Wetter Online, Apple Wetter, Accuweather Warum Wetter-Apps so unterschiedliche Vorhersagen treffen

Von Marle Liebelt

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Verschiedene Wetter-Apps auf dem Smartphone sagen öfter unterschiedliches Wetter voraus. Foto: Franziska Gabbert/dpaVerschiedene Wetter-Apps auf dem Smartphone sagen öfter unterschiedliches Wetter voraus. Foto: Franziska Gabbert/dpa

Osnabrück. Wie wird das Wetter morgen? Viele Menschen werfen für eine Vorhersage einen Blick auf ihr Smartphone. Eine klare Antwort bekommen sie selten, denn: Verschiedene Wetter-Apps, verschiedene Prognosen. Warum sind sich die Apps nie einig?

Haben Sie auch mehr als eine Wetter-App auf dem Smartphone? Den Meisten ist bekannt, dass diese das Wetter nicht alle gleich prognostizieren. Ich habe ein iPhone, die App von Apple war also bereits vorinstalliert. Häufig führte das allerdings dazu, dass ich für das Wochenende falsch gepackt habe und mit kurzer Hose und T-Shirt im Regen stand oder meine Regenjacke und meinen Pullover am Montag zerknittert und unbenutzt wieder ausgepackt habe. Also mussten weitere Apps her, die oft etwas ganz anderes vorhersagen als die vorinstallierte. Warum ist das so?

Beginnen wir mit einem kleinen Live-Check

Mittwochmittag, es ist stark bewölkt in Osnabrück, die Sonne versucht, sich durchzukämpfen. Quelle: der Blick aus dem Fenster. Die drei Wetter-Apps Wetter Online, AccuWeather und Apple Wetter bestätigen das weitestgehend. Alle prognostizieren Höchsttemperaturen von 27 Grad am späten Nachmittag. Mit der Zeit wird es immer sonniger. Doch bei der Vorhersage für die nächsten Tage sind sich die Apps nicht mehr so einig.

Wetter Online sagt für morgen (Donnerstag) maximale Temperaturen von 17 Grad voraus, die allerdings in den frühen Morgenstunden erreicht sind und dann im Laufe des Tages abfallen. Am Vormittag soll es regnen, am Nachmittag soll es teils bewölkt sein und am Abend sind wieder vereinzelt Schauer zu erwarten. Obwohl die Regenwahrscheinlichkeit über den Tag bei 70 Prozent liegt, soll es acht Sonnenstunden geben. Am Freitag prognostiziert die App den ganzen Tag Schauer bei Höchstwerten von 17 Grad und lebhaftem Wind.

Laut AccuWeather gibt es hingegen morgen nur in den frühen Morgenstunden vereinzelt Schauer (50 Prozent Regenrisiko). Ab acht Uhr bleibt es für den Rest des Tages heiter bis wolkig bei Temperaturen um die 16 Grad. Die Regenwahrscheinlichkeit liegt über den ganzen Tag gerade einmal bei 25 Prozent. Auch am Freitag soll es weitestgehend trocken bleiben. Lediglich gegen 11 und 15 Uhr ist mit Schauern zu rechnen. Die Höchsttemperaturen liegen hier ebenfalls bei 17 Grad.

Apple Wetter sagt für morgen Dauerregen voraus: 90 Prozent Niederschlagswahrscheinlichkeit am Vormittag, 50 Prozent am Nachmittag. Die Temperaturen erreichen maximal 17 Grad. Der Freitag startet ebenfalls regnerisch (80 Prozent), lässt im Laufe des Tages aber nach. Dabei gibt es maximal 16 Grad.

Und was sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD)?

Leider macht der DWD keine genaue Vorhersage für einzelne Städte, sondern nur für Bundesländer. Teils lässt sich daraus aber etwas für die einzelnen Regionen im Land ablesen. In der Region Osnabrück soll es morgen zunächst bewölkt sein, später dann Regnen. Das Ganze bei Tageshöchsttemperaturen von 19 Grad. Am Freitag werden zunächst nur neun Grad und leichte Schauer vorhergesagt. Im Laufe des Tages wird es zwar wärmer mit bis zu 16 Grad, allerdings nimmt auch der regen zu.

Warum sagen nicht alle Wetter-Vorhersagen das Gleiche voraus?

