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Leute & Looks Schönes und Schräges von der Berliner Modewoche

Von Elke Schröder

Ein Model präsentiert eine Kreation der Designerin Carolina Rönnberg aus Schweden beim Finale des Wettbewerbs um den Ein Model präsentiert eine Kreation der Designerin Carolina Rönnberg aus Schweden beim Finale des Wettbewerbs um den "Rebelpin Fashion Award". Sie erinnert an die 3D-Druck-Kreationen von Iris van Herpen. Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin. Schönes und Schräges gibt es wieder bei der Berliner Modewoche zu sehen. Hier eine Auswahl von spannenden Menschen und Looks.

Sanna Schubert gewinnt europäischen "Rebelpin Fashion Award"

Erstmals hat das europäische Textilnetzwerk ACTE einen Wettbewerb für europäische Modelabels und Modestudenten veranstaltet. Der "Rebelpin Fashion Award" will junge Designer aus ganz Europa fördern.

Die Entscheidung unter den insgesamt zehn nominierten Designerinnen aus Spanien, Schweden, Portugal und Deutschland fiel am Donnerstag, 5.Juli, im E-Werk während der Berliner Fashion Week. Die deutsche Modedesignerin Sanna Schubert von der Universität Polimoda in Mailand setzte sich in der Kategorie "Studenten" durch. 


Bei der Premiere des "Rebelpin"-Wettbewerbs für europäische Designer hat in der Kategorie "Modestudenten" die deutsche Designerin Sanna Schubert am Donnerstagabend gewonnen. Foto: Elke Schröder



Eine Kreation von Sanna Schubert. Foto: Rebelpin-Fashion-Awards



Wer nicht wagt, der kann nicht gewinnen: Malin Busck aus Schweden hat ordentlich in die Dose mit silbernen Paletten gegriffen. Mit Erfolg: Ihr Stilmix aus glitzernder Rokoko-Robe und Streetstyle gefiel der Jury so gut, dass sie sie mit dem mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis in der Kategorie Unternehmer belohnte.


Glitzernde Streetstyle-Rokoko-Prinzessin - Kreation von Rebelpin-Preisträgerin 2018 Malin Busck aus Schweden. Foto: Elke Schröder


Im Netz konnte das Publikum für einen weiteren Preis abstimmen. Hier räumte eine spanische Designerin ab:


Die klassische, feminine Eleganz der Kreationen von Julia Velaques Charro aus Spanien erhielt den Rebelpin-Publikumspreis. Foto: Elke Schröder


Ohne bunte Fransen läuft auf der Berliner Fashion Week im Juli 2018 nichts - weder bei der Rebelpin-Finalshow (Bild) noch bei Designern wie Marcel Ostertag. Foto: Elke Schröder


Ganz schön schräg: Eine Kreation der Designerin Miriam Prat Gutierrez bei der Show des Wettbewerbs Rebelpin. Foto: Britta Pedersen/dpa


Puzzelarbeit für eine Kollektion ohne Müll

Als die Berliner Designerin Natascha von Hirschhausen 2014 in Bangladesch sah, wie viel Müll bei der Textilproduktion entsteht, wollte sie etwas ändern: In einer Art „Puzzlearbeit“, erzählt sie, habe sie Schnitte für eine „Zero Waste“-Kollektion entwickelt, die so gut wie keinen Stoff übrig lässt. Und selbst den minimalen Rest, verarbeitet sie zu einem Ohrring-Schmuck. 

Darüber hinaus hat die 28-Jährige den Anspruch, dass ihre zeitlosen Kreationen sich so um den weiblichen Körper drapieren, dass die Kleider, Hosen und Blusen aus Bio-Stoffen eine klassische, elegante Form haben und ein Modell von Größe 32 bis 44 tragbar ist. Für diese Innovation erhielt sie 2017 den Bundespreis „Ecodesign“ und die Nominierung für den „German Design Award 2019“.

Bei der Fashion Week hat sie erstmals einen kleinen Stand auf der internationalen Modemesse "Premium", bei der 1000 Labels auf 23 000 Quadratmetern ihre Kollektionen für Frühjahr/Sommer 2019 zeigen.


