Satellitenstart Potsdamer Forscher wollen Erde genauer vermessen

Von dpa

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Das Modell eines Geosatelliten wird während einer Pressekonferenz im Deutschen GeoForschungsZentrum vorgestellt. Foto: Ralf HirschbergerDas Modell eines Geosatelliten wird während einer Pressekonferenz im Deutschen GeoForschungsZentrum vorgestellt. Foto: Ralf Hirschberger

Potsdam. Die Erde ist mit Blick auf ihr Schwerefeld keine Kugel - Potsdamer Forscher sprechen da lieber von einer Kartoffel. Ein Weltall-Projekt soll jetzt genauere Daten bringen und Veränderungen aufzeigen.

Mit Hilfe von zwei neuen Satelliten wollen Potsdamer Forscher in einem deutsch-amerikanischen Projekt die Erde genauer vermessen. Bei dem Projekt „Grace Follow-On“ soll einmal pro Monat eine Karte des Schwerefelds der Erde entstehen.

Über die Messungen sind Rückschlüsse zum Beispiel auf die Veränderung des Meeresspiegels oder des Klimas möglich, wie das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam berichtete.

Die beiden von Airbus in Deutschland gebauten Satelliten sollen am 19. Mai von der privaten US-Weltraumfirma SpaceX ins Weltall gebracht werden. Das auf fünf Jahre ausgelegte Projekt kostet rund 200 bis 300 Millionen Euro, den größten Teil trägt die US-Weltraumbehörde Nasa, Deutschland steuert rund 78 Millionen Euro bei.

Wie beim Vorgängerprojekt „Grace“, das von 2002 bis 2017 im Einsatz war, sollen zwei rund drei Meter lange Satelliten in einem Abstand von rund 250 Kilometer um die Erde fliegen. Je nach Untergrund - etwa Berge, Meere oder auch feuchte und trockene Gebiete - werden die 600 Kilogramm schweren Satelliten in 490 Kilometer Höhe unterschiedlich stark vom Schwerefeld der Erde angezogen. Eine Messung des Abstands der beiden Satelliten untereinander auf den Bruchteil eines Millimeters genau lässt dann Rückschlüsse auf den Untergrund zu. Beim Vorgängerprojekt war der Abstand mit Mikrowellen gemessen worden, jetzt soll zusätzlich ein noch genauerer Laser eingesetzt werden.

Die beiden Satelliten sollen 16 Mal am Tag die Erde umkreisen, nach einem Monat liegen dann Daten für alle Teile des Planeten vor. Die erste „Grace“-Mission hatte bereits gezeigt, dass in Grönland von 2002 bis 2016 rund 270 Milliarden Tonnen Eismassen verloren gingen - das sind 20 Milliarden Tonnen mehr, als zuvor angenommen. Aber auch Landhebungen, die regional den Anstieg der Meeresspiegel mehr als ausgleichen können, erfassen die Systeme. Grundsätzlich zeigte das Projekt auch, dass die Erde keine ganz perfekte Kugel ist, sondern nach den Worten der Forscher eher einer Kartoffel gleiche, wenn man das Schwerefeld betrachte. Die neuen Daten sollen an rund 5000 bereits registrierte Interessenten gehen - darunter Hydrologen oder Ozeanografen.

Die beiden neuen Satelliten sollen nach dem Start mindestens fünf Jahre lang Daten liefern. Mit Glück könnten sie aber auch zwei bis drei Mal so lange durchhalten, hieß es. Letztendlich sollen sie in tieferen Schichten der Atmosphäre verglühen.


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