Gesundheitsserie Immer in Bewegung bleiben, bloß nicht stehen

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Von Marathon nach Athen: Die Strecke gilt als „Original-Marathon“. Der Startschuss fällt am 11. November. Foto: dpaVon Marathon nach Athen: Die Strecke gilt als „Original-Marathon“. Der Startschuss fällt am 11. November. Foto: dpa

Osnabrück. Wie war es wohl für den Boten Pheidippides vor mehr als 2500 Jahren, den Weg von Marathon nach Athen zu Fuß zu laufen? Der erste „Marathon“ der Geschichte. Am 11. November, ab 9 Uhr, werde ich es herausfinden. Bis dahin bekommen meine Laufschuhe jedoch noch einige Kilometer auf den Buckel.

Warum machst du das eigentlich? Du bist verrückt! Das ist die Standard-Reaktion, wenn ich jemandem erzähle, dass ich im Herbst Marathon laufen werde. 42,195 Kilometer –2,195 Kilometer mehr als besagter „Erstläufer um 490 v.Ch. Und das nur, weil Königin Alexandria bei der Olympiade 1908 in London den Start des Laufes von ihrem Fenster in Windsor Castle, sowie den Zieleinlauf aus ihrer Loge im Olympia-Stadion sehen wollte. Herzlichen Dank!

Sport, unabhängig von Zeit und Ort

Zugegeben, es ist nicht mein erster Marathon. Das Lauffieber hat mich vor fünf Jahren gepackt – obwohl ich früher keine Langstreckenläuferin gewesen bin, ganz im Gegenteil. Neben einem Beruf mit eher unregelmäßigen Arbeitszeiten brauchte ich jedoch einen Sport, den ich unabhängig von Ort und Tageszeit auch alleine ausüben konnte. Zu laufen war naheliegend. Und nichts motiviert mehr, als ein Ziel. Meines war vor fünf Jahren der Marathon in Berlin.

Ausreichende Vorbereitungszeit

Wichtig für mich war: Auch die Vorbereitung auf den Lauf ist ein Marathon, kein Sprint. Und ohne einen guten Laufschuh geht nichts. Im Fachhandel habe ich mich beraten lassen, mehrere Marken und Modelle ausprobiert und auf dem Laufband probegelaufen. Per Kamera wurde dabei aufgezeichnet, wie ich die Schritte setze. Und ob der Fuß genug Halt hat. Denn der leichteste Schuh nützt nichts, wenn das Laufgefühl nicht passt. Auch eine Pulsuhr habe ich mir für meine eigene Kontrolle gekauft.

Langsam anfangen

In den ersten Wochen bin mit kurzen Strecken eingestiegen. Eine halbe Stunde „gemächlich“ an der Salzach entlang, alle zwei bis drei Tage. Um mich – und auch meine Muskeln, Knie und Gelenke – wieder an die Belastung zu gewöhnen. Gesteigert habe ich mein Pensum langsam, sowohl im Tempo als auch in der Distanz. Meist ging das ganz unbewusst, wenn das Lied auf dem MP3-Player vom Beat her schneller war, war auch ich automatisch flotter unterwegs. Und fast automatisch habe ich mir entlang des Weges neue Umkehrpunkte gesucht – wenn das Ziel nicht von vornherein die zehn, 15 oder 20 Kilometer waren. Es hat nicht lange gedauert, da konnte ich anhand der Playlist feststellen, ob ich einen guten oder schlechten Tag erwischt hatte.

Ein Ziel motiviert

Das Damoklesschwert, wirklich 42,195 Kilometer am Stück absolvieren zu müssen, hat mich ziemlich gut bei Laune gehalten – und zumindest meistens motiviert, meinen eigenen Laufplan mit Distanzen zwischen fünf und 20 Kilometern einzuhalten. Auch wenn ich selbstverständlich cheat days dabei hatte. Es war jedoch die regelmäßige Bewegung, vom Sofa hochzukommen, die ich mit meinem zugegebenermaßen hochgesteckten Ziel bewirken wollte. Und das hat geklappt. Bis heute. Die Musik im Ohr und die Bewegung sind für mich eine optimale Möglichkeit, abzuschalten und den Tag ausklingen zu lassen.

Nervös am Start

Nichts desto trotz, vor jedem Lauf war ich nervös. Allein die Masse an Läufern, die sich morgens auf dem Weg zum Startbereich durch den Berliner Hauptbahnhof und am Kanzleramt vorbei schlängelt ist beeindrucken. 40000 Menschen. Und ich mittendrin. Im Startbereich auf der Straße des 17. Juni geht es zu wie im Bienenstock. Im Block H, dem letzten Startblock des Tages, bin ich meist ziemlich im Mittelfeld. Langsam geht es auf die Startlinie zu. Schon ein paar Meter vorher setzt die Masse zu einem gemächlichen Joggen an. Dann geht der erste Schritt über eine Matte auf dem Boden – und die Zeit läuft.

Den eigenen Rhythmus finden

Meinen Rhythmus habe ich bislang in jedem meiner drei Läufe relativ schnell gefunden – auch wenn die ersten Kilometer eher einem Slalom gleichen und die Gefahr besteht, in der Euphorie die Strecke zu schnell anzugehen. Bewährt hat sich für mich, in Etappen zu denken. Den Distanzen zwischen den Versorgungsständen. 2,5 bis 5 Kilometer sind überschaubar und am unteren Ende meiner Trainingseinheiten. Den Becher Wasser oder Tee zu trinken, und auch das Stück Banane auf dem Weg zu essen, hilft. Dabei gilt: immer in Bewegung bleiben, bloß nicht stehen.

Kein Zuckerschlecken, doch Zuschauer motivieren

Denn wer sich auf die Strecke begibt, der weiß: Es wird kein Zuckerschlecken. Die Müdigkeit kommt, die Frage ist nur wann. Beim ersten Mal dachte ich schon nach 20 Kilometern, jetzt ist Schluss. An meiner rechten Ferse hatte sich eine Blase gebildet und ich konnte sie förmlich platzen hören. Bei meinem vorerst letzten Lauf vor zwei Jahren kam mit Kilometer 30 das Tief. Von Muskelkrämpfen bin ich jedoch – Gott sei Dank – in all meinen Läufen verschont geblieben. Dennoch, gerade die letzten Kilometer ziehen sich wie Kaugummi. Und dass man wenige Kilometer vor Schluss das Brandenburger Tor und damit das Ziel quasi sehen kann, jedoch immer noch einen Schlenker laufen muss, ist jedes Mal wieder frustrierend.

Und doch: So hart die letzten Kilometer auch sind, die Anstrengungen sind mit dem Einbiegen auf die Straße Unter den Linden vergessen. Als stünde man wieder ganz am Anfang, geht das Laufen plötzlich – fast – von selbst. Wildfremde Menschen am Wegesrand jubeln allen (!) Läufern zu und feuern auf den letzten Metern an. Das ist ein Wahnsinnsgefühl.


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