Giftige Brennhaare Eichenprozessionsspinner: Was tun bei Kontakt mit gefährlicher Raupe?

Was sollten Betroffene tun, wenn sie mit dem Eichenprozessionsspinner in Kontakt gekommen sind? Hier gibt es Tipps. Symbolfoto: dpaWas sollten Betroffene tun, wenn sie mit dem Eichenprozessionsspinner in Kontakt gekommen sind? Hier gibt es Tipps. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Was sollten Betroffene tun, wenn sie mit dem Eichenprozessionsspinner in Kontakt gekommen sind? Hier gibt es Tipps.

Was sind Eichenprozessionsspinner?

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Schmetterling, der von Ende Juli bis Anfang September fliegt. Es handelt sich um einen unscheinbaren, braun-grauen Schmetterling. Die männlichen Falter haben eine Flügelspannweite von 25 bis 32 Millimeter, die weiblichen 30 bis 36 Millimeter. Die Raupen der Eichenprozessionsspinner finden sich hauptsächlich an Eichen. Die Weibchen legen durchschnittlich 150 circa 1 Millimeter große weiße Eier. Anfang Mai schlüpfen die für den Menschen gefährlichen Raupen. Bis zur Verpuppung, die Ende Juni/Anfang Juli erfolgt, durchlaufen sie fünf bis sechs Entwicklungsstadien.

Befallen werden vor allem einzelne Bäume oder Bäume am Waldrand. Die Raupen ernähren sich von den Blättern ihrer Wirtsbäume. Die Raupen gelten als Schädlinge. Mitte Juni ziehen sich die älteren Raupen tagsüber und zur Häutung in Nester zurück. Vor dort aus begeben sich die Raupen wie in einer Prozession auf Nahrungssuche.

Wo kommen Eichenprozessionsspinner vor?

Der Eichenprozessionsspinner ist von der Iberischen Halbinsel über Süd- und Mitteleuropa östlich bis in den Süden Russland und nach Vorderasien verbreitet.

In Deutschland sind mittlerweile alle Bundesländer betroffen. Eichenprozessionsspinner kommen in Wäldern, Straßenrändern, in Parks und auch in Städten vor.

Weiterlesen: Eichenprozessionsspinner: Nester noch monatelang gefährlich

Haben Eichenprozessionsspinner natürliche Feinde?

Ja, das haben sie. Dazu zählen Ei- und Raupenparasiten wie die Raupenfliegen. Auch der Kuckuck gehört zum Feind. Er verspeist die behaarten Raupen trotz der Brennhaare. Die Brennhaare stellen keine Gefahr für den Kuckuck dar, da er die Haare herauswürgen kann.

Warum sind Eichenprozessionsspinner giftig?

Die Brennhaare der Raupen sind giftig und können bei Menschen juckende, entzündliche Hautausschläge, Rötungen, Quaddeln und Bläschen (Raupendermatitis), Ausschläge und allergische Schocks auslösen. Voll ausgebildete Raupen haben rund eine halbe Million Brennhaare – diese brechen leicht und werden vom Wind durch die Luft getragen. Deswegen sollte die direkte Nähe und ein direkter Kontakt vermieden werden. Dies ist die beste vorbeugende Schutzmaßnahme.

Besonders betroffen sind Besucher von Freizeit- und Waldanlagen, direkte Anwohner betroffener Waldgebiete, Besitzer von Eichen in Gartenanlagen, spielende Kinder, Waldarbeiter und Arbeitskräfte von Landschaftspflegebetrieben.

Wie lange sind Eichenprozessionsspinner gefährlich?

Akute Gefahr besteht vor allem während der Raupenfraßzeit des Schädlings. Doch auch die Nester der Raupen stellen eine anhaltende Gefahr dar. Auch die Haare weisen eine lange Haltbarkeit auf. Sie reichern sich über mehrere Jahre an und halten sich an den Kleidern und Schuhen. Die Haare lösen bei Berührungen immer wieder neue allergische Reaktionen aus.

