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Neue Arzneimittel-Festbeträge Seit 1. April: Patienten müssen für viele rezeptpflichtige Medikamente mehr zahlen

Von Waltraud Messmann


Osnabrück. Von den mehr als 70 Millionen gesetzlich krankenversicherten Menschen in Deutschland müssen seit dem 1. April viele mit einem Anstieg der gesetzlichen Zuzahlungen zu rezeptpflichtigen Arzneimitteln rechnen. Wo bisher keine Zuzahlungen angefallen seien, könnten dann fünf bis zehn Euro pro verordnetem Medikament fällig sein, meldete der Deutsche Apothekerverband (DAV). Möglicherweise müssten Patienten auch von ihrem gewohnten Präparat auf ein neues Medikament umstellen.

Grund für die Erhöhung der Zuzahlung ist das Absenken von sogenannten Festbeträgen (Erstattungshöchstbeträgen), von dem sich die gesetzlichen Krankenkassen jährliche Einsparungen in Höhe von 105 Millionen Euro versprechen. Senken die pharmazeutischen Hersteller ihre Preise nicht parallel ab, kann plötzlich eine Zuzahlungspflicht für die Patienten entstehen. Nach Berechnungen des Apothekerverbandes  nehmen die Zuzahlungen für Arzneimittel, die Krankenkassen ihren Versicherten in den Apotheken abverlangen, bereits seit Jahren zu: Im Jahr 2017 waren es schon mehr als 2,1 Milliarden Euro.

Liste der zuzahlungsfreien Medikamente:

Starke Schmerzmittel betroffen

Zu den betroffenen Arzneimitteln zählen nach Angaben des DAV vor allem starke Schmerzmittel (Betäubungsmittel) mit den Wirkstoffen Fentanyl, Morphin und Oxycodon. Auch häufig von Ärzten verordnete Substanzen wie Prednisolon (Entzündungshemmer) oder Clopidogrel (Blutverdünner) gehörten dazu. Ab dem  1. April wird erstmals auch für Infliximab ein Festbetrag festgelegt. Der Wirkstoff wird bei schweren Krankheitsverläufen eingesetzt, bei denen eine konventionelle Therapie nicht mehr anschlägt, etwa bei rheumatoider Arthritis und Morbus Crohn.

Kassenspezifische Rabattverträge

Am 1. April sind auch  kassenspezifische Rabattverträge neu in Kraft getreten, die dazu führen können, dass Patienten sich von ihrem gewohnten Präparat auf ein neues Medikament umstellen müssen. So haben die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) nach eigenen Angaben mehr als 100 Wirkstoffe mit mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz pro Jahr vergeben, darunter der Magensäurehemmer Pantoprazol und das Schmerzmittel Metamizol. Durch die Umstellung auf ein anderes Rabattarzneimittel könne sich auch die Zuzahlungshöhe ändern, hieß es beim DAV.