, nicht nur sich selbst, sondern auch eine andere Person, etwa einen Freund oder einen Kollegen, in alltäglichen Situationen einzuschätzen. Der Vergleich mit einer gut vertrauten Person sollte die Einschätzung nach Ansicht der Forscher genauer machen. Nach Ende des Tests wurden den Teilnehmern die Ergebnisse angezeigt.

Bestätigen konnten die Forscher die Stereotype vom unterkühlten Norddeutschen – und dazu zählen womöglich auch die Osnabrücker und die Emsländer, denn deren Ergebnisse im Bereich "Offenheit für neue Erfahrungen" werden der untersten Kategorie (dunkelblau) zugeordnet: 


Dass die Osnabrücker und die Emsländer so verschlossen gegenüber Neuem sind, bestätigt die norddeutsche Unterkühltheit. Foto: Universität Jena

Ein weinig widersprüchlich sind die Ergebnisse der Studie jedoch, betrachtet man die Kategorie "Extraversion". Sowohl Emsländer als auch Osnabrücker sind demnach sehr extrovertiert, geben also gesellige Zeitgenossen ab. Das passt nicht so recht in das Bild des kühlen Norddeutschen.


Aufatmen: Die Emsländer und Osanbrücker sind gesellige Zeitgenossen. Foto: Universität Jena


Außerdem fällt auf, dass Emsländer und Osnabrücker gleichermaßen nicht sehr sorgfältig und zuverlässig sind. Im Bereich "Gewissenhaftigkeit" rangiert die Region im unteren Mittelfeld (hellblau):


Nicht sehr zuverlässig und zielstrebig sind die Osnabrücker und Emsländer. Foto: Universität Jena


Im Bereich "Verträglichkeit" können die Menschen in der Region stolz auf sich sein. Die Emsländer sind zwar noch ein klein wenig selbstloser, aber auch die Osnabrücker liegen mit dem zweithöchsten Wert gut im Rennen: 


Die Emsländer sind noch einen Tick hilfsbereiter als die Osnabrücker. Foto: Universität Jena



Ferner konnten die Forscher mit der Studie das Vorurteil des gemütlichen Süddeutschen untermauern. Außerdem stellten sie fest, dass Ostdeutsche durchschnittlich etwas weniger extrovertiert, weniger emotional und weniger offen für Neues sind als Westdeutsche. 

Welchen Nutzen haben die Ergebnisse?

Insgesamt seien die gefundenen regionalen Unterschiede zwar relativ klein, aus den Ergebnissen lassen sich laut Prof. Dr. Michael Fritsch von der Universität Jena aber trotzdem durchaus wirtschaftlich relevante Informationen ableiten. "Wenn wir uns beispielsweise die vorherrschenden Persönlichkeitseigenschaften in einer Region mit besonders hohen Gründerzahlen anschauen, dann lernen wir beispielsweise etwas über besonders unternehmerisch geprägte Persönlichkeitsstrukturen." Solche und andere Analysen wollen die Forscher nun auf Basis ihrer "psychologischen Deutschlandkarte" weiter vorantreiben.


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