Immer mehr Notfälle wegen Dehydrierung Trinken nicht vergessen – Aber was und wie viel?

Von Waltraud Messmann

Viel trinken ist gerade bei hohen Temperaturen wichtig. Foto: dpa/Oliver BergViel trinken ist gerade bei hohen Temperaturen wichtig. Foto: dpa/Oliver Berg

Osnabrück Viele Menschen leiden unter der Hitze, und in den Kliniken nehmen dehydrierungsbedingte Notfälle zu. Jetzt ist es besonders wichtig, viel zu trinken. Doch was und wie viel? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Was können die Folgen einer Dehydrierung sein? Die Kombination aus wenig trinken und Schwitzen führt zum Flüssigkeitsmangel im Körper. Der Blutdruck sackt ab, und dem Kreislauf fällt es zunehmend schwerer, das Hirn mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Die Folge können Kreislaufschwäche bis hin zu Herzrasen und Ohnmacht sein. Betroffene plagen aber oft auch Kopfschmerzen und Schwindel. Bei anderen ist die Reaktionsfähigkeit eingeschränkt. In schlimmsten Fall kommt es zu Bewusstseinsstörungen und Phasen der Verwirrtheit.

Sind auch die Nieren gefährdet? „In den letzten Tagen haben wir in den Kliniken viele dehydrierungsbedingte Notfälle gesehen – wie Kreislaufprobleme, Herzrasen und auch akute Nierenversagen“, erklärt dazu Jan C. Galle, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). In solchen Fällen verweigerten die Nieren von heute auf morgen ihren Dienst, und es werde kaum noch Urin ausgeschieden. Die Folge könnten schwere Vergiftungserscheinungen mit Übelkeit, Erbrechen und Wassereinlagerungen im Körper sein. Lagere sich Wasser in der Lunge ein, könne das die Atmung erschweren und lebensgefährlich werden.

Wer muss jetzt besonders achtsam sein? Besonders ältere Menschen sollten auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, da bei ihnen das Durstempfinden häufig schwächer ausgeprägt ist. Ebenfalls stark gefährdet sind Menschen, die bestimmte Medikamente, beispielsweise zur Blutdrucksenkung oder zur Behandlung anderer Krankheiten Entwässerungstabletten einnehmen.

Wie viel sollte man trinken? Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie sollten sich Gesunde bezüglich der Trinkmengen an die Empfehlung 1,5 bis zwei Liter bei Normaltemperaturen sowie zwei bis drei Liter bei Hitze orientieren. Viele Menschen, gerade auch ältere, lägen aber deutlich darunter. Herz- oder Nierenkranke sollten mit ihrem Arzt sprechen; eine allgemeine Empfehlung kann für sie nicht gegeben werden. Um einem Natriummangel vorzubeugen, kann es sinnvoll sein, zudem den Salzverlust auszugleichen. Experten empfehlen auch, lieber jede halbe Stunde ein Glas Wasser zu sich nehmen, anstatt einen halben Liter auf einmal zu trinken.

Hilft viel immer viel? Eine Flüssigkeitszufuhr, die weit über die oben angegebenen Mengen hinausgeht, bringt nach Angaben von DGfN- Sprecher Galle nichts. Bei Patienten mit Herz- oder Nierenerkrankungen sind Volumenüberladungen in der Regel sogar eher nachteilig. Auch die Meinung, wer besonders viel trinke, spüle die Nieren und schütze sie, sei eine Mär: Eine Studie aus Kanada habe gezeigt dass die Trinkmengen-Erhöhung um täglich 1 bis 1,5 Liter über zwölf Monate zu keinen Unterschieden gegenüber der Kontrollgruppe hinsichtlich Nierenfunktion, Eiweißausscheidung sowie dem Wohlbefinden führe.

Was sollte man trinken? „Neben der ausreichenden Flüssigkeitszufuhr sollte auf eine ausreichende Mineralstoffzufuhr geachtet werden, denn wir schwitzen auch wertvolle Mineralien aus. Leitungswasser, das mit Kohlensäure versetzt wird, oder sogenannte Tafelwasser enthalten relativ wenige Mineralstoffe. Besser sind Mineralwasser – und ab und zu eine Apfelsaftschorle oder ein alkoholfreies Bier“, meint Galle. Von mit Zucker versetzten Limonaden rät der Experte grundsätzlich ab, bei Patienten mit vorgeschädigten Nieren außerdem von Cola. „Hier wird neben dem Zucker ein zweites ‚Gift‘ zugeführt. Bei Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung führt Cola zum Anstieg von Phosphat im Blut, und das wiederum kann die Nierenerkrankung beschleunigen. Da viele Patienten von ihrer leichtgradigen Nierenkrankheit nichts wissen, riskieren sie, ohne es zu ahnen, ihre Nierengesundheit, wenn sie viel Cola trinken.“

Ist Wasser ohne Kohlensäure die bessere Wahl? Das stimmt nicht ganz: Mineralwasser mit Kohlensäure enthält mehr Mineralstoffe. Da genau diese Stoffe dem Körper an heißen Tagen fehlen, empfehlen Ernährungsforscher bei Hitze Wasser mit Kohlensäure.

Woran kann man erkennen, dass man zu wenig trinkt?

•wenn man deutlich seltener und weniger Wasser lassen muss als sonst,

•wenn der Urin sehr dunkel ist,

•wenn die Haut und die Schleimhäute trocken sind,

•wenn es zu Schwindel oder Herzrasen kommt,

•wenn es zur raschen, sonst nicht erklärbaren Gewichtsabnahme kommt.


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