Artenschutz vor der Haustür Wie Gärtner Insekten helfen können

Von Christian Satorius


Hüde. Über 200 Insekten lockt die Salweide, Teiche und Laubhaufen bieten Lebensraum für bedrohte Tiere: Gärtner, die ein paar Voraussetzungen schaffen, hören es wieder summen und brummen.

Bunte Falter und munter durcheinanderzwitschernde Vögel: Was kann man sich im eigenen Garten noch mehr wünschen? Doch die Naturidylle trügt allzu oft. Wer sich die Mühe macht, einmal etwas genauer hinzuschauen oder auch hinzuhören, der wird feststellen, dass nur ganz wenige Schmetterlingsarten auf den Flieder fliegen und auch die Vögel vielfach nur Spatzen oder Drosseln sind.

Auch das Summen und Brummen ist weniger geworden: Das Bienensterben rafft längst nicht nur die Honigbienen dahin, auch ihren nahen Verwandten, den Wildbienen, geht es schlecht. Dabei könnte jeder diesen Tieren helfen, indem er seinen Garten, Balkon oder auch nur das Garagendach ein bisschen natürlicher gestaltet.

Hier liegt eine ganz große Chance für den Natur- und Artenschutz direkt vor unserer Haustür. Ohne Futterpflanzen und ohne Versteckmöglichkeiten kommen aber keine bedrohten Schmetterlinge und ohne Insekten keine seltenen Vögel. Viele Frösche oder gar Molche sind ohnehin so anspruchsvoll, dass man sie in einem Durchschnittsgarten niemals finden wird. Wer mit seinem Garten interessante Tiere anlocken möchte, um ihnen zu helfen und sie zu beobachten, der muss ihnen auch eine lebenswerte Umwelt schaffen, denn sonst bleiben sie ganz einfach weg.

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Welche Pflanzen bieten Nahrung?

Das fängt schon bei den Blumen und Sträuchern an: Exotische Pflanzen locken höchstens ein paar Allerweltsschmetterlinge an. Die wirklich seltenen und bedrohten Arten brauchen vielfach heimische Pflanzen zum Überleben. So lockt die Salweide über 200 verschiedene Insektenarten an. Die violette Wiesenflockenblume sorgt dafür, dass der Hauhechelbläuling oder der Kleine Kohlweißling im Garten vorbeischauen.

Mit ein bis zwei ordentlich in ein Beet gepflanzte Blümchen ist es natürlich nicht getan. Wenn schon nicht der gesamte Rasen, dann sollte doch wenigstens eine möglichst große Ecke sich weitgehend selbst überlassen bleiben können. Hier kann man sogenannte Schmetterlingswiesen beziehungsweise Schmetterlingsblumen, deren Saat im Fachhandel erhältlich ist, einsäen. Wichtig dabei ist, möglichst vielen verschiedenen heimischen Pflanzen den Vorzug zu geben.

Wahre Schmetterlingsmagneten sind natürlich Flieder, die Rote Spornblume, die Wilde Möhre, die Karthäusernelke, die Heidenelke, der Natternkopf, aber auch Wilder Majoran. Wer außergewöhnliche Schmetterlinge beherbergen möchte, sollte allerdings auch an die Raupen denken. Nicht nur die erwachsenen Falter wollen nämlich ernährt werden, auch die Raupen müssen fressen – und die sind oft auf ganz bestimmte Futterpflanzen angewiesen. Viele der heimischen Pflanzen, wie Brennnesseln oder auch Disteln, sind bei den Raupen beliebt. Sind erst einmal genügend Raupen und andere Insekten da, kommen die Vögel von ganz alleine.

Mit Futterpflanzen ist es nicht getan

Aber auch sie wollen brüten und sich verstecken können. Ein paar dichte Sträucher und Hecken können da schon weiterhelfen. Hier heißt es ebenfalls wieder möglichst heimische Arten zu bevorzugen: Die Rote Heckenkirsche, die Vogelbeere, die Wildbirne oder die Zimtrose sind in der Vogelwelt sehr beliebt. Ein paar Brutkästen, eine flache Wasserstelle zum Trinken und Baden, sowie ein waches Auge auf Nachbars Katze machen den Garten für Vögel attraktiv.

Vögel sind natürlich auch von einem kleinen Bachlauf oder Teich begeistert, ebenso wie Frösche, Libellen oder sogar Molche. Ist der Teich naturnah und abwechslungsreich angelegt, kommen sie von ganz allein. Molche sollte man beispielsweise niemals selbst einsetzen. Sie gehen ohnehin wieder, wenn es ihnen nicht gefällt. Wer auf einen Fischbesatz verzichtet, kann sich vielleicht sogar an Libellen erfreuen oder auch an anderen Arten, deren Nachkommen über Kurz oder Lang jedem Fisch zum Opfer fallen würden.

Ein Teich ist übrigens umso pflegeleichter und die Wasserqualität umso stabiler, je größer er ist. Manchmal genügt es schon, ein paar Teich- und Malermuscheln einzusetzen, um ihnen dann die Wasserfilterung zu überlassen. Fischbesatz hingegen erfordert meist eine Zusatzfilterung, sodass die Muscheln es in der Regel nicht mehr schaffen, des zu viel gefütterten und sich im Wasser zersetzenden Futter, aber auch der Ausscheidungen der Fische Herr zu werden.

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Wenig Platz, großer Effekt

Unterm Strich sieht man einem naturnahen Garten in der Regel sofort an, dass er für Tiere attraktiv ist. Da gibt es Laubhaufen für Igel, dichtes Gestrüpp und Hecken, ungemähte Rasenflächen und wild wuchernde heimische Kräuter und Blumen. Kinder können in einem derartigen Garten viel über die Natur und das Leben lernen. Allerdings haben Fußbälle nichts in Sträuchern mit brütenden Vögeln zu suchen, und die Luftmatratze kommt im Sommer genauso selbstverständlich nicht in den Teich. Wen die Kombination „Kleine Kinder und tiefes Wasser“ nicht ruhig schlafen lässt, der kann die Wasseroberfläche mit einem grobmaschigen (!) stabilen Gitter gegen hineinfallende Kinder sichern. Natürlich müssen die Teichbewohner trotz Vergitterung die Möglichkeit haben, die Wasseroberfläche zu erreichen bzw. an Land gehen zu können.

Inwieweit sich der Nachbar mit quakenden Fröschen oder austreibenden „Unkräutern“ arrangieren kann, sollte man allerdings besser im Vorfeld klären. Für ein bisschen Natur vor der eigenen Haustür bedarf es übrigens noch nicht einmal eines eigenen Gartens. Balkone, Hauswände oder Garagendächer lassen sich ebenfalls sehr effektiv in grüne Oasen verwandeln. Wer will, kann auf dem grünen Dach ja auch noch ein bisschen Schnittlauch anpflanzen oder andere Küchenkräuter anbauen.


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