Unfallstatistik 2017 Meist älter als 70: Zahl der getöteten Pedelecfahrer um fast 10 Prozent gestiegen

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Pedelecs sind für viele eine Alternative zur kurzen Fahrt mit dem Auto. Foto:Imago/Westend61Pedelecs sind für viele eine Alternative zur kurzen Fahrt mit dem Auto. Foto:Imago/Westend61

Osnabrück. Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Pedelecfahrer ist 2017 um 9,7 Prozent gestiegen. Von den 68 tödlich verunglückten Fahrern waren die meisten über 70 Jahre alt. Das berichtet das Statistische Bundesamt. Dagegen sank die Zahl der im Straßenverkehr insgesamt getöteten Radfahrer im Jahr 2017 auf 382 Fälle. Damit ging sie auf die Quote des Jahres 2015 zurück.

Von den im Jahr 2017 insgesamt 382 getöteten Fahrradfahrern waren 155 älter als 75 Jahre: darunter 44 Fahrer eines Pedelecs mit Hilfsantrieb (von insgesamt 68) und 111 Fahrradfahrer (von insgesamt 314). Insgesamt kamen 2017 in Deutschland 3180 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben. Das sind 0,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

Blutverdünnende Medikamente

Joachim Windolf, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass in der Altersgruppe ab 60 Jahre die Helmtragequote unter 30 Prozent liege. „Gerade auf den von Senioren gern genutzten Pedelecs ist ein Kopfschutz wichtiger denn je“, sagt er mit Hinweis auf die Unfallstatistik. Schon ein leichter Unfall könne durch die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten zu einer schweren Hirnblutung führen. Solche Mittel würden vor allem von älteren Menschen eingenommen.

Versicherungspflicht

Weil bei Unfällen mit Pedelecs Beteiligte schwer verletzt werden können, der Verursacher aber nicht immer eine Haftpflichtversicherung hat, hat die EU-Kommission angekündigt entschiedener gegen Fahrer vorgehen zu wollen, die ohne eine entsprechende Police unterwegs sind. Die Kommission schlägt nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ eine Versicherungspflicht für Elektrofahrräder vor, ganz unabhängig davon, wie schnell sie fahren können. Bisher müssen in Deutschland nur Räder versichert werden, die eine Geschwindigkeit von mehr als 25 Kilometern in der Stunde erreichen können.

Zweiradbranche

Die Zweiradbranche ist strikt dagegen, weil die Versicherungspflicht negative Auswirkungen auf den Markt haben könnte. Zum Jahresanfang 2017 waren Fahrräder mit E-Antrieb laut Statistischem Bundesamt in 2,3 Millionen Haushalte vorhanden. Das entspricht einem Anteil von 6,1 Prozent. Damit hat sich die Anzahl der Privathaushalte mit motorisierten Fahrrädern in den letzten drei Jahren nahezu verdoppelt.

ADAC warnt

„Pedelecs sind für viele Menschen inzwischen eine echte Alternative zur kurzen Fahrt mit dem Auto. Allerdings will der Umgang gelernt sein, da die Beschleunigung nicht mit einem herkömmlichen Fahrrad vergleichbar ist. Deswegen empfehlen wir, den sicheren Umgang mit dem Pedelec zu üben und zu trainieren. Das hilft, nicht nur Stürze, sondern auch viele gefährliche Situationen im Straßenverkehr zu vermeiden“, rät Ulrich Klaus Becker, ADAC Vizepräsident in einer Pressemitteilung. Ein Elektrorad fahre sich wegen der zusätzlichen Motorkraft und des höheren Gewichts anders als ein herkömmliches Rad.

Qualität der Radwege verbessern

Der ADAC empfiehlt, zum Schutz der Zweiradfahrer die Qualität der Radwege zu verbessern. An Hauptverkehrsstraßen sollten Radfahrer vom Autoverkehr getrennt werden. Auch zeitlich versetzte Grünphasen an Ampeln für Kfz-Verkehr und Radverkehr sind eine Option, um Gefährdungen zu reduzieren. Wichtig sei zudem, den Blickkontakt zwischen Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern durch bauliche Maßnahmen zu ermöglichen.

Verkehrsteilnehmer in der Pflicht

ADAC Vizepräsident Becker nimmt auch die Verkehrsteilnehmer in die Pflicht: „Alle sind gefordert, ihren persönlichen Beitrag für ein rücksichtsvolles, faires und partnerschaftliches Miteinander zu leisten. Was insbesondere in deutschen Großstädten teilweise auf der Straße abgeht, ist davon meilenweit entfernt. Für Fairness im Straßenverkehr spielt es auch keine Rolle, ob wir motorisiert, mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind. Der ADAC trage seinen Teil bei, indem er schon ganz früh mit Verkehrserziehung in Kindergärten und Grundschulen die Basis für ein faires Miteinander im Verkehr lege.“


Was ist ein Pedelec?

Ein Pedelec ist laut ADAC ein Elektrofahrrad, das die Tretbewegung unterstützt: Nur wenn der Fahrer tritt, unterstützt der Elektromotor. Bei einem E-Bike erfolgt die Motorunterstützung durch Gasgeben, also unabhängig vom Treten des Fahrers. Für die rechtliche Einordung kommt es auf die erzielbare Höchstgeschwindigkeit sowie auf die Motorleistung an. Davon hängt ab, unter welchen Voraussetzungen und wo mit einem solchen Gefährt am Straßenverkehr teilgenommen werden darf.

Pedelecs lassen sich dabei in drei Gruppen einteilen:

- Pedelecs ohne Anfahrhilfe: Motor unterstützt nur das Treten und regelt bei 25 km/h ab

- Pedelecs mit Anfahrhilfe: Fährt bis 6 km/h auch ohne Treten, darüber unterstützt der Motor das Mittreten bis 25 km/h

- Schnelle Pedelecs: Fährt bis 20 km/h ohne Treten, darüber unterstützt der Motor das Mittreten bis 45 km/h

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