Trends vom Wear It Festival Kluge Klamotten: Sieben neue smarte Textilien und Accessoires

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Schutz gegen Überwachungskameras: Designerin Nicole Scheller hat eine Jacke mit LED-Lichtern am Rand der Kapuze entworfen, die die Privatsphäre im öffentlichen Raum wiederherstellen soll: Das Gesicht ist so nicht mehr auf Überwachungskameras erkennbar. Foto: Elke SchröderSchutz gegen Überwachungskameras: Designerin Nicole Scheller hat eine Jacke mit LED-Lichtern am Rand der Kapuze entworfen, die die Privatsphäre im öffentlichen Raum wiederherstellen soll: Das Gesicht ist so nicht mehr auf Überwachungskameras erkennbar. Foto: Elke Schröder

Berlin. Unsichtbar für Überwachungskameras dank Tarnmantel? Bremslicht am Rucksack? So könnte die digitale Kleidung der Zukunft aussehen: Sieben Beispiele vom Wear It Festival 2018, der internationalen Fachkonferenz für Entwickler und Investoren von Wearables und smarten Textilien.

Der intelligente Fitnesstracker am Handgelenk war nur der Anfang: Was tragen wir in der digitalisierten Zukunft – sei es im Beruf, in der Freizeit, aus gesundheitlichen Gründen oder aus Spaß an der Mode? Wird die Bekleidung mit versteckter Technik so normal werden wie die Nutzung des Smartphones?

Eines scheint klar: Erfindungen, die es auf dem Markt der Fashion Tech zur Massenanfertigung schaffen wollen, sollten cool am Körper aussehen, sehr tragbar sein und smart, also über eine intelligente Technik verfügen. Über diese Reihenfolgen waren sich die Experten beim Wear It Festival für die Entwickler- und Existenzgründerszene in der Berliner Kulturbrauerei einig.

Modedesigner und IT-Programmierer, Start-ups und Unternehmen zeigten, was im Bereich Wearables und digitale Mode technisch möglich ist: Die Ideen reichen von bereits markttauglichen Produkten bis zu vielversprechenden und utopischen Prototypen. Ein Blick in den Kleiderschrank der Zukunft:




Bunter Festivalbeutel als Bremslicht

Freunde finden per Party-Rucksack und ein zusätzliches Bremslicht für die Radfahrer unter den Ravern: Das bietet der Prototyp der dritten Variante des 380 Gramm leichten „Funkelbags“ von „Funkelfetisch“, dort demnächst online erhältlich. 

Entwickler Veit Nachtmann integrierte einen Bewegungssensor in seinen waschbaren Partybeutel, der das Glasfasergewebe auf der Vorderseite rot blinken lässt, sobald der Fahrer stoppt. Zudem können Besitzer der Funkelbags per Funk ohne GSM-Mobilfunknetz auf etwa zehn Kilometer miteinander chatten und sich im Gedränge bei einem Konzert wiederfinden.


Veit Nachtmann entwickelte mit seinem "Funkelbag" einen Festival- und Partybeutel mit Innen- und Außenbeleuchtung. Foto: Elke Schröder


Politisches Statement

Unsichtbar für Überwachungskameras dank Tarnmantel: Die Modedesignerin Nicole Scheller spielt mit ihrer Kreation eine „Big Brother“-Zukunftsvision durch. Die Kapuze ist mit LED-Lichtern besetzt, die in der Dunkelheit das Gesicht anleuchten, es für Überwachungskameras überblenden und so unsichtbar machen.

Nicole Scheller will mit ihrer Kreation zur Diskussion und zum Nachdenken über den Schutz der Privatsphäre im öffentlichen Raum in Zeiten von Überwachungskameras und Datensammlung anregen.


Designerin Nicole Scheller hat einen Mantel mit LED-Lichtern an der Kapuze entworfen, die die Privatsphäre im öffentlichen Raum wiederherstellen soll: Das Gesicht ist so nicht mehr auf Überwachungskameras erkennbar. Foto: Elke Schröder



Bessere Sichtbarkeit

Besser im Straßenverkehr sichtbar sein, das ist das technische Anliegen von „Lunative“. Die Firma hat zunächst für Audi eine Jacke entwickelt, die mit flexibler Leuchtleiste, beispielsweise an Reißverschluss und Kapuze, mittels wiederaufladbarer Batterie jederzeit in der Dunkelheit leuchtet. 

