Fernbehandlung wird ermöglicht Ärztetag stimmt für Ausbau von Onlinesprechstunden

Mit großer Mehrheit hat der Deutsche Ärztetag den von der Bundesärztekammer vorgeschlagenen Ausbau von Fernbehandlungen beschlossen. Foto: Jens Kalaene/dpaMit großer Mehrheit hat der Deutsche Ärztetag den von der Bundesärztekammer vorgeschlagenen Ausbau von Fernbehandlungen beschlossen. Foto: Jens Kalaene/dpa

AFP/dpa Erfurt. Mit großer Mehrheit hat der Deutsche Ärztetag den von der Bundesärztekammer vorgeschlagenen Ausbau von Fernbehandlungen beschlossen.

Die 250 Mediziner stimmten am Donnerstag in Erfurt dafür, dass eine Beratung und Behandlung künftig ausschließlich über elektronische Kommunikationswege ohne vorherigen persönlichen Kontakt erfolgen kann. Dies soll demnach „im Einzelfall“ erlaubt sein, wenn es ärztlich vertretbar ist. Die Neuregelung soll nun in die Berufsordnungen der Landesärztekammern übernommen werden.

Bislang sind Telefon-, Video- und Onlinesprechstunden nur erlaubt, wenn die Patienten die Arztpraxis zuvor bereits aufsuchten. Nun wollen die Ärzte „einerseits die Behandlung und Beratung aus der Ferne unter bestimmten Anforderungen ermöglichen und andererseits den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt weiterhin in den Vordergrund stellen“.

„Wir wollen und müssen diesen Prozess gestalten und dieses Feld mit unserer ärztlichen Kompetenz besetzen“, erklärte Josef Mischo, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer. Digitale Techniken sollten die ärztliche Tätigkeit unterstützen, dürften aber nicht die notwendige persönliche Zuwendung von Ärztinnen und Ärzten ersetzen. Der persönliche Kontakt sei der „Goldstandard“.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Entscheidung des Deutschen Ärztetags zur Liberalisierung des Fernbehandlungsverbots für Mediziner begrüßt. Mit Online-Sprechstunden würden Patienten unnötige Wege und Wartezeiten erspart, erklärte Spahn am Donnerstag. „Damit helfen wir Ärzten und Patienten.“

Spahn kündigte an, einen Runden Tisch mit Vertretern der Ärzteorganisationen und ihrer Selbstverwaltung sowie des Deutschen Pflegerates einzuberufen. Dieser Expertenkreis soll die praktische Umsetzung des Beschlusses beraten: „Die neuen Möglichkeiten telemedizinischer Behandlung wollen wir jetzt auch für den Versorgungsalltag der Menschen erreichbar machen.“ Spahn hatte zum Auftakt des Ärztetages in Erfurt für eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots geworben.