Ausgezeichnet für ihre "Zero Waste"-Kollektion: Modedesignerin Natascha von Hirschhausen. Foto: Elke Schröder


Modische Träume auf der Dachterrasse und ein Designer mit Botschaft


Erstmals seit zwölf Jahren stellte Marcel Ostertag eine Kollektion für Männer vor - mit Farben des Regenbogens. Foto: Jens Kalaene/dpa


Einen Sommernachtstraum mit frischen Farben und modischer Botschaft inszenierte der deutsche Designer Marcel Ostertag zum Sonnenuntergang auf der Dachterrasse des Hotels Westin Grand in Berlin: Seine Frühjahr-Sommer-Kollektion „Muse“ widmet er den Wegbegleitern der letzten zwölf Jahre seiner Luxusmarke. 

Mit „Muse“ zitiert und variiert er auch lustvoll „Love-and-Peace“-Symbole der 70er-Jahre mit Fransen, Rüschen, Spitze, Satin und Paletten, ob aufregendes Abendkleid oder Overall, in allen Farben des Regenbogens. Letzterer ist für ihn spürbar weniger ein modisches Stilmittel als vielmehr ein gesellschaftliches Statement: „Wir müssen in der Welt weiter um Toleranz kämpfen“, sagt er am Ende. 


Nach seiner Show "Muse" hatte Designer Marcel Ostertag noch einen guten Rat für Influencer parat: „Hört auf, so schnell zu sein. Drosselt eure Geschwindigkeit. Genießt die Zeit, die Natur. Seid ihr selbst.“ Foto: Jens Kalaene/dpa


Beschwingt mit Fransen in das Frühjahr 2019: Ein Model in einer Kreation des Labels Marcel Ostertag. Foto: Jens Kalaene/dpa


Berliner Modewoche: Hochsaison für Influencer

Vielfalt ist das Thema von Riccardo Simonetti, einer von Deutschlands männlichen Top-Influencern: „Gerade junge Leute stehen unter Druck, einem bestimmten Körperideal zu entsprechen. Meine Botschaft: Entwickelt euer eigenes Schönheitsideal“, sagt der Blogger im Gespräch mit unserer Redaktion. Aus diesem Grund nahm er sich zwei Stunden Zeit, um medienwirksam als Juror in einem Casting für Plus-Size-Models zu sitzen. Tanja Marfo, Organisatorin und Inhaberin der Modelagentur "Kurvenrausch" aus Hamburg, war mit der Resonanz auf ihr erstes Plus-Size-Casting während der Fashion Week hoch zufrieden: 65 Models hatten sich bereits im Vorfeld angemeldet. 


Liebt die Modewelt: Blogger Riccardo Simonetti, hier auf der Berliner Fashion Week als Juror beim Modelcasting im Rahmen der Plus-Size-Lounge der Agentur Kurvenrausch. Foto: Elke Schröder


Für Influencer bedeute die Berliner Modewoche Hochsaison, sagte Simonetti: "Wir sind die Einzigen, die hier gut verdienen - nicht die Models.“ Sein Kalender sei auch mit Terminen voll, die man nicht in seinem Blog sieht: „Ich hatte gestern so viele Termine zum Lunch mit Auftraggebern, dass ich am Ende den ganzen Tag nichts gegessen habe.“ Doch er sei sehr dankbar, dass er an der Modewelt so teilhaben kann. 


Einzigartige Kleider aus Secondhand-Hosen


Modedesignerin Michelle Ruchay (21) aus Oldenburg präsentiert ihre Abschlussarbeit von der Modefachschule in Sigmaringen auf der Berliner Modewoche. Foto: Elke Schröder


Sie fällt auf im „Ethical Fashion Showroom“ im Berliner Kraftwerk: eine schwarze voluminöse Abendrobe, geschaffen aus Hosenbeinen eines Anzugs – und die Schöpferin steht daneben in einer Eigenkreation aus einem alten, bunten Vorhang mit einem riesigen Reißverschluss: Die 21-jährige Modedesignerin Michelle Ruchay aus Oldenburg hat für ihre Abschlussarbeit von der Modefachschule in Sigmaringen aus Secondhand-Stücken „neue einzigartige Stücke“ kreiert. „Die Kollektion repräsentiert die Gesellschaft, die trotz aller Kontraste zu einer harmonischen Einheit wird.“ 

„Secondhand schränkt mich ein – und dadurch kann ich kreativ sein“, sagt sie im Gespräch. Sie will nicht nur schöne Mode kreieren, sondern eine sinnvolle, die Vielfalt zeige. Designer hätten beim Thema Nachhaltigkeit eine besondere Verantwortung, da neben der Ernährungs- die Modebranche die Umwelt stark belastet.