Krankmeldungen bei TUIfly im Jahr 2016 Nach EuGH-Urteil: TUI- Fluggäste haben gute Aussichten auf Entschädigung

Von Waltraud Messmann

Im Herbst 2016 blieben viele TUIFly Maschinen wegen massenhafter Krankmeldungen von Mitarbeitern am Boden. Foto: imago/Sven SimonIm Herbst 2016 blieben viele TUIFly Maschinen wegen massenhafter Krankmeldungen von Mitarbeitern am Boden. Foto: imago/Sven Simon

Osnabrück. Der Europäische Gerichtshof hat am Dienstag entschieden, dass die massenhaften Krankmeldungen von TUIfly-Mitarbeitern, die im Herbst 2016 zu massiven Störungen im Flugverkehr führten, kein außergewöhnlicher Umstand sind. Die geschädigten Fluggäste haben damit jetzt wohl gute Aussichten, ihren Anspruch auf Entschädigungszahlungen erfolgreich geltend zu machen.

Die Tuifly reagierte enttäuscht auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs: „Wir respektieren die Auffassung des Gerichts“, sagte ein Tuifly-Sprecher. „Dennoch bleiben wir bei unserer Auffassung, dass man sich auf solche wilden Streiks nicht ausreichend vorbereiten kann.“ Man werde sich aber selbstverständlich jetzt mit den Anwälten zusammensetzen, um mögliche Optionen, die sich aus dem Urteil ergeben, zur prüfen, ergänzte Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt gegenüber unserer Redaktion.

Die Vorgeschichte: Hintergrund des Verfahrens ist der wilde Streik von TUIfly-Mitarbeitern im Herbst 2016. In Folge einer Welle von Krankmeldungen musste TUIfly mehr als 100 Flüge streichen. Andere TUlfy Flieger starteten mit erheblichen Verspätungen. Betroffene klagen seitdem vor deutschen Gerichten auf Ausgleichszahlungen. Ihre Chancen dürften sich nach dem EuGH -Urteil nun deutlich verbessert haben.

„Wilder Streik“

Die Airline nannte die Krankmeldungen einen „wilden Streik“ und berief sich auf außergewöhnliche Umstände um die EU-Verordnung 261/2004 zu umgehen. In der Verordnung ist geregelt, welche Unterstützungsleistungen und Entschädigungsleistungen Fluggesellschaften gegenüber ihren Fluggästen bei verschiedenen Problemfällen erbringen müssen.

Die EuGH-Richter begründeten ihr Urteil damit, dass Airlines unter zwei Bedingungen von der Erstattungspflicht befreit werden könnten. Zum einen dürfe das Ereignis, das zu den Behinderungen führte, nicht Teil der normalen Betriebstätigkeit sein. Zum anderen dürfe es von der Airline nicht beherrschbar sein. Beides sei bei den Ereignissen im Herbst 2016 aber nicht der Fall gewesen, urteilten die Richter.

Abgesehen von der konkreten Konstellation des „wilden Streiks“ betont der EuGH in seiner Entscheidung, dass nicht jeder Streik „unbedingt und automatisch einen Grund für die Befreiung von der Ausgleichspflicht darstellt“.

Musterschreiben

Der Reiserechtler Paul Degott rät Betroffenen nun dazu, der Airline ein Schreiben aufzusetzen. Vermerkt werden sollten Flug- und Buchungsnummer, Flugdatum und die Namen der Passagiere. „Und dann am besten eine Frist von zehn Tagen für die Zahlung setzen“, so der Jurist. Im Internet finden sich entsprechende Musterschreiben.

Bei Annullierungen und Verspätungen von mehr als drei Stunden stehen Passagieren bei einer Flugstrecke von bis 1500 Kilometern 250 Euro pro Person zu. Bei Strecken von 1500 bis 3500 Kilometern sind es 400 Euro, über 3500 Kilometern 600 Euro. Das legt die EU-Fluggastrechteverordnung fest.

(mit dpa)