Es gibt verschiedene Wetter-Modelle, an die man sich halten kann, um das Wetter vorauszusagen. Viele Apps werten Wetterdaten nach dem amerikanischen Wettermodell aus, dem Global Forecast System (GFS). Dieses ist nicht grundsätzlich schlechter. Für die nordamerikanische Region trifft es sehr zuverlässige Vorhersagen. Für unsere Region ist es allerdings oft sehr vage. Besonders auch, weil regionale Effekte außer Acht gelassen werden.

André Kramer vom „c’t“-Fachmagazin erklärt, dass Deutschland landschaftlich viel kleinteiliger ist als die USA: Deshalb sind Wetter-Apps, die Daten nach dem europäischen (ECMWF) oder deutschen Wettermodell (ICON) auswerten, viel genauer. Denn ihre Auflösungen sind deutlich höher und erfassen regionale Unterschiede besser.

Das ICON-Modell wird vom DWD berechnet und gilt für Deutschland als zuverlässige Vorhersage. Allerdings sind diese Berechnungen – im Gegensatz zum amerikanischen Modell – nicht kostenfrei, weshalb kleinere Anbieter oft nicht auf sie zurückgreifen. Und wenn doch, müssen sie ihre Apps meist kostenpflichtig anbieten.

Die diversen Modelle haben Stärken und Schwächen bei verschiedenen Wetterphänomenen, sagt Meteorologe Frank Böttcher, der im Vorstand Deutsche Meteorologische Gesellschaft sitzt. „Während beim amerikanischen Wettermodell ein Schwerpunkt auf die Vorhersage von Hurrikans gelegt wird, gibt das Modell des Deutschen Wetterdienstes mehr Klarheit über die Entwicklung von Nebel und Bodennebel.“

Um möglichst genaue Vorhersagen zu treffen, greifen viele App-Entwickler auf unterschiedliche Datenquellen zurück und führen diese mit Hilfe eigener Systeme zusammen. Durch die erhöhte Rechenleistung und immer bessere Modelle sind mittlerweile Vorhersagen für bis zu fünf oder sechs Tagen recht verlässlich, meint Kramer, der für die „c’t“ Wetter-Apps getestet hat. Aber: Je länger der Zeithorizont, desto schwieriger ist eine regional präzise Vorhersage. Eine gute Wetter-App zeigt über einen längeren Zeitraum deshalb nur Trends an – keine stundengenauen Prognosen.

Welche Wetter-App ist denn nun zuverlässig?

Grundsätzlich sind Wetter-Apps, die ausschließlich das amerikanische Modell verwenden, nicht empfehlenswert, da sie für Deutschland keine zuverlässigen Prognosen liefern. Auf Smartphones vorinstallierte Programme, wie die Wetter-App auf meinem iPhone, verwenden häufig das kostenfreie amerikanische Modell. Auch die genannte App AccuWeather greift auf das amerikanische Modell zurück.

Da kleine Anbieter sich die Wettermodelle des DWD meist nur leisten können, wenn sie ihre Apps kostenpflichtig anbieten, haben sie häufig Probleme sich gegen die großen Anbieter durchzusetzen.

Nach Meinung des Meteorologen Böttcher liefern die großen Wetter-Apps die besten Wettervorhersagen: Warnwetter, Weatherpro, Wetter.com, Wetter Online, Wetter.net. Einige von ihnen sind bereits in der kostenfreien Version sehr umfangreich und ausreichend. Auch Kramer meint, dass eine gute Wetter-App nicht kostenpflichtig sein muss. „Allerdings sollten Nutzer hinterfragen, womit die Betreiber kostenloser Apps Geld verdienen“, rät der „c’t“-Experte. Oft wird Werbung angezeigt. Aber Nutzer gewähren Wetter-Apps teils auch Zugriff auf sensible Daten wie den Standort. Das ist praktisch, kann aber auch missbraucht werden: Die iOS-Version der App „Accuweather“ etwa soll im Sommer 2017 Standortdaten an eine Werbefirma übermittelt haben.

Die kostenlose App des DWD „WarnWetter“ dient seit letztem Herbst nur noch für Informationen zu witterungsbedingten Gefahrenlagen. Für die Vollversion müssen Nutzer seitdem einmalig 1,99 Euro bezahlen. Grund dafür war eine Klage von Wetter Online.

(mit leb und dpa)


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