Auch dank dieses Projekts habe die Firma den Start-up-Status bereits verlassen, sagt Achim Poertner von „Lunative“.  Die Jacke ist komplett waschbar, das sei die größte Herausforderung bei der Weiterentwicklung des Prototyps gewesen, sagt Poertner,

Die Firma liefert die Lichttechnik für verschiedene Kunden, die ihre eigenen Ideen für die Verwendung liefern, sei es für Jogginghose, Kinderjacke oder für Flugbegleiter-Uniformen, auch die Ausstattung von Autositzen sei denkbar.


Die Lichttechnik von Lunative macht es möglich: Die mit Batterie beleuchteten Jacke soll in der Dunkelheit beispielsweise im Straßenverkehr für mehr Sichtbarkeit sorgen.Foto: Elke Schröder



Schmuck als Wearable

Armreif und digitale Leinwand zugleich: Tago Arc ist nach Angaben des ungarischen Herstellers Liber8Tech der erste Wearable-Schmuck. Die Schwarz-Weiß-Muster auf dem Armband kann man per App beliebig verändern. Die Darstellung auf dem Display am Handgelenk basiert auf der E-Ink-Technik, die man vom E-Book-Reader kennt, erklärt Shi Robson von Liber8Tech, die den Schmuck online vertreiben, für umgerechnet etwa 240 Euro.


Smarter Schmuck: Tago Arc vom ungarischen Unternehmen Liber8Tech bietet ein Armband mit App an, mit der man die Muster verändern kann. Foto: Elke Schröder




Ein Gespür für Farben

Wie fühlt sich die Farbe Rot an? Wie Blau? Wie Grün? Der Brasilianer Ricardo O’Nascimento von Popkalab.com will Farbe mittels Handschuh mit Sensor unterschiedlich spürbar und so im Dunkeln unterscheidbar machen, indem er durch die Berührung eines bunten Stoffes Farbe in Vibration „übersetzt“. 

In erste Linie sei dies für ihn, der sich als Fusiondesigner bezeichnet, eine Kunstaktion. Es interessiere ihn, wie wir unsere Sinne mittels technischer Sensoren erweitern können oder gar einen neuen – technischen – hinzugewinnen. Er könne sich aber auch vorstellen, dass seine Idee weiterentwickelt und als Hilfsmittel für Menschen mit Farbblindheit eingesetzt werde.


Ricardo O'Nascimento (Popkalab.com) präsentiert seinen smarten Handschuh, der bei Berührung Farbe in Vibration "übersetzt". Foto: Elke Schröder



Musik liegt am Körper

Die Modedesignerin Layla Müller macht unter ihrem Label "Layla De Mue“ Kleidung zum Instrument: Eine Umarmung, eine Berührung lösen Töne, Melodien aus, die über Smartphone oder Laptop übertragen werden. Mit ihrem Design erforscht sie, wie die Psyche auf Frequenzen reagiert.

Die Jacke gehört zu ihrer vierteiligen Fashion-Tech-Kollektion „The Syma Line“, die sie bei Ausstellungen oder Events zeigt – eine vorrangig künstlerische Arbeit. Der Prototyp weist nach Ansicht der Designerin aber auch auf eine mögliche Weiterentwicklung und Verwendung der Idee im Bereich Musiktherapien hin: Eine akustische Jacke könnte Patienten, für die eine Berührung negativer Stress bedeute, helfen, ihr eine positive Bedeutung zu geben. 



Die Jacke wird bei Berührung zum Instrument, eine Kreation von Designerin Layla Müller (Layla De Mue). Foto: Elke Schröder


Tragbares Metromon

Ein Wearable, das bereits praktisch von Musikern eingesetzt wird, ist der „Body Strap“ von Soundbrenner. Es ist ein smartes Metronom in cooler Fitnesstracker-Optik: „Viele Musiker mögen den Ton des Metronoms nicht oder können ihn nicht hören“, sagt Julian Voges von Soundbrenner zur Idee dahinter. Das digitale Metronom wird am Körper getragen und gibt den Takt mittels Vibration vor anstelle eines Tons, gesteuert über eine App. 


Tragbares Metronom für den Musiker: Der "Body Strap" von Soundbrenner. Foto: Soundbrenner



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