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Die Höhle der Löwen 2018 Warum Vox-"Löwe" Georg Kofler auf Instagram setzt

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Georg Kofler war Senderchef von Pro Sieben und Premiere, jetzt investiert er in der Vox-Show "Die Höhle der Löwen" auf Produkte, die er dann als Chef der Social Chain Group von Influencern vermarkten lässt. Foto: MG RTL D / Bernd-Michael MaurerGeorg Kofler war Senderchef von Pro Sieben und Premiere, jetzt investiert er in der Vox-Show "Die Höhle der Löwen" auf Produkte, die er dann als Chef der Social Chain Group von Influencern vermarkten lässt. Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

Berlin. Georg Kofler investiert sein Geld in der Vox-Show "Höhle der Löwen" . Und in Influencer. Warum glaubt er an Instagram?

Am 4. September startet bei Vox die fünfte Staffel der "Höhle der Löwen". Georg Kofler, im letzten Jahr schon als Ersatzmann dabei, teilt sich diesmal regelmäßig den Löwen-Sessel mit Judith Williams. Hinter der Kamera arbeitet der 61-Jährige im Bereich des Influencer-Marketings. Wie kam der ehemalige Sender-Chef von Pro Sieben und Premiere (heute Sky) zum Influencer-Marketing seiner Social Chain Group? Ein Interview:

Herr Kofler, Sie haben das Privatfernsehen über Jahrzehnte geprägt. Waren Sie dabei jemals als Star vor der Kamera zu sehen?

Kofler: Als Fernsehchef war ich natürlich in Talk-Shows, aber immer nur anlassbezogen. Als fester Teil einer Unterhaltungssendung ist es für mich ein erstes Mal.

Der Rollenwechsel scheint Ihnen Spaß zu machen?

Wissen Sie, ich spiele in der „Höhle der Löwen“ ja keine Rolle. Es ist ja die Fortsetzung meines unternehmerischen Lebens, nur eben mit Kameras. Der Reiz der Sendung ist, dass sie lebensecht ist. Ich stelle den Kandidaten dieselben Fragen, die ich auch in meinem Büro stellen würde.

Als Unternehmer erschließen Sie gerade die Welt der Social Media; Ihre eigene mediale Präsenz findet jetzt aber im klassischen, linearen Fernsehen statt. Ist das ein Widerspruch?

Gar nicht. Ich glaube an das Nebeneinander von alten und neuen Medien und bin der Letzte, der das Fernsehen als Auslaufmodell bezeichnet. Medien ergänzen sich; nie haben neue Medien alte gekillt. Sie selbst kommen von der Zeitung; Ihnen sagt man seit Jahren den Tod voraus – und trotzdem sprechen wir miteinander. Erfolgreiche Medienmacher neigen zu Arroganz; und die ist das einzige, was bei einem Medienwandel stirbt: Die alten Medien werden gerade bescheiden und stellen sich der Herausforderung. Zum Fernsehen wäre ich selbst allerdings nie mehr zurück gegangen. Es hätte für mich einfach keinen Reiz, noch mal ProSieben-Chef zu sein.

Was reizt Sie an Social Media?

Das ist eine neue Welt mit neuen Gesichtern und neuen Geschäftsmodellen. Mich faszinieren die Interaktivität, die Internationalität und die Kombination von Social Media mit E-Commerce. Auf einmal kann ich Dinge machen, die früher nicht möglich waren.



Was genau machen Sie denn? Wenn man Sie googelt, stößt man auf Firmen wie Social Chain Group und Glow Media Group. Was genau passiert da?

Ich bin Hauptaktionär und Geschäftsführer der Social Chain Group. Das Unternehmen betreibt Social-Media-Kanäle, Influencer-Marketing, Social-Media-Marken mit Agenturen und E-Commerce. Wir haben E-Commerce-Companys und -Marken, die wir mit unseren Social-Media-Reichweiten weiterbringen. Insgesamt werden wir in diesem Jahr an die 200 Millionen Euro Umsatz machen, mit 700 Mitarbeitern. (Mehr TV: Wer blinkt, wer stinkt? Die Big-Brother-Promis im Check)

Und Glow …

… ist ein Tochterunternehmen der Social Chain Group, das die Glow Convention ausrichtet, eine Messe rund um das Thema Beauty – und supererfolgreich.

Und wenn Sie in „Die Höhle der Löwen“ investieren, produzieren Sie die Produkte hinterher nicht selbst, sondern bewerben Sie via Social Media?

Genau. Wir bauen Web-Shops und machen das Marketing, aber ganz wichtig: Die Gründer müssen ihre Firma selbstständig führen. Wir helfen als unternehmerische Partner.

