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30.04.2018, 06:30 Uhr KOMMENTAR

EU-Datenschutzverordnung: Der Krake

Kommentar von Waltraud Messmann

Eine neue EU-Datenschutzgrundverordnung wird im Mai inkrafttreten. Foto: dpaEine neue EU-Datenschutzgrundverordnung wird im Mai inkrafttreten. Foto: dpa

Osnabrück. Im Mai tritt eine neue EU-Datenschutzverordnung in Kraft. Eine Rückeroberung der Datenhoheit durch die Bürger ist dies jedoch nicht. Ein Kommentar.

Einige Krakenarten haben die fantastische Eigenschaft, ihre Fangarme nachwachsen zu lassen. Auch der sogenannte Datenkrake ist dazu offenbar in der Lage. Seine Tentakel hat er bisher vor allem benutzt, um für Facebook, Google und Co personenbezogene Informationen zu sammeln. Mit Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung im Mai werden sie aber schrumpfen.

Doch ein neuer Fangarm ist schon in Sicht: Weil die EU-Datenschutzverordnung sonst gescheitert wäre, hatten viele EU-Parlamentarier 2016 zähneknirschend auch einer neuen Richtlinie zur Verwendung von Fluggastdaten zugestimmt. Auf ihrer Grundlage werden in Deutschland jetzt bis zu 60 Daten von Passagieren anlasslos an das Bundeskriminalamt weitergeleitet und bis zu fünf Jahre gespeichert.

Von einer Rückeroberung der Datenhoheit durch die Bürger kann also nicht die Rede sein: allenfalls davon, dass der Staat jetzt den längeren Arm hat.


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