Sterberisiko hängt von Klinik ab Rund 200.000 Deutsche haben erweiterte Bauchschlagader

Von afp

Erweiterte Bauchschlagadern betreffen rund 200.000 Männer und Frauen in Deutschland. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpaErweiterte Bauchschlagadern betreffen rund 200.000 Männer und Frauen in Deutschland. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa

Leipzig. Erweiterte Bauchschlagadern sind tickende Zeitbomben: Rund 200.000 Männer und Frauen in Deutschland leiden an einem solchen Aneurysma. Die Überlebenschancen bei einem medizinischen Eingriff hängen nicht nur vom Operationsverfahren ab, sondern auch von der Wahl des Krankenhauses.

So gehen minimal-invasive Operationen mit einer geringeren Sterblichkeit einher als große chirurgische Eingriffe, heißt es in einer Studie der Barmer, in der die Zahlen ermittelt wurden . Auch zertifizierte Gefäßzentren oder Kliniken mit einer hohen Zahl solcher Operationen schneiden besser ab.Reißt ein solches Aneurysma, überleben nur 20 Prozent der Patienten den massiven Blutverlust.

Männer häufiger betroffen

Ältere Männer erkranken sechsmal häufiger als Frauen an einer sogenannten Aussackung der Bauchaorta. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter. Rauchen oder eine familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko noch weiter. Dem Krankenhausreport zufolge wurden im Jahr 2016 mehr als 11.400 Patienten über 65 Jahre an der Bauchaorta operiert. Andere Studien gehen von rund 17.000 Operationen aus.In zertifizierten Gefäßzentren, die über eine hohe Behandlungsqualität sowie fachliche Erfahrung auf dem Gebiet verfügen, und in Krankenhäusern mit hohen Fallzahlen lag die Sterberate nach der OP demnach um 2,6 Prozentpunkte niedriger als in Häusern mit niedriger Fallzahl.

Minimal-invasive Methode erfolgreicher

Zudem war die Sterberate drei Jahre nach einem planbaren Eingriff um zwei Prozentpunkte geringer, wenn die Operation nicht offen­chirurgisch, sondern minimal­invasiv erfolgte. Wurde der Eingriff zudem in einem zertifizierten Zentrum vorgenommen, waren die Überlebenschancen noch besser. Bei einer Operation wird ein Ersatzgefäß in den erkrankten Bereich der Schlagader eingenäht. Eine schonende Alternative ist ein minimal-invasiver Eingriff, bei dem über einen kleinen Leistenschnitt eine Gefäßprothese unter Röntgenkontrolle an die betroffene Stelle gebracht und dort entfaltet wird.

Unterschiedliche Situation in den Bundesländern

Barmer-Chef Christoph Straub forderte die Einführung von Mindestmengen pro Standort und Operateur. Künftig sollten die Eingriffe nur noch in zertifizierten Gefäßzentren oder Kliniken mit einer hohen Fallzahl erfolgen. Krankenhäuser, die die festgelegten Mindestmengen nicht erreichen, sollten keine Vergütung mehr bekommen, erklärte Straub.Wie aus dem Krankenhausreport hervorgeht, gibt es bei den OP-Verfahren deutliche Unterschiede. So wurden in Sachsen zwischen 2014 und 2016 fast 86 Prozent der Patienten minimal-invasiv operiert. In Niedersachsen und dem Saarland waren es dagegen nur 69 beziehungsweise 61 Prozent.

Symptome unspezifisch

Die meisten Betroffenen wissen gar nicht, dass sie an einer erweiterten Bauchschlagader leiden. Beschwerden werden als Bauchschmerzen oder auch als Rückenschmerzen abgetan, wenn die Aussackung der Hauptschlagader etwa auf die Wirbelsäule drückt. Kommt es dann zu einem Riss, ist es häufig für einen Eingriff zu spät.Seit Beginn diese Jahres haben gesetzlich versicherte Männer ab 65 Jahren Anspruch auf eine einmalige Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung eines Aneurysmas der Bauchschlagader.

Deutschland ist eines der letzten Länder in Europa, in denen ein solches Programm eingeführt wurde. Für Frauen gilt das nicht, weil das Erkrankungsrisiko geringer ist.


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