Radeln im Rudel Was Clubs für Fahrradfahrer bieten

Von dpa

Pannenhilfe für zwei Räder: Der Automobil-Club Verkehr (ACV) hat einen Fahrradschutzbrief in alle bestehenden und seitdem entstanden Mitgliedschaften integriert. Foto: Natascha Zivadinovic/ACV Automobil-Club Verkehr/dpa-tmnPannenhilfe für zwei Räder: Der Automobil-Club Verkehr (ACV) hat einen Fahrradschutzbrief in alle bestehenden und seitdem entstanden Mitgliedschaften integriert. Foto: Natascha Zivadinovic/ACV Automobil-Club Verkehr/dpa-tmn

Berlin/Göttingen. Wer als Radfahrer von einer Gemeinschaft profitieren möchte, hat einige Möglichkeiten. Allerdings kommt es bei der Auswahl darauf an, was man sich davon verspricht: eine inspirierende, aktive Gemeinschaft, Serviceleistungen oder verkehrspolitisches Engagement.

Gemeinsam ist man stärker als allein. In der Gemeinschaft ist man sicherer, besser informiert und motivierter. Das sind in vielen Lebensbereichen Gründe für Menschen, sich zusammenschließen, so auch beim Radeln. Doch Möglichkeiten, einer Gruppe beizutreten, gibt es viele.

„Man muss sich eben fragen, was man will“, sagt Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). „Möchte man eine tolle Gemeinschaft, um zum Beispiel gemeinsame Touren zu fahren? Möchte man ein politisches Signal setzen? Möchte man von attraktiven Leistungen profitieren?“ Wenn es um die Leistungen geht, lohnt sich mittlerweile auch ein Blick in die Portfolios der Automobilclubs. „In den letzten Jahren weicht die Frontenstellung in der Automobilwelt zunehmend auf - auch bei den Clubs“, sagt Fehlau. „Das Fahrrad wird zunehmend entdeckt, und Berührungsängste nehmen ab.“

Fahrradschutzbrief

Zwei große Clubs, der Auto Club Europa (ACE) und der Automobil-Club Verkehr (ACV) haben darauf mit speziellen Leistungen für Radfahrer reagiert. „Seit Anfang diesen Jahres bietet der ACE erstmals in seinem Comfort-Tarif einen Schutzbrief für Fahrräder, E-Bikes und Pedelecs an“, sagt Sprecherin Anja Smetanin. Dieser Tarif kostet 88,70 Euro pro Jahr. Im integrierten Schutzbrief enthalten ist ein Pannendienst rund um die Uhr, für Fahrräder und Elektroräder der gesamten Familie. Ab einer Entfernung von zehn Kilometern vom Wohnort haben ACE-Mitglieder, die mit dem Rad unterwegs sind, dann Anspruch auf Bergung, Weiter- oder Rücktransport sowie Werkstattvermittlung.

Der ACV hat 2016 kostenneutral einen Fahrradschutzbrief in alle bestehenden und seitdem entstanden Mitgliedschaften integriert. Mitglied kann man ab 48 Euro pro Jahr werden. Ist das Fahrrad etwa infolge einer Panne nicht mehr fahrbereit, oder der Fahrer verletzt sich bei einem Unfall mit dem Fahrrad, kann er Hilfe vom Club in Anspruch nehmen - und das bereits ab seinem Wohnort, sagt ACV-Sprecherin Annabel Brückmann. Geschützt seien europaweit alle Fahrräder, E-Bikes, Pedelecs und Fahrradanhänger, die nicht versicherungs- oder zulassungspflichtig seien und nicht gewerblich genutzt werden.

