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Ärzte begrüßen Entscheidung Bundesausschuss: Vierfach-Impfstoff für Grippesaison 2018/2019 verbindlich

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Bei 813 Todesfällen der aktuellen Grippesaison war ein Virus-Typ B im Spiel, dessen Variante aus der Yamagata Linie von dem Dreifachimpfstoff, den die gesetzlichen Krankenkassen erstatten, nicht ausreichend abgedeckt wird. Foto:Imago/Science LibraryBei 813 Todesfällen der aktuellen Grippesaison war ein Virus-Typ B im Spiel, dessen Variante aus der Yamagata Linie von dem Dreifachimpfstoff, den die gesetzlichen Krankenkassen erstatten, nicht ausreichend abgedeckt wird. Foto:Imago/Science Library

Osnabrück. Die Grippeschutzimpfung wird in der Impfsaison 2018/2019 wohl mit einem Vierfach-Impfstoff erfolgen. Die Voraussetzungen dafür hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) heute in Berlin geschaffen. Damit können sich Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherungen künftig mit einem Vierfach-Impfstoff gegen die saisonale Grippe impfen lassen. Die Ärzteschaft begrüßt die Entscheidung.

.Der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen Uwe Köster betonte in einem Gespräch mit unserer Redaktion „damit wäre die Forderung der Ärzteschaft nach der bestmöglichen Grippeprävention für alle Teile der Bevölkerung erfüllt.“ Die Notwendigkeit eines umfassenden Impfschutzes auch für gesetzlich Versicherte sei durch die ungewöhnlich starke Grippeepidemie in diesem Winter noch einmal besonders deutlich geworden.

Influenza B -Variante

Auch Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, begrüßte die Entscheidung. Der Vierfachimpfstoff sei der breiteste verfügbare Grippeimpfstoff, der beide bekannten Influenza B -Varianten einschließe, betonte er. Der aktuell dominierende Grippevirus Typ B der Yamagata-Linie ist der mit einem Anteil von 70 Prozent in dieser Grippesaison dominierende Grippeerreger. In dem Dreifach-Impfstoff, den die gesetzlichen Krankenkassen bisher regulär zahlen, ist er aber nicht enthalten.

Da üblicherweise nur etwa alle zehn Jahre Influenza B Jahre seien, geht Welte davon aus, dass das Jahr 2019 „mit hoher jedoch nicht mit 100prozentiger Sicherheit wohl kein Influenza B Jahr werde“. „ Und dann werden wir wieder Stimmen hören, die sagen, dass der Dreifach-Impfstoff es auch getan hätte“, sagt Welte. Wahrscheinlich stimme das sogar, sei aber eben nicht voraussagbar. „In diesem Jahr hat die Fehlentscheidung jedenfalls hunderte Menschenleben gekostet“, kritisierte der Mediziner.

Nach den neuesten Zahlen des Robert-Koch-Instituts ist die Zahl der Grippetoten in der 13.Kalenderwoche auf 1.095 gestiegen. Sie dürfte damit die höchste seit dem Jahr 2010 sein. Bei 813 Todesfällen war ein Virus-Typ B im Spiel.

STIKO-Empfehlung

Mit der Präzisierung der Schutzimpfungs-Richtlinie folgt der G-BA der Empfehlung der STIKO vom 11. Januar 2018, dass ab der Impfsaison 2018/2019 zur Grippe-Impfung ein Vierfach-Impfstoff mit der jeweils aktuellen, von der WHO empfohlenen Antigenkombination zu verwenden ist.

Der GB-A- Vorsitzende Josef Hecken betonte: .„Diese Entscheidung richtet sich – anders als vielfach auch öffentlich gemutmaßt – nicht auf die Impfsaison 2017/2018, sondern auf die kommende.

Bislang gab es für die gesetzlichen Krankenkassen keine verbindliche Regelung, ob für diese Impfung ein Drei- oder Vierfach-Impfstoff zu verwenden ist. Dies hatte in der aktuellen Grippesaison zu heftigen Diskussionen geführt, weil der aktuell dominierende GrippevirusTyp B der Yamagata-Linie in dem Dreifach-Impfstoff, den die gesetzlichen Krankenkassen zahlen, nicht enthalten ist, sondern nur in dem Vierfachimpfstoff. Beide Möglichkeiten waren in Übereinstimmung mit den bisherigen STIKO-Empfehlungen aber zulässig.

Bilanz 13.Kalenderwoche

Unterdessen gab das Robert-Koch -Institut die Zahlen für die 13.Kalenderwoche der aktuellen Grippesaison bekannt: Danach ist die Zahl der Grippetoten auf 1.095 gestiegen. Sie dürfte damit die höchste seit dem Jahr 2010 sein. Insgesamt wurden dem Robert-Koch-Institut in der Saison 2017/18 bisher 313 933 Influenzainfektionen gemeldet.

Die Influenza-Aktivität war in der 13.Kalenderwoche zwar noch erhöht, der Höhepunkt der Grippewelle ist aber seit einigen Wochen überschritten. Bei 813 Todesfällen war ein Virus-Typ B im Spiel, dessen Variante aus der Yamagata Linie von dem Dreifachimpfstoff, den die gesetzlichen Krankenkassen erstatten, nicht ausreichend abgedeckt wird. 200-mal wurden Influenza A- Viren nachgewiesen, 32-mal Influenza A(H1N1)pdm09, 49-mal Influenza nicht nach A oder B differenziert und einmal Influenza A(H3N2). 87 Prozent der in Folge einer Grippeinfektion Verstorbenen waren 60 Jahre oder älter. Bei allen Angaben gibt es eine hohe Dunkelziffer.

Die Zahl von 1095 Grippetoten allein in der aktuellen Saison kommt nahe an die Gesamtzahl der in den Jahren 2010 bis 2017 gemeldeten 1580 Todesfälle heran.

  • Es folgen die Angaben der Todesfälle in der 13.Kalenderwoche der Jahre 2010 bis 2017:
  • 2017: 662 Tote
  • 2016: 143
  • 2015: 200
  • 2014: 11
  • 2013: 150
  • 2012: 18
  • 2011: 142
  • 2010: 254
  • Summe: 1580

Für die meisten Todesfälle in diesen Jahren waren nicht wie in der aktuellen Saison Grippeviren des Typs B verantwortlich, sondern A-Viren.


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