Auto, Haus, Ernte Gegen diese Hitzeschäden können Sie sich absichern lassen

Von Lorena Dreusicke

Im Sommer fährt das Risiko der Blow-ups auf Autobahnen mit. Foto: dpa/Armin WeigelIm Sommer fährt das Risiko der Blow-ups auf Autobahnen mit. Foto: dpa/Armin Weigel

Berlin. Das Sommerwetter birgt Risiken für alles was der Hitze und ihren Folgen ausgesetzt ist. Wer haftet im Schadensfall?

Europa stöhnt über die anhaltende Hitze. Deutsche Bauern, Waldbesitzer und Unternehmer kämpfen mit den Auswirkungen der Dürre. Hitzeschäden können aber auch zum Beispiel Fluggäste, Autofahrer und Hausbesitzer betreffen. Welche Möglichkeiten gibt es, sich abzusichern?

Unfall wegen Überhitzung

Ein überhitzter Körper, etwa durch einen Sonnenstich, ist an sich kein Fall für die Unfallversicherung. Dass man die Hitze meiden und viel trinken sollte, um dem vorzubeugen, "hat viel mit gesundem Menschenverstand und einer gewissen Lebenserfahrung zu tun", sagte Chris­tian Pon­zel, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unserer Redaktion.

Führen Kreislaufprobleme jedoch zu einem Unfall, etwa ein Sturz oder eine Kollision mit dem Auto, zahlen die Unfallversicherung beziehungsweise die Kfz-Haftpflicht und die Vollkaskoversicherung den Schaden.

Schaden wegen Blow-ups

Auf alten Straßen – nicht den asphaltierten – können bei großer Hitze plötzlich Betonplatten aufbrechen und sich verschieben. Führen diese Blow-ups zum Unfall, zahlt die Vollkaskoversicherung. "Unter Umständen könnte auch die Straßenmeisterei haften", ergänzt Henning Engelage vom GDV, "dafür müssten ihr aber Versäumnisse nachgewiesen werden."

Bei extremer Hitze können auf Betonstraßen Blow-ups entstehen. Foto: dpa/Ingo Wagner

Geschmolzene Autoteile und Glasrisse

Verformen sich Autoteile, weil der Wagen der Hitze ausgeliefert ist, bleibt der Halter auf dem Schaden sitzen. "Hier besteht kein Versicherungsschutz, da dies kein Unfallschaden ist", sagt Engelage. Für Hitzerisse im Fensterglas kommen dagegen sowohl die Teil- als auch die Vollkaskoversicherung auf. "Anders als Lackschäden, die nur bei Unfällen versichert sind, umfasst die Kaskoversicherung Glasbruch: Hier kommt es auf die Ursache nicht an."

Waldbrand zerstört Haus

Eindeutig geregelt ist, wer für einen Schaden am Haus zahlt, wenn ein Waldbrand auf das Gebäude übergreift: "Dafür gibt es die Gebäudeversicherung", sagt Ponzel, "bei Feuerschäden am Mobiliar haftet klassisch die Hausratsversicherung." Wird ein Auto durch ein Feuer beschädigt oder zerstört, trägt die Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung den Schaden.

Flug abgesagt

Doch was ist, wenn man auch nur indirekt von Hitzeschäden betroffen ist? So geschehen, Ende Juli am Flughafen Hannover. Weil sengende Hitze auf der Start- und Landebahn zu Blow-ups führtem, fiel eine Reihe von Flügen aus. Mehrere Passagiere drohten mit Schadensersatzforderungen. Die Fahrbahn hätte vorsorglich mit Wasser gekühlt werden können, argumentieren sie. Das sieht Ponzel anders: "Das ist ein Fall von höherer Gewalt." Demnach könne niemand für den Schaden haftbar gemacht werden.

Löschfahrzeuge wässern zur Vorbeugung einer erneuten Überhitzung die Start- und Landebahn. Foto: dpa/Flughafen Feuerwehr Hannover

Ertragseinbußen

Damit Unternehmen nicht auf von Hitze verursachten Schäden sitzenbleiben, können sie sich absichern. Das betrifft zum Beispiel die von der Schifffahrt abhängigen Unternehmen. Wegen niedriger Wasserstände können die Frachter derzeit nicht voll beladen werden. In Abschnitten der Elbe wurde der Schiffsverkehr ganz eingestellt. "Dann greift eine Ertragsausfallversicherung", sagt Ponzel, "die ist teuer, aber die meisten Firmen sichern sich damit ab." 

Die Versicherung entschädige aber zum Beispiel auch Atomkraftwerke, die runtergefahren werden, weil das Wasser aus den erwärmten Gewässern nicht mehr zum Kühlen taugt. 

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Vertrocknete Felder

Schwer von Hitzeschäden betroffen sind die Bauern der Ackerwirtschaft, deren Felder bei anhaltender Trockenheit verdorren. Theoretisch würde eine Ertragsschaden- oder Mehrgefahrenversicherung für den Ernteausfall aufkommen, doch sie seien in Deutschland nicht üblich. "Die Versicherung ist zu teuer, das schließt kaum ein Bauer ab", sagt Ponzel. Grund für die hohen Policen sei die Dimension des Schadens: "Ein Hagelschaden kommt meist punktuell vor, doch von einer Dürre sind ganze Landstriche betroffen. Das macht die Risikoprämien für Bauern oft unbezahlbar."

Viele unversicherte Bauern sehen sich nun mit Dürreschäden konfrontiert, die ihre Existenz bedrohen. Der Deutsche Bauernverband fordert deshalb rasche Staatshilfe. In Ländern wie Italien, Polen und den Niederlanden bezuschusst der Staat Versicherungen gegen Dürreschäden. Bund und Länder haben das bislang verweigert. Dafür hat die EU-Kommission europäischen Bauern am Freitag Erleichterungen versprochen. 


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