Bakterien für gesundes Leben Hygieneexperte erklärt: Das sind die Keimschleudern im Haushalt

Von Olga Zudilin

Der wichtigste Ort in Sachen Hygiene ist die Küche. Hier wird mit Lebensmitteln gearbeitet und ausgerechnet hier tummeln sich sehr viele Bakterien. Foto: dpaDer wichtigste Ort in Sachen Hygiene ist die Küche. Hier wird mit Lebensmitteln gearbeitet und ausgerechnet hier tummeln sich sehr viele Bakterien. Foto: dpa

Osnabrück. Wo lauern die meisten Bakterien im Haushalt? Professor Markus Egert von der Hochschule Furtwangen erklärt, wo sich echte Keimschleudern im Alltag befinden, und warum Mikroben dennoch wichtig für ein gesundes Leben sind.

Der wichtigste Ort in Sachen Hygiene ist die Küche, da dort mit Lebensmitteln gearbeitet wird, sagt Professor Markus Egert im Gespräch mit unserer Redaktion.

Egert ist Professor für Mikrobiologie an der Hochschule Furtwangen und hat das Buch „Ein Keim kommt selten allein“ zum Thema Haushaltshygiene geschrieben. Egert leitete eine Studie zur Keimbelastung gebrauchter Küchenschwämme, die im vergangenen Jahr für Aufsehen sorgte. Die Forscher untersuchten 14 gebrauchte Spülschwämme und entdeckten 362 verschiedene Bakterienarten. „Dabei befanden sich teilweise 54 Milliarden Keime pro Kubikzentimer Schwamm. Das ist vergleichbar mit menschlichen Stuhlproben beziehungsweise mit dem menschlichen Verdauungstrakt“, erklärt Egert.

Bakterien mögen es warm und feucht

Vor allem bei Kindern, schwangeren Frauen, älteren Menschen oder Personen mit einem geschwächten Immunsystem können diese Bakterien Krankheiten wie zum Beispiel Durchfall auslösen. „Ein Küchenschwamm ist der perfekte Nährboden für Bakterien, denn diese mögen es vor allem warm und feucht. Außerdem bieten die Lebensmittelreste im Schwamm Nährstoffe für Bakterien“, sagt der Professor. Vom Reinigen oder Auswaschen eines Küchenschwamms rät Egert ab. Stattdessen sollte der Schwamm spätestens nach einer Woche durch einen neuen ersetzt werden und nicht mehr in der Küche benutzt werden.

Spüle und Kühlschrank sauber halten

Nach dem Küchenschwamm ist die Spüle in der Küche der am meisten mit Bakterien besiedelte Ort im Haushalt. „Wegen der Lebensmittelreste findet man in einer benutzen Küchenspüle teilweise mehr Keime als auf einer Toilette“, sagt Egert. Lässt man zum Beispiel ein Hühnchen in der Spüle auftauen oder wäscht rohes Geflügelfleisch ab, gelangen die Keime vom Fleisch in die Spüle. Auf diese Weise können die Keime, die zum Beispiel Brechdurchfall auslösen können, mit frischen Lebensmittel wie Salat in Berührung kommen. Deswegen sollte die Spüle auch regelmäßig gesäubert werden. „Da reicht ein handelsübliches Spüli vollkommen aus. Antibakterielle Reiniger sind nicht nötig“, verrät Egert.

Auch die Hände sollten unbedingt gewaschen werden, nachdem man rohes Fleisch zubereitet hat.

Des Weiteren sollte die Hygiene im Kühlschrank nicht vernachlässigt werden. „Viele denken, dass Bakterien im Kühlschrank wegen der kalten Temperaturen abgetötet werden, doch das stimmt nicht. Sie wachsen nur nicht weiter“, sagt Egert. Vor allem durch Produkte wie vorgeschnittene Salate, Rohmilchkäse, ausgelaufene Lebensmittel oder Räucherlachs würden Bakterien in den Kühlschrank gelangen.

Vergleichsweise wenig Bakterien befinden sich dagegen auf Fernbedienungen, Handys, Geldscheinen, Türklinken und Bankautomaten. „Diese Oberflächen sind in der Regel glatt und trocken und deswegen nicht beliebt bei Bakterien. Auf solchen Oberflächen befinden sich 10 bis 1000 Bakterien pro Quadratzentimeter. Allein im Gesicht tummeln sich 100.000 Keime pro Quadratzentimeter“, sagt Egert.

Händewaschen beugt Infektionen vor

Der wichtigste Tipp in Sachen Hygiene bleibt allerdings das Händewaschen, denn das ist nach Angaben von Egert die wichtigste Maßnahme, um Infektionen vorzubeugen. Dabei sei nicht entscheidend, wie häufig man sich die Hände wäscht, sondern wann: „Auf jeden Fall sollte man sich vor und nach dem Kochen, vor dem Essen, nach einem Toilettengang und, nachdem man unterwegs war und nach Hause gekommen ist, die Hände waschen“, sagt Egert. Und auch hier ist keine antibakterielle Seife oder Desinfektionsmittel nötig.

„Dies sollte nur im Krankenhaus zum Einsatz kommen, oder wenn eine Person im Haushalt erkrankt ist. Denn die größte Infektionsquelle sind immer noch Mitmenschen“.

Förderliche Bakterien in den Haushalt bringen

Obwohl Keime krank machen können, betont Egert, dass Mikroben zu einem gesunden Leben gehören. Das Abtöten aller Mikroben sei überhaupt nicht förderlich, viel wichtiger wäre es, sogenannte gute Mikroben in den Haushalt zu holen. „Nach einer Antibiotikabehandlung, bei der sehr viele Bakterien abgetötet werden, wird zum Beispiel dazu geraten, ein Probiotikum einzunehmen, um wieder nützliche Bakterien dem Darm zuzuführen“, sagt der Hygieneexperte.

Nach diesem Prinzip könnten in Zukunft auch Produkte für den Haushalt entwickelt werden wie zum Beispiel mit Mikroben imprägnierte Tapeten, die Pilze bekämpfen. Dies sei allerdings noch Zukunftsmusik. Es könne noch Jahrzehnte dauern, bis solche Produkte auf den Markt kommen. Außerdem sei auch noch nicht klar, welche Bakterien sich dafür eignen könnten. „Ein Leben mit wenig Keimen ist nicht gesund und kann zum Beispiel zu Allergien führen. Es geht darum, eine Balance zwischen krankheitserregenden und förderlichen Bakterien zu finden und zwar schon ab dem Kindesalter“, sagt Egert.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN