Besser selbst einstellen Was Sie bei Haushaltshilfen aus dem Ausland beachten sollten

Von Annette Jäger


Osnabrück. Die Nachfrage nach ausländischen Haushaltshilfen für die Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger ist ungebrochen. Die meisten kommen über Vermittlungsagenturen aus Osteuropa. Es gibt jedoch Haken.

Nachfrage: Seitdem die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ein Beratungstelefon eingerichtet hat, bei dem Verbraucherschützerin Sabine Wolter Fragen zur Beschäftigung ausländischer Haushaltshilfen beantwortet, steht das Telefon nicht mehr still. Allein im ersten Monat erreichten sie über 30 Anfragen.

Das Modell ist gefragt: Die Haushaltshilfen aus Osteuropa ziehen in den Haushalt des Pflegebedürftigen ein und unterstützen ihn im Alltag. Das ist mit 2.000 Euro im Monat an Kosten nicht die günstigste Versorgungsmöglichkeit, aber beliebt. Dafür müssen die Pflegebedürftigen nicht in ein Heim umziehen.

Vermittlungsagenturen: Die meisten Haushaltshilfen werden über Vermittlungsagenturen in Form einer Entsendung beschäftigt. „Das ist das gängige Modell“, sagt Wolter. Die Haushaltshilfe ist beim ausländischen Arbeitgeber angestellt, der für Lohn, Sozialabgaben und Steuern zuständig ist. Der Pflegebedürftige rechnet mit der Agentur ab. „Man sollte sich die Entsendebescheinigung A1 vorlegen lassen“, so die Expertin. Das ist ein Beleg dafür, dass Sozialversicherungsbeiträge im Heimatland abgeführt werden.

Bei den Vermittlungsagenturen gibt es Qualitätsunterschiede. „Eine seriöse Agentur fragt den Pflegebedarf im Haushalt ab, vermittelt eine Hilfe mit guten Deutschkenntnissen und weist im Vertrag alle Kosten aus“, sagt Wolter. Aber es gebe einen Haken: „Nur der ausländische Arbeitgeber ist weisungsbefugt.“ Das ist im Alltag, in dem spontane Entscheidungen zu treffen sind, kaum praktikabel. Das Modell bleibt „rechtlich eine Grauzone“.

Arbeitgeber werden: „Nur wenn man selbst zum Arbeitgeber wird, ist das rundum legal“, betont die Verbraucherschützerin. Dann gestaltet der Auftraggeber das Beschäftigungsverhältnis, muss sich aber um die Lohnabrechnung, Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer kümmern. Ein Steuerberater kann helfen. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) vermittelt eine Hilfe und unterstützt bei der Anmeldung.

Inzwischen gibt es auch Angebote der Wohlfahrtsverbände Caritas (www.carifair.de) und Diakonie (www.vij-faircare.de.). Sie arbeiten mit ausländischen Agenturen zusammen und begleiten den Haushalt bei der Organisation und der Abrechnung. Die Angebote stehen allerdings nur lokal zur Verfügung, vor allem in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Finanzierung: Eine Haushaltshilfe bekommt den Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde. Es sind 48 Stunden bei einer Sechs-Tage-Woche erlaubt. Zum Lohn kommen Sozialabgaben und Steuern von rund 440 Euro im Monat, plus Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung.

Der gleiche Betrag entfällt auf Kost und Logis. Diesen Posten darf der Arbeitgeber auf den Lohn anrechnen. Insgesamt fallen über 2.000 Euro im Monat mindestens an. Zur Finanzierung können Betroffene das Pflegegeld der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen. Je nach Pflegegrad beträgt es zwischen 316 und 901 Euro im Monat.