Britisches Ärgernis Beliebter und gehasster Sichtschutz: Leyland-Zypresse

Von Elke Schröder

Der Sichtschutz aus Zypressen erfreut nicht alle in der Umgebung. Foto: colourbox.deDer Sichtschutz aus Zypressen erfreut nicht alle in der Umgebung. Foto: colourbox.de

Osnabrück Wie aus zwei amerikanischen Nadelbäumen ein britisches Ärgernis – und ein Fall für das Parlament wurde? Das und andere unterhaltsame Anekdoten aus der Welt der Bäume erzählt der Brite Jonathan Drori in seinem Buch.

Manchmal dauert es sehr lange, bis man im Rückblick eine schicksalhafte Begegnung erkennt. Das gilt auch im Fall der britischen Leyland-Zypresse.

Im 19. Jahrhundert brachten englische Pflanzenforscher die Montery-Zypresse aus Kalifornien und die Nutka-Gold-Zypresse aus Oregon nach Großbritannien. Das erzählt der Autor Jonathan Drori, Kurator vom „Eden Project“ in Cornwall in seinem anekdotenreichen, unterhaltsamen und informativen Buch „In 80 Bäumen um die Welt“.

„Unerhört wüchsig“

In ihrer Heimat lagen die Verbreitungsgebiete der beiden Nadelbäume noch 1500 Kilometer auseinander. In Wales auf dem Besitz von Christopher Leyland wurde das jedoch auf eine Kuscheldistanz reduziert – mit ungeahnten Folgen: Es entstand ein Hybride, „schlank, aufrecht, unempfindlich gegen salzhaltige wie verschmutzte Luft und unerhört wüchsig“, so der langjährige Verwalter der Royal Botanic Gardens in Kew Jonathan Drori weiter. „Sie wächst über ein Meter pro Jahr und wird mehr als 35 Meter hoch.“

Reihenweise eingepflanzt

Die nunmehr Leyland-Zypresse Genannte wurde 100 Jahre später reihenweise in den britischen Vorgärten eingepflanzt und sorgte so für mächtig Ärger bis hin zu Debatten mit „insgesamt 22 Stunden Gesamtredezeit“ im britischen Unterhaus. Denn die Zypresse war ein beliebter Sicht- und Windschutz zwischen den dicht an dicht gebauten Häuser in den britischen Vorstädten geworden, eine willkommene Alternative für Liebhaber einer ausgeprägten Privatsphäre. Erlaubt waren nur bis zu zwei Meter hohe Zäune.

Ein Leben im Halbdunkel

Coverabbildung von Jonathan Droris „In 80 Bäumen um die Welt“. Foto: Laurence-King-Verlag

Was den Besitzer erfreute, verärgerte die Nachbarn, weil auf dem Boden, „der von Leylandzypresse beschattet und angesäuert wird, herzlich wenig anderes gedeiht“. Bewohner im Erdgeschoss beschwerten sich dazu über ein Leben im Halbdunkel. Die ersten Nachbarschaftsstreitigkeiten landeten Ende der 1990er-Jahre vor Gericht. 2005 stieg die Zahl laut Drori auf über 17000. Hitzige Diskussionen im Parlament folgten. Schließlich erhielten die englischen Behörden die Befugnis, „eine einstweilige Verfügung gegen allzu eifrige Leyland-Zypressen-Mauerbauer zu erlassen.


Buchtipp: Jonathan Drori: „In 80 Bäumen um die Welt“. Illustriert von Lucille Clerc. Aus dem Englischen von Bettina Eschenhagen und Ulrich Korn. 80 farbige Abbildungen, 256 Seiten, Laurence-King-Verlag, 24 Euro.