Was Rasenforscher raten Wie wird das Gras im Garten wieder grün?

Von Claudia Scholz

So saftig grün sehen derzeit die wenigsten Rasen in Deutschland aus. Wer Wasser sparen will, muss auf den nächsten starken Landregen warten. Foto: imago/blickwinkelSo saftig grün sehen derzeit die wenigsten Rasen in Deutschland aus. Wer Wasser sparen will, muss auf den nächsten starken Landregen warten. Foto: imago/blickwinkel

Osnabrück.. Die anhaltende Rekordhitze und sparsamer Wasserverbrauch lassen in heimischen Gärten das Gras vertrocknen. Ein Rasenforscher erklärt, wann und ob der Rasen überhaupt wieder grün wird und welche Tricks sonst noch helfen.

Wegen der starken Trockenheit mahnen die Kommunen derzeit deutschlandweit und in der Region, auf übermäßiges Rasensprengen zu verzichten. Denn mit der anhaltenden Dürre wird auch der Wasservorrat knapp. Viele Bürger halten sich auch daran. Die Folge aber ist deutlich sichtbar: In den heimischen Gärten vertrocknet der Rasen, das Grün weicht großen, braunen Flecken. Hobbygärtner und Gartenbesitzer gleichermaßen fragen sich jetzt, wie das Gras wieder grün wird.

Wissenschaftler Martin Thieme-Hack, der zusammen mit einem Team der Hochschule Osnabrück am deutschlandweit einzigartigen Lehrstuhl für Rasenmanagement forscht, gibt zu bedenken: „In der Regel stirbt der Rasen nicht ganz ab, auch wenn er verbrannt aussieht. Die Blätter vertrocknen, aber der Spross überlebt meist und treibt 14 Tage nach einem starken Landregen wieder aus.“


Rasenforscher Martin Thieme-Hack: „In der Regel stirbt der Rasen nicht ganz ab, auch wenn er verbrannt aussieht." Foto: dpa/Ina Fassbender


Der Oberboden müsse einmal durchgehend durchfeuchtet werden. Dazu brauche es rund 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter Regen, der aber im günstigsten Fall nicht in zehn Minuten herunterfallen sollte. Denn so schnell kann der trockene Boden das Wasser nicht aufnehmen, und es fließt oberirdisch ab.

Profigärtner bedienen sich bei besonders ausgetrockneten Stellen sogenannter Wetting Agents, um das Wasser aus der Gießkanne oder vom Himmel besser in den Boden zu bekommen. Diese chemischen Substanzen erhöhen die Durchdringungsfähigkeit von Flüssigkeiten, indem sie die Oberflächenspannung lösen – ähnlich einem Waschmittel. Wetting Agents gibt es auch biologisch abbaubar und meist im Internet zu kaufen.

Wo das Gras bis vier Wochen nach einem starken Regen nicht mehr austreibt, hilft nur noch nachsäen. Anfang bis Ende September empfehlen Experten. Außerdem raten sie zum Nachsäen im Frühjahr zwischen Mitte April und Anfang Mai, wenn der Rasen sehr regenerationsfähig ist. Das kann beim Vertikutieren gemacht werden, wenn mit einem speziellen Mähgerät Moos entfernt und die Grasnarbe belüftet wird. Wer einen perfekten Rasen nach englischem Vorbild anstrebt, kommt um viel Gießen nicht herum, damit er im nächsten Jahr nicht lückig bleibt. Aber selbst Rasenspezialisten wie Thieme-Hack sprengen nur spärlich: „Ich brauche zu Hause keinen Highend-Rasen. Es ist eine Nutzfläche, die nicht immer perfekt sein muss“, sagt der Osnabrücker, der in der Fakultät für Agrarwissenschaften an der Hochschule Osnabrück arbeitet.




Laut Klimaforschern müssen sich die Gärtner in den hiesigen Breiten sowieso auf viel mehr Hitzetage und tropische Nächte in Zukunft einstellen. Die trockenen Sommer werden häufiger werden, und damit wird auch das Risiko eines verdorrten Rasens steigen. Zukünftige Klimaszenarien zeigen: Ob beim Gartenbau oder in der Landwirtschaft – überall brauche es Anpassung an das Extremwetter.

Warm Season Grasses, also Gräser aus dem Mittelmeerraum, könnten eine Lösung des Rasenproblems sein. Der Osnabrücker Lehrstuhl für Rasenmanagement fertigte dazu Versuchsflächen an. Es gibt schon erste Überlegungen, klimaangepasste Rasenarten auch in Deutschland einzusetzen.

Zum Beispiel den Rohrschwingel, der durch sein ausgeprägtes Wurzelwerk Trockenperioden gut überstehen kann. Das ausdauernde Gewächs hat allerdings einen Haken: „Mittelmeergräser funktionieren bei uns im Sommer gut, aber im Winter nicht. Durch die Kälte werden sie braun“, sagt Thieme-Hack.

Um die Vitalität von intensiv genutzten Rasenflächen wie beim Osnabrücker Schlossgarten zu erhöhen, wird an der Hochschule auch zum Einsatz von Biostimulanzien geforscht. Bakterien, die in Symbiose mit der Pflanze Nährstoffe auf dem Boden aufbereiten, können die Pflanze fitter machen. Das hilft zwar bei der Trockenheit nicht, aber kann präventiv sinnvoll sein gegen Pilzerkrankungen oder Rotspitzigkeit.


Eine Blumenwiese als Gegenentwurf zum perfekt gestutzten englischen Rasen. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand


Eine gute Strategie, die sich am Markt aber nicht durchgesetzt hat: die Rasengräser mit kleinblättrigem Klee (micro clover) zu versetzen. Während der Rasen schon vertrocknet, steht der Klee meist noch grün da, und das Gras wirkt insgesamt fülliger. Doch auf heimischen Rasen sorgt Klee eher für Abneigung denn für Wohlwollen. Man könnte auch Wildblumen oder Kräuter wuchern lassen oder das Gras gar nicht mehr mähen. Dann nehme aber auch der Nutzen eines Rasens ab, auf dem die meisten spielen, liegen oder laufen wollen, so Thieme-Hack. „Ohne Mähen kein Rasen.“


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