zuletzt aktualisiert vor

Besonders in Städten Bonner Studie: Feinstaub lässt Bäume zusätzlich austrocknen

Von Waltraud Messmann

In manchen Städten rücken die Feuerwehren aus, um die Not leidenden Bäume zu bewässern. Foto: dpa/Roland WeihrauchIn manchen Städten rücken die Feuerwehren aus, um die Not leidenden Bäume zu bewässern. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Osnabrück. In einigen Städten werden die Bürger zum Gießen der Bäume aufgerufen. Mancherorts rücken sogar die Feuerwehren aus, um die Pflanzen zu bewässern. Als Ursache für die Zunahme der Trockenschäden gelten die derzeitige Hitzewelle und der Klimawandel. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Bonner Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Feinstaub Bäume anfälliger für Trockenheit machen kann.

Nach trockenen Jahren kommt es immer häufiger zu Schäden an den Wäldern. Diesem Phänomen sind jetzt Bonner Wissenschaftler auf den Grund gegangen: Sie fanden heraus, dass die zunehmende Belastung der Umwelt durch Feinstaub das Risiko der Bäume für Trockenschäden verstärken kann.

Feinstaub in den Städten

Vor allem die Luft in unseren Städten enthält viel Feinstaub. Die winzigen Partikel werden zu einem großen Teil bei Verbrennungsprozessen in Fahrzeugen oder der Industrie freigesetzt. Zwar ist das Thema Feinstaub und seine Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen in aller Munde, doch dass die feinen Partikel auch Auswirkungen auf die Pflanzenwelt haben, ist kaum bekannt.

Regulierung des Wasserhaushalts

„ Unsere Experimente stellen den bislang fehlenden direkten Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Trockenheitsanfälligkeit von Bäumen her“, betont Jürgen Burkhardt von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Feinstaub könnte Pflanzen bei der Regulierung ihres Wasserhaushalts beeinträchtigen. Im Mittelpunkt der Untersuchungen standen die sogenannten Spaltöffnungen. Über die Poren in den Blättern wird reguliert, wie viel Wasser aus dem Blatt verdunstet. Gleichzeitig wird über sie Kohlendioxid aufgenommen, das für die Herstellung des  Energielieferanten Zucker benötigt wird.

In Gewächshäusern

In Gewächshäusern wurde nun über zwei Jahre der Grad der Wasserverdunstung von Kiefern, Weißtannen und Stieleichen in unterschiedlich sauberer Umgebungsluft gemessen. Das Ergebnis: Die Wasserverdunstung bei den Bäumen in Gewächshäusern mit gefilterter Luft, war geringer als bei jenen, die in der weniger sauberen Stadtluft aufwuchsen.

Dies war sogar auch dann der Fall, wenn die Spaltöffnungen vollkommen geschlossen waren. „Abgelagerter Feinstaub auf Blättern erhöht also die Wasserverdunstung“, so Burkhardt in dem Fachjournal „Environmental Research Letters“. Damit steige das Risiko von Trockenschäden bei Pflanzen deutlich an.

Doch welcher Mechanismus steckt hinter diesem Phänomen? Auch darauf fanden die Forscher eine Antwort: Lagert sich der Staub auf der Pflanze ab, bildet sich zusammen mit dem Wasserdampf eine flüssige, konzentrierte Salzlösung.

Spaltöffnungen

Diese setzt sich als durchgängiger, sehr dünner Film in den Spaltöffnungen fest und verbindet so das Blattinnere mit der Blattoberfläche. „Die Spaltöffnungen verlieren damit einen Teil der Kontrolle über die Verdunstung, und die Pflanzen sind stärker von Trockenheit bedroht“, erklärte Burkhardt. Unter dem Mikroskop bildeten sich die Salzlösungen als Krusten ab. Sie seien ein Zeichen für geschädigte Bäume. An den Pflanzen, die im Gewächshaus in partikelfreier Umgebung aufwuchsen, habe es sie nicht gegeben.

Burkhardt kommentiert: „Pflanzen haben die Regelung der Spaltöffnungen im Lauf der Evolution an die Umgebungsbedingungen angepasst, allerdings in einer Zeit mit deutlich weniger Feinstaub als heute.“


Wie gieße ich richtig?

Beim Wässern von Straßenbäumen sollte nach Ansicht des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) die Devise gelten: „Klotzen statt kleckern.“ Das heißt, dass besser einmal viel, statt immer wieder nur kleine Mengen gegossen werden sollten. So sollten Anwohner Bäume, die Blätter verlieren, mit zehn Gießkannen pro Tag wässern. Dabei fasst ein normaler Eimer rund zehn Liter. Die optimale Zeit zum Gießen ist der frühe Morgen, wenn es noch kühl ist.

Da ihr Wurzelwerk noch nicht tief in den Boden reicht und sie deshalb tiefer im Boden gespeichertes Wasser nicht erreichen, sind junge und neu gepflanzte Bäume besonders gefährdet. Das gilt vor allem für Standorte in Gebieten mit sandigen Böden wie am Niederrhein. Experten befürchten, dass in Folge der Hitze ganze Neuanpflanzungen kaputtgehen könnten. Derzeit gilt die Birke, die mancherorts bereits ihre Blätter abwirft, als sei es Herbst, als besonders gefährdet. Die Buche sei zwar nicht so anfällig wie die Birke, meinen die Experten. Aber durch die besonders vielen Früchte in diesem sogenannten Mastjahr sei sie zusätzlich belastet. Am längsten ohne Wasser auskommen kann übrigens die Eiche. Besonders geeignet für das Stadtgebiet sollen Pyramidenpappel, Rosskastanie, Robinie und Bergahorn sein. wam

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN