Aktuelle Daten Globales Problem: Hohe Mikroplastik-Konzentrationen um die Osterinsel

Von dpa und nib

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Von der Plastikmüll-Problematik in den Weltmeeren sind zig Tierarten betroffen. Foto: dpa/EPA/MIKE NELSONVon der Plastikmüll-Problematik in den Weltmeeren sind zig Tierarten betroffen. Foto: dpa/EPA/MIKE NELSON

Kiel. Sogar in den entlegensten Meeresregionen haben Forscher Plastikpartikel gefunden. Eine Architektin hat ein Modell zur Abhilfe der Müllproblematik entworfen.

Die Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll betrifft einer deutsch-chilenischen Studie zufolge inzwischen selbst die entlegensten Regionen der Erde. "Besonders hohe Mikroplastik-Konzentrationen haben wir rund um die Osterinsel und in bis 2000 Kilometern Entfernung vor der chilenischen Küste gefunden", erläutert Hauptautor Martin Thiel von der Universidad Católica del Norte in Coquimbo in Chile. Die Osterinsel liegt im Südpazifik, Tausende Kilometer von Südamerika und Australien entfernt.

Fast 100 Tierarten betroffen

In der Fachzeitschrift "Frontiers in Marine Science" dokumentieren die Wissenschaftler, darunter Forscher des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, das Ausmaß der Verschmutzung und den Einfluss auf das marine Ökosystem. Bei 97 verschiedenen Arten habe man Kontakt mit Plastikmüll nachgewiesen – die Tiere waren entweder in dem Abfall verheddert oder hatten Plastik mit der Nahrung aufgenommen. Dies betraf unter anderem 20 Fischarten, 53 Seevögel-Spezies, 19 verschiedene Meeressäuger und 5 Arten von Meeresschildkröten.

"In den Mägen finden sich alle möglichen Plastikfragmente, zum Teil in erschreckend hoher Konzentration", berichtet Ko-Autor Nicolas Ory vom Geomar. Diese Plastikteile beeinträchtigten oder schwächten die Lebewesen und könnten langfristig die Sterblichkeitsquote erhöhen. Maßnahmen zur Reduzierung des Plastikmülls seien dringend geboten, mahnt das Team.

Konzentration der Plastikpartikel in subtropischen Wirbeln

Die Forscher nahmen und analysierten Wasserproben auf mehreren Expeditionen im Südpazifik zwischen der Osterinsel und dem südamerikanischen Festland. Außerdem werteten sie Berichte über marine Organismen aus, die sich in größeren Plastikteilen wie beispielsweise alten Fischernetzen verfangen hatten.

"Das kommt häufiger in den küstennahen, stark befischten Regionen des Humboldtstroms vor, während wir im offenen Ozean eher sehen, dass Organismen kleinere Plastikteile verschlucken", betont Thiel. Die Studie zeige sehr deutlich, dass sich die Partikel im Bereich der subtropischen Wirbel konzentrieren, erläutert der deutsche Meeresbiologe, der seit vielen Jahren in Chile lebt und sich gegen die Verschmutzung der Ozeane engagiert.

"Dies sind keine guten Nachrichten", resümierte Thiel. "Das Müllproblem im Ozean ist global." Die Studie bestätige auch Mikroplastik-Messungen während der kürzlich zu Ende gegangenen weltweiten Segelregatta Volvo Ocean Race, die Mitarbeiter des Geomar initiiert hatten.

Regionale Unterschiede sehr groß

So war sogar am Point Nemo im Südpazifik – jene Stelle, die weltweit am weitesten vom nächsten Land entfernt ist – Mikroplastik im Meerwasser. Das Geomar und das Kieler Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" hatten zwei Jachten für die Regatta mit Sensoren ausgestattet. Die Mikroplastik-Konzentrationen seien regional sehr unterschiedlich, sagt Sören Gutekunst vom Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft", der das Geomar-Projekt technisch betreut hatte. Die höchsten Konzentrationen fanden sich demnach entlang der Regattastrecke im Mittelmeer und im westlichen Pazifik.

Diese Plattform soll helfen, die Meere von Plastikmüll zu befreien. Foto: Pacific Garbage Screening e.V.

Eine Aachener Architektin hat für ihre Masterarbeit ein Modell entwickelt, dass Abhilfe für Müllproblematik in den Weltmeeren schaffen könnte. Die Idee: Eine im Wasser schwimmende, rund 400 Meter lange Plattform soll durch ihre spezielle Bauweise Plastikpartikel aus dem Wasser filtern. Da die Konstruktion komplett ohne Netze auskommt, würden Meereslebewesen durch sie nicht gefährdet.  

Da die Plattform die Meeresströmung punktuell beruhigt, soll das Plastik durch seinen eigenen Auftrieb an die Oberfläche steigen, wo es anschließend eingesammelt werden kann. Derzeit gibt es die Plattform jedoch nur als Modell. Die Architektin hofft, dass es in spätestens fünf Jahren einen ersten Prototypen gibt.


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