Hype um Freudentänzchen Das steckt hinter dem Floss-Dance

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Osnabrück Nach dem Dab kam der Floss-Dance: Wie ein Online-Videospiel und eine Playback-App zum Trendbeschleuniger für ein Freudentänzchen wurden.

Man kann sie derzeit im Freibad, an der Bushaltestelle, auf dem Fußballplatz oder auf dem Schulhof sehen – oder in unzähligen Videoclips auf Youtube oder auf der ehemaligen Playback-App „Musical.ly“ – nun „Tik Tok“: Teenager, die plötzlich die Hüfte hin- und herschieben und zugleich die durchgestreckten Arme in der Gegenrichtung von rechts nach links immer schneller mal vor, mal hinter dem Körper schwingen. Sie führen den sogenannten Floss Dance aus. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet das Zahnseide-Tanz.

Nicht nur durch den skurrilen Begriff wird die coole Geste ironisch gebrochen. Denn zu deren Markenzeichen gehört der starr geradeaus gerichtete ernste Blick: So sieht er also aus, der neue Ausdruck unbändiger Freude über einen persönlichen Sieg, einen bestandenen Schultest, ein gewonnenes Spiel oder nur darüber, die Herausforderung gemeistert zu haben, das Tänzchen lässig und korrekt auszuführen.

„Style, Präzision und Schnelligkeit“

Zu einem echten „Floss-Dance“ gehören: „Style, Präzision und Schnelligkeit“, wie der Floss-Erfinder, der 16-jährige amerikanische Internetstar „Backpack Kid“ aus Georgia, unlängst dem „Wall Street Journal“ erklärte. „Kinder können ihn besser, weil sie gelenkiger sind“, sagte der tanzende Rucksackträger, der im richtigen Leben Russell Horning heißt, weiter. Doch dass Konzentration und Koordination keine Fragen des Alters sind, bewies erst vor Kurzem der Clip einer 70-jährigen Amerikanerin, die vor einem Restaurant flink den Floss auf den Asphalt legte und sich danach diebisch freute.

Tanzclips aus dem Kinderzimmer

Beim diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) in Lissabon zeigte sich, dass der Hüftschwung des „Backpack Kid“ längst in Europa angekommen ist: Mikolas Josef, der für die Tschechische Republik sang, trug bei seinem Auftritt nicht nur einen Rucksack auf dem Rücken: Er zitierte in seiner Choreografie im Refrain von „Lie To Me“ auch den Floss-Tanz. Die Karriere des schlaksigen „Rucksackkindes“, das derzeit 2,1 Millionen Follower auf Instagram („thebackpackkid“) zählt, begann im Kinderzimmer mit selbst gedrehten Tanzclips. Bereits 2014 habe er den heutigen „Floss“ kreiert, getauft habe er ihn damals noch „The Russell“.

Mittlerweile bietet er auch eigene Fanartikel mit aufgedruckter Anleitung für ein korrektes Zahnseide-Tänzchen vom T-Shirt, Tank Top bis zum Hoodie online an. Seine Bekanntheit wuchs sprunghaft nach einem Floss-Aufritt mit US-Popstar Katy Perry, die ihn im Netz entdeckt hatte, im Mai 2017 in der Show „Saturday Night Life“ (SNL) zu ihrem Song „Swish, Swish“. Das Youtube-Video dazu wurde über 40 Millionen Mal aufgerufen und der Tanz mehrfach nachgeahmt. Auch die ehemalige Playback-App „Musical.ly“ wirkte als Trendbeschleuniger unter den Teenagern für den weltweiten Hype um den Zahnseide-Tanz-Wettbewerb aus dem Kinderzimmer.

Schadenfreudiges Siegertänzchen in „Fortnite“

Doch so richtig befeuert wurde dieser dann ab September 2017, als sich das Videospiel „Fortnite-Battle-Royale“ rasant weltweit millionenfach verbreitete. Darin taucht der Floss – nunmehr in seiner Bedeutung umgewidmet – als schadenfreudiges Siegestänzchen der Spielfiguren in ihrem Überlebenskampf auf dem virtuellen Schlachtfeld auf. Insgesamt gibt es davon 58 als Unterhaltungselement gedachte Tanzeinlagen, darunter finden sich der „Dab-Dance“ oder auch Gangnam Style „Ponyritt“ wieder. (Weiterlesen: Fortnite: Das steckt hinter dem Hype um das Videospiel)


Das Phänomen hat nicht nur Teenager, Popstars, sondern längst auch prominente internationale Basketball- und Fußballspieler wie den Franzosen Antoine Griezmann erfasst. Letztere haben die „Fortnite“-Siegesposen aus dem Computer auf das reale Spielfeld übertragen. Das erstaunt auch den Kulturwissenschaftler und Games-Experten Christian Huberts im Interview mit dem „Deutschlandfunk“: „In diesem Ausmaß wie bei Fortnite ist es schon sehr ungewöhnlich, dass ein Element eines Computerspiels so sichtbar wird und auf so vielen Ebenen im Alltag auftaucht. Und dass plötzlich auch Menschen, die keinerlei Berührung mit der Computerspielkultur haben, das auch mitkriegen.“


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