Wirkung von Düften im Alltag Verführt Zitrusduft zur Sauberkeit?

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Beim Einkauf spielen Düfte – auch unbewusst – eine große Rolle. Foto: imago/Westend61Beim Einkauf spielen Düfte – auch unbewusst – eine große Rolle. Foto: imago/Westend61

Osnabrück. Kann man sich die Raumtemperatur wärmer oder kälter schnuppern? Stiftet der Duft von Reinigungsmitteln zur Sauberkeit an? Ja, lautet die Antwort auf beide Fragen, wie der Duftdesigner Robert Müller-Grünow in seinem Buch „Die geheime Macht der Düfte“ erklärt.

Der Geruchssinn kann viele Entscheidungen im Alltag beeinflussen, beispielsweise wen wir lieben, was wir essen, wo wir uns wohlfühlen und ein wenig verbleiben wollen, woran wir uns spontan erinnern oder was wir einkaufen – meist geschieht dies unbewusst.

Von Supermärkten und Hotelketten über Automobilkonzerne bis zu Arztpraxen oder Museen – sie alle setzen auf die Wirkung von Düften. Doch das bedeute nicht zwangsläufig, „dass wir dadurch zu meinungslosen Wesen und unmündigen Bürgern werden“, meint Robert Müller-Grünow, der Duftkonzepte für Unternehmen entwickelt. Er plädiert dafür, seinen Geruchssinn zu schärfen. In seinem lesenswerten Buch zitiert er auch einige verblüffende Studien über die Wirkung von Gerüchen im Alltag.

Feines Näschen für Temperatur

Schon der dezente Duft von Chili oder Pfefferminz kann das Wärme- und Kälteempfinden beeinflussen, berichtet Müller-Grünow, der Düfte für Unternehmen entwickelt, aus seiner Praxis. „Der Geruch von Chili suggeriert uns eine – gefühlte – Temperatur von 30 Grad Celsius.“ Dagegen aktiviert Pfefferminzgeruch die Kälterezeptoren in der Nase, sodass „uns eine Temperatur von etwa 15 Grad Celsius suggeriert wird“, erklärt der Duftdesigner. Diese Wirkung wollte sich ein Einkaufszentrum zunutze machen, um Energiekosten der Klimaanlage und Heizung zu senken. So ließ Müller-Grünow in der Shoppingmall über ein Beduftungssystem im Winter einen Chiliduft frei und im Sommer einen Pfefferminzduft. Ergebnis: Die Temperatur wurde im Durchschnitt zwei bis drei Grad kühler beziehungsweise wärmer empfunden.

Frische Luft

Hierzulande verbinden wir Reinigungsmittel mit Zitrusduft. Diese Vorliebe geht offenbar so weit, dass wir eher bereit sind, einen Raum so sauber zu verlassen, wie wir ihn vorgefunden haben, wenn es darin frisch riecht. Das legt das Ergebnis des Versuchs der Uni Nimwegen nahe, das Müller-Grünow zitiert. Von zwei Zugabteilen wurde eins mit mehreren Behältern Reinigungsmittel mit Zitrusduft ausgestattet. „In den Abteilen mit Duft hinterließen die Fahrgäste erheblich weniger Müll.“


Buchtipp: Robert Müller-Grünow mit Olaf Köhne & Peter Käfferlein: „Die geheime Macht der Düfte“. Warum wir unserem Geruchssinn mehr vertrauen sollten. Sachbuch. 304 Seiten, Edel Verlag, 17,95 Euro.

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