Hitze und Trockenheit Hochsaison für Luftbildarchäologen Baoquan Song

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Das Luftbild zeigt Spuren von ehemaligen, inzwischen planierten Bachläufen, Feldkanten, Feldwegen und Straßen, die heute nur noch unterirdisch vorhanden sind. Diese Spuren stammten meisten aus Mittelalter und der Neuzeit, erklärt der Luftbildarchäologe Baoquan Song. Foto: Baoquan SongDas Luftbild zeigt Spuren von ehemaligen, inzwischen planierten Bachläufen, Feldkanten, Feldwegen und Straßen, die heute nur noch unterirdisch vorhanden sind. Diese Spuren stammten meisten aus Mittelalter und der Neuzeit, erklärt der Luftbildarchäologe Baoquan Song. Foto: Baoquan Song

Osnabrück Für Luftbildarchäologe Baoquan Song von der Ruhr-Universität Bochum ist jetzt Hochsaison: „Ich bin in diesen Tagen ständig in der Luft“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Hitzewelle in Mitteleuropa sieht er mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“.

Sommer bedeutet für Baoquan Song Hochsaison, denn sein Beruf verlangt zum großen Teil nach Hitze und Trockenheit: Er ist Luftbildarchäologe. Regelmäßig steigt er für das Archäologie-Institut der Ruhr-Universität Bochum mit dem Fotoapparat in eine Cessna und fliegt vorwiegend über Nordrhein-Westfalen auf der Suche nach Spuren aus der Vergangenheit.


„Unsere Aufgabe ist es, Kulturlandschaften durch die verschiedenen Zeitepochen hindurch so genau wie möglich zu rekonstruieren, angefangen von der Jungsteinzeit“, sagt Baoquan Song im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Luftbilder sind für den Wissenschaftler „Mosaiksteinchen“, die später im Büro systematisch analysiert werden.

„Die heiße und trockene Periode kam zu früh“

Dieses Jahr sei dennoch auch ungewöhnlich für ihn: „Ich bin in diesen Tagen ständig in der Luft. Die Saison begann in diesem Jahr bereits Ende März/Anfang April, gut einen Monat früher als in den Vorjahren“, sagt Song. „Die heiße und trockene Periode kam zu früh. Das Winter- und Sommergetreide, das beste Medium der Luftbildarchäologie, mit dem auch sehr feine Spuren gefunden werden können, ist zu schnell ausgereift und zu früh geerntet worden.“

„Welche Spuren wir sehen, ist nicht nur vom Wetter abhängig, sondern vom landwirtschaftlichen Zyklus, deshalb kann man erst nach zehn bis 15 Jahren Überflug eines Gebiets sagen, ob es fundreich oder fundarm ist.“

Ausschau nach „Bewuchsmerkmalen“

Bei seinen Flügen fotografiert er „verändertes Wachstum in den Kulturpflanzen, durch die der Unterschied zwischen archäologischer Störung und natürlicher Umgebung im Boden zum Vorschein kommt“, erklärt Song. Dabei hält er aus der Luft beispielsweise Ausschau nach sogenannten Bewuchsmerkmalen, die besonders in den eng gepflanzten Getreidefeldern detailreiche Spuren aus der Vergangenheit hervorbringen. Sie können einen Hinweis auf verborgene archäologische Fundstätten geben, da Pflanzen an Stellen, wo einst gebaut oder gegraben wurde, in veränderter Form nachwachsen: Wo der Ackerboden mehr Feuchtigkeit aufweist, beispielsweise in einem verfüllten früheren Graben, wachsen die Pflanzen höher und weisen eine intensivere Grünfärbung auf.

Getreide, das im Vergleich dazu niedriger gewachsen ist, kann dagegen auf ein Mauerfundament im Untergrund hinweisen, das der Pflanze den Zugang zum feuchten Nährboden erschwert. So können sich Umrisse von einstigen Gebäuden herausbilden, die aus der Luft erkennbar sind.

Verlängerter Sommersaison für Luftbildarchäologen

Für Song bedeutet die mitteleuropäische Hitzewelle, dass „der Sommer noch nicht vorbei“ sei, und „es ist noch möglich, zahlreiche Spuren in Mais-, Zuckerrüben- und Rapsfeldern zu finden“. Mais und Zuckerrüben werden zwar in größeren Abständen als Getreide gepflanzt, wodurch die Strukturen im Feld grober ausfallen, „aber beispielsweise Reste von bronzezeitlichen Grabhügeln, prähistorischen Siedlungen, mittelalterlichen Burganlagen und ehemaligen Wegen zu beobachten, das geht sehr gut.“

„Drohne nur punktuell für die Archäologie geeignet“

Eine Drohne sei auch mit spezieller Erlaubnis und Nutzungsbeschränkungen nur für einen punktuellen Einsatz für die Archäologie geeignet: „Sie darf nicht höher als 100 Meter fliegen, muss in Sichtweite von etwa einem Kilometer-Radius bleiben und kann maximal 15 Minuten aufgrund der Akku-Leistung in der Luft genutzt werden“, sagt Song. „Ich fliege pro Tag über 500 bis zu 1000 Quadratkilometern, in fünf bis zehn Stunden. Eine Tankfüllung reicht für etwa vier bis fünf Stunden.“ Er könne mit seiner Cessna also ein viel größeres Gebiet nach „flüchtigen Spuren aus verschiedenen Blickwinkeln“ absuchen. (Weiterlesen: Folge der Hitzewelle in Großbritannien: Viktorianischer Garten taucht wieder auf)


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