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Grippewelle 2018: 270.730 Kranke, 751 Tote Krankenstand durch Grippe im Februar auf Zehn-Jahres-Hoch

Von Waltraud Messmann

Laut Statistik der Betriebskrankenkassen (BKK) fallen derzeit jeden Tag durchschnittlich mehr als sechs Prozent der Beschäftigten krankheitsbedingt aus - jeder Dritte davon aufgrund eines grippalen Infekts. Foto:Imago/ Frank SorgeLaut Statistik der Betriebskrankenkassen (BKK) fallen derzeit jeden Tag durchschnittlich mehr als sechs Prozent der Beschäftigten krankheitsbedingt aus - jeder Dritte davon aufgrund eines grippalen Infekts. Foto:Imago/ Frank Sorge

Osnabrück. Die diesjährige Grippewelle legt weite Teile der Wirtschaft lahm: Laut Statistik der Betriebskrankenkassen (BKK) fallen derzeit jeden Tag durchschnittlich mehr als sechs Prozent der Beschäftigten krankheitsbedingt aus - jeder Dritte davon aufgrund eines grippalen Infekts. Der Krankenstand, also der Anteil der Krankgemeldeten an allen Beschäftigten, erreichte mit 6,2 Prozent im Februar den höchsten Wert seit zehn Jahren.

Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) hat die Grippewelle ihren Höhepunkt aber überschritten: In der 11. Kalenderwoche wurden dem Institut zufolge 44.562 labordiagnostisch bestätigte neue Influenzainfektionen (Vorwoche 46.382) gemeldet. Damit ist die Zahl der Influenzainfektionen in der aktuellen Grippesaison auf mehr als insgesamt 270.730 Fälle angewachsen. Die Zahl der Grippetoten stieg von 526 in der Vorwoche auf 751 in der 11.Kalenderwoche. Da es sich bei diesen Zahlen ausschließlich um labordiagnostisch nachgewiesene Fälle handelt, muss allerdings von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Vier große Grippewellen

Laut BKK liegt der Krankenstand auch im Vergleich zu den vier großen Grippewellen der vergangenen zehn Jahre (2009, 2013, 2015 und 2017) mit Abstand an der Spitze. Nach Angaben des RKI verzeichnen Rheinland-Pfalz und das Saarland die meisten Fehltage aufgrund von Atemwegserkrankungen. Spitzenwerte beim Krankenstand wurden im Februar aber auch in den neuen Bundesländern erreicht. Am wenigsten von grippalen Infekten betroffen sind Hamburg sowie Bayern und Baden-Württemberg. Gründe für die regionalen Abweichungen sind nach Einschätzung der BKK die unterschiedliche Altersstruktur in den Bundesländern sowie die jeweilige Infrastruktur und wirtschaftliche Lage des Landes.

Beruf und Grippeanfälligkeit

Auch der ausgeübte Beruf beeinflusst, wie stark Beschäftigte von Atemwegserkrankungen betroffen sind. Insbesondere der Bereich Erziehung (Kita und Schule) sowie andere soziale und hauswirtschaftliche Berufe, in denen viele Menschen aufeinander treffen, sind besonders stark von der Grippewelle betroffen. Gleiches gilt auch für Sicherheitsberufe (Polizei und Sicherheitsdienste) sowie auch für die Reinigungs- sowie die Verkehrs- und Logistikberufe (Busfahrer, Postzusteller etc.).

Influenza B-Viren aus der Yamagata-Linie

Influenza B-Viren (mit 99 Prozent aus der Yamagata-Linie) sind seit der 40 Kalenderwoche 2017 mit 72 Prozent die am häufigsten identifizierten Influenzaviren, gefolgt von Influenza A(H1N1)pdm09-Viren mit 26 Prozent und Influenza A(H3N2)-Viren mit zwei Prozent.

Die Influenza-Viren des Typs B der sogenannten Yamagata-Linie sind in dem in dieser Grippesaison noch gängigen Dreifachimpfstoff nicht enthalten. Effektiver ist daher der Vierfachimpfstoff, der einen zusätzlichen Bestandteil gegen Influenza-B-Viren enthält. Der teurere Vierfach-Schutz ist bislang allerdings keine einheitlich geregelte Kassenleistung und wird nur von wenigen Krankenkassen übernommen, wenn die Patienten zu einer Risikogruppe gehören. Das soll sich zur Grippesaison 2018/19 allerdings ändern.