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Verbrauch über dem europäischen Durchschnitt So viele Verpackungen verbrauchen die Deutschen im Jahr

Von dpa und Louisa Riepe

Die Deutschen produzieren unverändert viel Verpackungsmüll. Foto: dpaDie Deutschen produzieren unverändert viel Verpackungsmüll. Foto: dpa

Berlin. Die Deutschen produzieren unverändert viel Verpackungsmüll. Im Jahr 2016 waren es 18,16 Millionen Tonnen, teilte das Umweltbundesamt mit. Der BUND fordert angesichts dessen eine Abkehr von Einwegverpackungen, der Handelsverband setzt auf mehr Recycling.

220,5 Kilogramm Verpackungsmüll waren es 2016 pro Kopf, das entspricht einer Steigerung von 0,05 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Deutschland liegt damit über dem europäischen Durchschnitt von 167,3 Kilo. Knapp die Hälfte des Abfalls, 47 Prozent, ging auf das Konto von privaten Verbrauchern.

„Wir produzieren viel zu viel Verpackungsmüll – ein trauriger Spitzenplatz in Europa“, kommentierte die Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA), Maria Krautzberger. Das Recycling und der Einsatz von Recycling-Material müssten gestärkt werden. „Und vor allem müssen wir Müll vermeiden, möglichst schon in der Produktionsphase durch den Verzicht auf unnötige Verpackungen.“ Als Gründe für den hohen Verbrauch nennt das UBA aufwendige Verschlüsse, Versandhandel, Essen und Trinken zum Mitnehmen und kleinere Portionen.

Trend zu kleineren Verpackungsgrößen

Insbesondere der letzte Trend führt laut Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE) aber auch dazu, dass die Zahl der Lebensmittelabfälle sinke. Gegenüber unserer Redaktion sagte er, „die steigende Zahl von Single-Haushalten kann durch kleinere Packungsgrößen bedarfsgerechter einkaufen und schmeißt weniger weg.“ Grundsätzlich arbeite der Handel an Alternativen zu Kunststoffverpackungen, setze aber auch auf Wiederverwertung. „Es geht eben nicht nur um die Müllmenge, sondern auch um den Umgang damit. Wir brauchen eine effiziente Recyclingwirtschaft“, so Sanktjohanser.

2016 wurden mehr als 70 Prozent des Verpackungsmülls recycelt: 85,5 Prozent bei Glas, 87,9 Prozent bei Alu, 88,7 Prozent bei Papier und Karton und sogar 92,1 Prozent bei Stahl, aber nur 49,7 Prozent bei Kunststoff.

Kritik an der Industrie

Während der Pro Kopf Verbrauch beim Plastik-Verpackungsmüll von 25 auf 24,9 Kilo fiel, „ wurden mehr Glas- und Aluminiumverpackungen verwendet, was auf einen Ersatz der Kunststoffverpackungen schließen lässt“, teilte das UBA mit. Glas und Aluminium seien in der Herstellung aber sehr energieintensiv.

„Nur im regionalen Vertrieb und im Mehrwegsystem ist Glas aus ökologischen Gesichtspunkten gleichwertig wie Kunststoffe oder besser“, bestätigte auch Rolf Buschmann, Recyclingexperte vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), auf Anfrage unserer Redaktion. Er forderte eine Abkehr von Einwegverpackungen. „Dass zum Beispiel der Coca-Cola-Konzern auf Einweg umsteigt und nun auch verstärkt Werbung mit Aluminiumdosen macht, ist nicht akzeptabel“, so Buschmann.


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