Start in den Autofrühling Was Auto- und Motorradfahrer jetzt beachten müssen

Von dpa

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Köln/Essen. Motorradfahren ist für viele Fans ein sonniges Hobby. Eines, das sie nur im Frühling und Sommer betreiben. Im Herbst und Winter pausieren dagegen die meisten Fahrer und ihre Maschinen. Bis zur nächsten Saison können dann nicht nur ein paar mechanische Teile einrosten. Deshalb raten Experten vor der ersten Fahrt zur Kontrolle der Maschine - und einem Training für den Biker.

„Mit der Vorbereitung auf die neue Motorradsaison kann man eigentlich gar nicht früh genug anfangen“, sagt Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVdM). „Eine gute Kondition lässt sich durch Joggen, Wandern oder Radfahren aufbauen und erhalten.“ Bei schlechtem Wetter geht das mit Hilfe von Crosstrainer, Laufband oder Stepper auch zu Hause oder im Fitnessstudio.

Wer rastet, der rostet

Wer rastet, der rostet: Dieser alte Spruch gelte nicht nur für das Motorrad, sondern auch für den Fahrer. „Gymnastik und Kraftübungen sind wirksame Mittel, um in Form zu bleiben und die Muskeln zu trainieren“, sagt Lenzen. So verursachen die ersten Touren im Frühjahr nicht direkt Muskelkater. Auch der Geist sollte fit für die neue Saison sein. Für mentale Übungen gebe es eine Reihe von Büchern. Lenzen rät aber auch dazu, sich vor der ersten Ausfahrt auf das Motorrad zu setzen und im Geiste die Hausstrecke abzufahren.

Dagegen rät er dringend davon ab, es bei der ersten Tour zu übertreiben. „Direkt nach der Winterpause aufs Motorrad zu steigen und eine 300-Kilometer-Tour abzureißen, ist ebenso wenig ratsam, wie sofort an die eigenen Grenzen zu gehen.“ Einen besonnenen Biker mache aus, dass er mehr Reserven für sich und seine Maschine einplant, für andere Verkehrsteilnehmer mitdenkt und defensiv fährt. Dazu zähle auch, dass er die Straße richtig lesen kann und einkalkuliert, dass es an manchen Stellen noch glatt sein kann.

Fahrübungen

„Bis die Automatismen wieder so funktionieren wie am Ende der Saison, dauert es eine Weile“, sagt Lenzen. Er rät vor der ersten großen Tour zu ein paar Fahrübungen auf einem Parkplatz, um wieder das richtige Gefühl für die Maschine zu bekommen. Bei einem professionellen Motorrad-Training feilen Fahrer an ihrer Technik und erhöhen die eigene Sicherheit - ganz gleich, ob Anfänger oder alter Hase.

Auch die Maschine bedarf der Vorbereitung. Matthias Haasper vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) rät dazu, vor allem die sicherheitsrelevanten Bauteile zu kontrollieren. Dazu zählt er unter anderem Bremsanlage, Elektrik, Reifen, Lenkung und Fahrwerk sowie den festen Sitz der Bauteile. „Wer beim Ausmotten mit weniger technischem Knowhow zur Sache geht, sollte die Wartung seines Fahrzeuges besser bei einem autorisierten Fachhändler durchführen lassen“, rät Haasper. „Denn mittlerweile sind technische Komponenten und erforderlichen Werkzeuge recht speziell.“

Wirkung der Wintermonate

Grundsätzlich kann es problematisch sein, die Wirkung der Wintermonate auf ein stehendes Motorrad zu unterschätzen. Vor allem, wenn es die ganze Zeit draußen stand. Selbst ein gut laufendes Bike kann in der Zeit Rost ansetzen und ein paar Mängel ansammeln. „Oftmals gehen auftauchende Probleme damit einher, dass das Einmotten im Herbst stiefmütterlich angegangen wurde. Oder es waren schon Mängel vorhanden, die bis dato ignoriert wurden“, sagt Haasper.

Eine gründliche Wäsche deckt eventuelle Schäden auf, die sich vor der ersten Fahrt beheben lassen. Dabei besser auf einen Hochdruckreiner verzichten. Denn durch den hohen Druck können Wassertropfen in Radlager, Lenkkopflager, Schwingen- und sonstige Lager, Schalter, Sicherungskästen oder elektrische Kabelverbindungen eindringen und Korrosion sowie Funktionsausfall auslösen.

Korrekter Reifendruck

Wichtig ist auch der korrekte Reifendruck. Einige Prüfgeräte an Tankstellen arbeiteten ungenau und mit einer Toleranz zwischen +/- 0,2 Bar. „Diese minimale Abweichung kann das Fahrverhalten jedoch bereits beträchtlich verändern. Mit präzisen Luftprüfern aus dem Fachhandel passiert das nicht“, sagt Haasper.

„Wer am Ende der letzten Saison noch keinen Ölwechsel an seiner Maschine vorgenommen hat, sollte das jetzt erledigen“, sagt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Außerdem kontrollieren die Biker die Reifen auf Risse, Beschädigungen, Alter und ausreichende Profiltiefe hin.

Kettenspannung

Die korrekte Kettenspannung lässt sich am besten bei Fahrgewicht mit Fahrer einstellen. Wer oft vollgepackt mit Sozius unterwegs ist, sollte den noch zusätzlich aufsitzen lassen und die Spannung von einem Dritten kontrollieren lassen. Die Kette dabei nicht zu stramm einstellen. „Auch das Lenkkopflager muss einwandfrei laufen. Zu viel Spiel bemerkt man, wenn man beim Schieben kurz die Handbremse anzieht. Klackt oder ruckt es, ist das Spiel zu groß“, sagt Bente. Ebenso wichtig für einen sauberen Lauf ist das Schwingenlager. Im aufgebockten Zustand lässt sich das seitliche Spiel kontrollieren.

Frische Bremsflüssigkeit

„Ebenfalls wichtig für die nächste Tour ist frische Bremsflüssigkeit. Beim Wechsel sind die Angaben des Herstellers zu beachten“, sagt Bente. Die Arbeit an der Bremse sollte jedoch nur ein Fachmann erledigen. Häufig vernachlässigen Besitzer die Batterie ihres Motorrades. „Wer sich im Winter nicht darum kümmert, sie trocken und kühl lagert und sie regelmäßig lädt, der erlebt beim ersten Start sein Wunder. Vor allem, wenn es ein Bleiakku ist“, sagt Jürgen Bente. Wenn der einmal tiefentladen ist, rührt sich dort nichts mehr.

Vergessen sollten Motorradfahrer zudem nicht ihre Schutzausrüstung. Ganz wichtig: der Helm. Sein Visier muss sauber und kratzfrei sein. Lässt es sich nicht mehr reinigen, gehört es ausgetauscht. Ist der Helm auf den Boden gefallen oder bei einem Unfall beschädigt worden, muss ein neuer her. Ganz alte Helme gehören ebenfalls in den Müll. „Ein Helm altert durch UV-Licht und Schweißabsonderungen und sollte nach ein paar Jahren getauscht werden“, sagt Bente. Spätestens nach fünf bis acht Jahren sollte ein neuer Helm den Kopf zieren.


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