Instagram-Kanäle von Influencern passen natürlich auch wunderbar zur „Höhle der Löwen“. Hier wie dort sieht man Produkte, die kaum einer auf dem Einkaufszettel hat: Nahrungsergänzungsmittel, dehydrierte Infinity-Flowers … Warum werben Social-Media-Stars nicht auch mal für Waschmittel und Zahncreme?

Doch, das übersehen Sie nur. Die großen Unternehmen werben auch mit Social Media, aber sie setzen es anders ein. Influencer-Marketing ist ja nur ein Teil des Social-Media-Marketings. Es gibt eigene Kanäle, über die Produkte von eigenen Redaktionen beworben werden. Viele Unternehmen sind da noch unerfahren, aber häufig ist Social-Media-Werbung differenzierter als der plakative Werbeblock im Fernsehen– weil das junge Publikum sagt: Klassische Werbung gucke ich mir nicht an.

Muss Vox Angst haben, dass das Fernsehen einen Großteil der Werbebudgets demnächst an Sie verliert?

Print und Fernsehen werden Werbeumsätze ans Internet verlieren; das ist längst schon im Gange. Aber das ist nicht so dramatisch, dass alles den Bach runtergeht. Neue Medien bringen mehr Wettbewerb um die werbetreibende Wirtschaft. Aber die Wirtschaft stellt dann auch wieder neue Marken und Produkte her, die für die neuen Werbeträger besser geeignet sind. Mehr Werbeträger – mehr Produkte. Ohne das Privatfernsehen wären viele Produkte in den letzten 30 Jahren gar nicht entstanden.

Zum Beispiel?

Hunderte. Mit dem Privatfernsehen sind Hunderte von Produkten entstanden, nur weil die Wirtschaft auf sie aufmerksam machen konnte.


Die Vox-Löwen: Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Dagmar Wöhrl, Ralf Dümmel (vorne), Frank Thelen und Georg Kofler (hinten, von links). Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer


Haben Sie jemals ein Produkt genutzt, das ein Influencer in die Kamera gehalten hat?

Nein, wobei: Wenn ich die Judith Williams als Influencerin nehme, dann schon: ihre Männerkosmetik.

Neue und alte Medien konkurrieren nicht nur um Werbekunden, sondern auch um das Publikum. Ist das die relevantere Größe?

Die Marktanteile beim Publikum sind erst mal die Voraussetzung für Werbeeinnahmen. Um die jüngeren Zielgruppen ist der Wettbewerb besonders intensiv. So war es vor kurzem unvorstellbar, dass es heute eine Generation von 14- bis 29-Jährigen gibt, die keinen Fernseher hat. Natürlich schauen auch die noch fern, aber eben nicht mehr 200, sondern weniger als 100 Minuten am Tag.

Mit 61 Jahren sind Sie fast alt genug, um ZDF zu gucken. Was sehen Sie sich selbst an?

Ich schaue gerne Sport, als Golf-Fan bin ich begeisterter Premiere-, ach, was sage ich, Sky-Kunde.  (Mehr TV-Themen: Lesen Sie hier die Geschichte des realen Baus "Fort Boyard")

Kunde? Da haben Sie als ehemaliger Chef doch sicher ein Frei-Abo.

Nie und nimmer. Ich zahle maximal, 59 Euro im Monat – und das gleich zweimal: in Berlin und am Tegernsee. Ich will nichts geschenkt haben. Im Sportbereich schaue ich gerne Sky, bei den Nachrichten ARD und ZDF, und ansonsten sind meine drei Privatsender in dieser Reihenfolge Pro Sieben, Vox, RTL. Bei ProSieben gucke ich immer noch gerne die Sitcoms, und am liebsten „Die Simpsons“. Die habe ich ja selbst eingeführt.

Bei Social Chain soll das Durchschnittsalter der Mitarbeiter 22 Jahre betragen.

Na, in England vielleicht, international eher 28 Jahre.

Ist Berufserfahrung nur noch auf der Führungsetage wichtig und alles, was ich seit 20 Jahren mache nichts mehr wert?

Na, nun seinen Sie mal nicht beleidigt. Neue Medien bringen eine neue Generation von Medien-Machern mit sich. Bei Instagram und Twitter ist die Generation gefragt, die Teil dieser Kultur ist. Das ergibt sich so. Ich will mit meinen 61 Jahren niemanden bei seinen Instagram-Videos übertrumpfen. Das sollen die machen, die darin leben. In der unternehmerischen Führung und dem Finanzstruktur sind Leute mit Lebenserfahrung aber unerlässlich.


Alle Senderinformationen zu "Die Höhle der Löwen 2018" im Special auf vox.de


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