Welche Maßnahmen werden bei Kontakt mit Eichenprozessionsspinnern empfohlen?

  • Augen gründlich mit sauberem Wasser spülen
  • Augen nicht reiben, da sonst die Gefahr besteht, dass sich die Brennhärchen mit ihren Widerhaken in der Hornhaut festsetzen
  • Zeitnah duschen, Haare waschen und die Kleidung wechseln
  • kontaminierte Schuhe und Kleidung möglichst nicht in den Wohnbereich bringen
  • den Juckreiz mit kaltem Wasser mildern
  • Kleidung anschließend bei 60 Grad waschen
  • bei stärkeren gesundheitlichen Problemen sollte ein Arzt aufgesucht und auf den Kontakt zum Eichenprozessionsspinner hingewiesen werden
  • bei schweren allergischen Reaktionen mit Atemnot sollte sofort der Rettungsdienst gerufen werden

Da auch Haustiere wie Hunde betroffen sein können, sollten Besitzer darauf achten, dass ihre Tiere nicht mit den giftigen Raupen in Kontakt treten.

Was tun beim Befall von Eichenprozessionsspinnern im eigenen Garten?

Privatpersonen wird davon abgeraten, die giftigen Raupen in Eigenregie (zum Beispiel durch das Abflammen und das Absaugen der Raupen) zu entfernen. Die Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner sollte nur von Fachleuten durchgeführt werden, da die Verletzungsgefahr zu groß ist. Die Brennhaare können nämlich verwirbelt werden. Einige Schädlingsbekämpfungsunternehmen in unserer Region können aktuell wegen der schnellen Ausbreitung der Raupen eine Vielzahl der Meldungen nicht mehr zeitnah abarbeiten. Einige Unternehmen nehmen allerdings noch Aufträge an.

Das Entfernen eines Nestes ist technisch anspruchsvoll. Die Schädlingsbekämpfer und Baumpfleger arbeiten in Schutzanzügen mit Atemmasken, oft kommen Hubwagen zum Einsatz, die die Mitarbeiter zu den Nestern heben. Eine Meldepflicht beim Eichenprozessionsspinner besteht für Privatpersonen nicht. Verantwortliche der Landkreise Osnabrück und Emsland appellieren aber an Privatpersonen, dass sie ihre befallenen Bäume melden.

Eichenprozessionsspinner im Garten: Wer kommt für die Kosten der Bekämpfung auf?

Eigentum verpflichtet. Das gilt auch im Fall der Eichenprozessionsspinner. Wer auf seinem Privatgrundstück Eichenprozessionsspinner entdeckt, muss es zwar nicht melden, dazu wird allerdings geraten. Privatpersonen sollten eine Schädlingsbekämpfungsfirma beauftragen, die die Eichenprozessionsspinner entfernt. Die Kosten für den Einsatz müssen Privatpersonen selber tragen.

Eichenprozessionsspinnern gesichtet: An wen können sich Betroffene im Landkreis Osnabrück und Emsland wenden?

Vom Eichenprozessionsspinner befallene Bäume auf öffentlichen Straßen melden Betroffene beim Ordnungsamt oder dem Rathaus der jeweiligen Gemeinde. Im Landkreis Osnabrück steht der Gesundheitsdienst für Fragen unter 0541/5018113 bereit. Für Befall an öffentlichen Plätze in der Stadt Osnabrück ist der OSB zuständig und unter der Telefonnummer 0541/323 3300 oder über das Osnabrücker Meldesystem Emsos erreichbar.

Der Landkreis Emsland informiert und berät Bürgerinnen und Bürger umfassend über den EPS, seine Bekämpfung und die möglichen Gefahren. Dafür stehen Mitarbeiter im Fachbereich Gesundheit bereit. Sie sind unter den Telefonnummern 05931/442187 und 05931/441187 sowie unter 05931/443187 zu erreichen. Auch hier gilt: Bei öffentlichen Flächen ist die jeweilige Gemeinde zuständig, bei privaten Grundstücken die Eigentümer.

Quellen: Wikipedia, Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft


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