Phänomen Wetterfühligkeit Hat das Wetter Einfluss auf die Gesundheit?

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Viele Menschen bekommen Kopfschmerzen bei starken Wetterumschwüngen. Foto: dpa/Oliver KilligViele Menschen bekommen Kopfschmerzen bei starken Wetterumschwüngen. Foto: dpa/Oliver Killig

Hamburg. Nach der Hitze steht in diesen Tagen ein Wetterumschwung bevor, viele Menschen reagieren darauf sensibel. Experten jedoch bezweifeln dieses Phänomen.

Eine Kältefront sorgt bei Rheumapatienten für Gelenkschmerzen, Gewitter verursachen Herzprobleme und plötzliche Temperaturschwankungen lösen Schwindelgefühle und Migräne aus. Viele Menschen reagieren sensibel auf das Wetter. Wissenschaftler allerdings streiten seit Jahren darüber, ob und in welcher Form es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und dem gesundheitlichen Wohlbefinden gibt. 

Der Mediziner und Physiker Jürgen Kleinschmidt ist der Meinung, dass weniger das Wetter, sondern eher die persönliche Verfassung das Wohlbefinden beeinflussen. Er meint, das Wetter werde oftmals nur als Sündenbock benutzt, obwohl der Grund für Beschwerden möglicherweise ein anderer ist – das Bier vom Vorabend beispielsweise, Stress oder Schlafmangel. 

Jeder Mensch reagiert auf das Wetter

Trotzdem ist laut einer Studie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aus dem Jahr 2013, an der 1623 Bundesbürger teilgenommen haben, fast jeder zweite der Meinung, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und der eigenen Gesundheit gibt (57 Prozent der Frauen sowie 42 Prozent der Männer). Einige der Befragten sind zudem der Meinung, Wetterveränderungen bereits vorab an einzelnen Körperstellen zu spüren – beispielsweise an schmerzenden Narben oder Gelenken. 

Im Rahmen der DWD-Studie haben 33 Patienten ein halbes Jahr lang Tagebuch über ihre Kopfschmerzen geführt, anschließend wurden die Ergebnisse mit der jeweils vorherrschenden Wetterlage abgeglichen. Dabei kam heraus, dass es bei etwa zwei Drittel der Teilnehmer einen Zusammenhang zwischen den subjektiven Beschwerden und dem Wetter gab. Einen objektiven Beweis dafür gibt es bislang allerdings nicht. 

Fest jedoch steht, dass jeder Mensch auf das Wetter reagiert. Damit der Körper konstant auf einer Temperatur von 37 Grad Celsius gehalten wird, reagiert er mit Regulationen des vegetativen Nervensystems – etwa schwitzen bei Hitze oder frieren bei Kälte. Ebenso wenig umstritten ist, dass zu viel Sonneneinstrahlung zu Hautveränderungen führen kann oder dass umherfliegende Pollen Allergiker beeinträchtigen.

Der DWD stellt deswegen eine Vorhersage für das Biowetter bereit, an der sich wetterfühlige Menschen orientieren können. Unterschieden wird dabei zwischen vier Wetterlagen – angefangen von denen, die sich durchweg positiv auf das Befinden auswirken sollen, bis zu solchen, die sich negativ auf das Wohlbefinden von wetterfühligen Menschen auswirken sollen. Kleinschmidt jedoch kritisiert diese Art von Vorhersagen. Sie seien "ähnlich wie Horoskope": Zwar würden sie niemandem schaden, aber auch kaum etwas nützen. 

Vorerkrankungen können Einfluss haben

In den 1980er-Jahren hat die Universität München eine Studie über die Föhn-Fühligkeit von Menschen gemacht, an deren Auswertung Kleinschmidt mitgearbeitet hat. In Frühjahr, Herbst und Winter mussten Wetterfühlige jeden Tag einen Fragebogen ausfüllen. Allerdings habe es dabei keine zwei Personen gegeben, die synchron am selben Tag sagten, es gehe ihnen schlechter als sonst, sagt Kleinschmidt. Selbst ein und dieselbe Person reagiere je nach Tag unterschiedlich auf die gleiche Wettersituation. Wetterfühligkeit habe auch damit zu tun, wie gut ein Mensch trainiert sei. Menschen, die draußen arbeiten, hätten fast nie Probleme, sagt er. 

Auch die DWD-Studie kommt letztlich zu dem Ergebnis, dass Wetterwechsel nicht krank machen. Problematisch könne es nur dann werden, wenn bereits Erkrankungen vorliegen oder der Blutdruck besonders hoch oder ungewöhnlich niedrig ist. Dann kann auch das Wetter einen Einfluss auf das Wohlbefinden machen – allerdings wohl bei jedem Menschen individuell verschieden.

(mit dpa)


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