Pannenhilfe

Die übrigen Automobilclubs haben aktuell keine speziellen Leistungen für Fahrradfahrer in ihren Tarifen enthalten. Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD) weist aber darauf hin, dass Radfahrern, die Mitglied sind, trotzdem im Rahmen ihrer Tarife geholfen wird. „Die Hilfe setzt am Mitglied an, nicht am Fahrzeug.“ Für einen im Ausland gestrandeten Radfahrer werde zum Beispiel eine Rückreise organisiert. Eine Pannenhilfe vor Ort allerdings, die ein kaputtes Rad wieder fahrbereit macht, gibt es nicht. Eine Mitgliedschaft im AvD ist ab 34 Euro zu haben. Beim ADAC, der ebenfalls keine speziellen Leistungen für Radfahrer anbietet, kostet sie ab 49 Euro im Jahr.

Weitere Alternativen, die zum einen gewisse Leistungen bieten und zum anderen verkehrspolitische Ziele auf ihrer Agenda haben, sind der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Der VCD begreift sich nicht als klassischer Autoclub, sondern als ein ökologisch motivierter Verkehrsclub. „Wir wollen Mobilität für Menschen. Bei uns haben Radfahrende, neben Menschen, die zu Fuß gehen oder die Bahn und den Bus nutzen, einen gleichberechtigten Stellenwert zu Autofahrern“, sagt VCD-Sprecherin Almut Gaude. Der VCD setze sich politisch für die Belange der Menschen ein, die sich umweltfreundlich fortbewegen.

Verkehrspolitischer Verein

Wer hier ab 60 Euro Mitglied wird, erhält eine kostenlose ökologische Verkehrsberatung, weitere aktuelle Nachrichten aus diesem Bereich im Mitgliedsmagazin sowie Verbrauchertipps. „Außerdem hat der VCD Gliederungen in fast jedem Landkreis und gestaltet dort nicht nur die Lokalpolitik mit“, sagt Gaude, „sondern bieten im Einzelfall auch Fahrradtouren, Wanderungen und andere gemeinsame Aktivitäten an.“ Darüber hinaus kann man eine Pannenhilfe mit Schutzbrief ab neun Euro und einen Fahrradrechtsschutz für ebenfalls neun Euro dazu buchen.

Der ADFC begreift sich ebenfalls als verkehrspolitischer Verein. „Menschen, die bei uns Mitglied werden, wollen vor allem erreichen, dass ihr Umfeld fahrradfreundlicher wird“, erklärt Sprecherin Stephanie Krone. „Im Autoland Deutschland ist es daher unsere wichtigste und zugleich härteste Aufgabe, Platz, Geld und Akzeptanz für das Radfahren zu erringen.“ Damit unterscheide sich der ADFC von den klassischen Automobilclubs, bei denen das Einstiegsmotiv für Mitglieder oft das Interesse an einem attraktiven Servicepaket sei.

Nichtsdestotrotz dürfen auch ADFC-Mitglieder mit Leistungen jenseits der politischen Arbeit rechnen: Dazu gehört das Tourenrad-Magazin „Radwelt“, eine Pannenhilfe, ein Versicherungspaket, eine Rechtsberatung und Sonderkonditionen bei Carsharing- und Leihrad-Anbietern. Eine Mitgliedschaft kostet ab 56 Euro im Jahr.

Optimierung des Trainings

Auch jenseits dieser Clubs gibt es Alternativen. „Man darf das große Feld der verschiedenen Radsportvereine nicht außen vor lassen“, sagt Fehlau. Zum Beispiel die Bicikletten, der erste Radsportclub für Frauen. Sie trainieren gemeinsam und unternehmen Touren.

Oder den Bund Deutscher Radfahrer (BDR), der mit seinen 17 Landesverbänden und rund 150 000 Mitgliedern zu den größten Vereinen in Deutschland zählt. Hier stehen gemeinsame Aktivitäten, der Austausch und die Optimierung des Trainings im Mittelpunkt. Darüber hinaus bietet der BDR einen Versicherungsschutz. Wer Mitglied werden möchte, kann dies über einen angeschlossenen Verein oder über einen Landesverband tun. Die Beiträge sind dabei nicht einheitlich, beginnen aber bei fünf Euro im Monat.