Schmerzmittel-Engpass Ibuprofen wird knapp: Was sind Alternativen und wie wirken sie?

Von Tobias Bosse

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Derzeit gibt es Schwierigkeiten bei der Auslieferung von Ibuprofen. Foto: imago/MedicimageDerzeit gibt es Schwierigkeiten bei der Auslieferung von Ibuprofen. Foto: imago/Medicimage

Hamburg. Dem beliebtesten Schmerzmittel der Deutschen droht ein Engpass. Experten erklären, welche Ersatz-Medikamente es gibt.

Ibuprofen, mit 27 Millionen Verordnungen auf Rezept sowie 51 Millionen verkauften Packungen in der Selbstmedikation des Deutschen liebstes Schmerzmittel, wird knapp. Der Grund: Lediglich sechs Fabriken stellen das Medikament für den gesamten Weltmarkt her. Und im BASF-Werk in Bishop im US-Bundesstaat Texas wurde die Produktion des Wirkstoffs jetzt vorerst eingestellt. Dieser Stillstand könnte aufgrund technischer Probleme bis zu drei Monate andauern.

Noch keine Engpass-Meldung

Noch sei aus den Apotheken allerdings keine Engpass-Meldung gekommen, bestätigt Christian Splett, Pressereferent bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Allerdings wäre dies ohnehin eher ungewöhnlich, so Splett, denn Apotheker müssten in jedem Fall eine Lösung für den Patienten finden und im Zweifel Rücksprache mit dem Arzt halten: Dieser müsste das Rezept gegebenenfalls anpassen, sollte kein Ibuprofen verfügbar sein. 

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt aktuell eine Umfrage bei allen Herstellern durch, die Ersatz-Medikamente produzieren, um befürchteten Engpässen vorzubeugen. Alternativen zu Ibuprofen sind beispielsweise Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Diclofenac. 

Sind diese Medikamente gefährlicher?

Vincent Joerres, Sprecher des Deutschen Hausärzteverbandes, erklärt, dass die Verträglichkeit der verschiedenen Ersatz-Medikamente sehr subjektiv zu bewerten sei: "Grundsätzlich gibt es natürlich Alternativen zu Ibuprofen, beispielsweise Diclofenac, was ebenfalls zu der Gruppe der Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) gehört. Wichtig ist: Jeder verträgt die verschiedenen Arzneimittel, egal ob Ibuprofen, Diclofenac oder ein anderes Schmerzmittel, unterschiedlich gut", sagt Joerres. Dies müsse im Einzelfall betrachtet werden. Patienten sollten sich bei Fragen an ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt wenden.

Eine dänische Studie, die Daten von fast 29.000 Herzstillstand-Patienten untersuchte, kam zu der Erkenntnis, dass bei den Patienten, die Diclofenac eingenommen hatten, die Wahrscheinlichkeit eines Herzstillstands um 50 Prozent im Vergleich zu Patienten stieg, die keine Schmerzmittel genommen hatten. Bei Ibuprofen lag das Risiko um knapp 20 Prozent tiefer, bei nur 31 Prozent. 

Kann Cannabidiol eine Alternative sein?

Cannabidiol (CBD) ist der Hauptwirkstoff von Hanfextraktöl, das aus der Hanfblüte hergestellt wird. Dabei handelt es sich allerdings nicht um das THC-haltige Marihuana, das die Psyche des Menschen massiv beeinflusst. Im Hanfextraktöl ist das THC nicht mehr enthalten. Cannabidiol gilt es als entzündungshemmend, schmerzlindernd und beruhigend. Das bestätigte auch eine Studie von 2017 des US National Library of Medicine, zumindest in Bezug auf die Linderung von chronischen Gelenkschmerzen. 

Eine weitere Studie vom Journal of Experimental Medicine besagt, dass im Gegenteil zu vielen Schmerzmitteln, bei denen Patienten die Dosen immer wieder erhöhen müssten, um eine Wirkung zu erzielen, bei CBD kein Gewohnheitseffekt entstehe. 


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