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Grippewelle 2018 in Deutschland Von der Grippe erwischt: Das müssen Arbeitnehmer bei Krankschreibung wissen

Von Karen Bartel, shz.de

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Wer als Arbeitnehmer krankgeschrieben wird, ist in der Pflicht, den Genesungsprozess den Anweisungen des Arztes entsprechend zu fördern und alles, was diesen verzögert oder gar gefährdet, bleiben zu lassen. Doch wie genau wirkt sich das auf den Alltag aus? Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpaWer als Arbeitnehmer krankgeschrieben wird, ist in der Pflicht, den Genesungsprozess den Anweisungen des Arztes entsprechend zu fördern und alles, was diesen verzögert oder gar gefährdet, bleiben zu lassen. Doch wie genau wirkt sich das auf den Alltag aus? Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa

Flensburg. Aktuell gibt es mehr als 42.000 neue Grippe-Infektionen pro Woche. Viele Arbeitnehmer sind von der Grippewelle betroffen, einige wissen aber nicht genau, was während der Krankschreibung erlaubt ist und was nicht: Ein rechtlicher Ratgeber mit den wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer als Arbeitnehmer krankgeschrieben wird, ist in der Pflicht, den Genesungsprozess den Anweisungen des Arztes entsprechend zu fördern und alles, was diesen verzögert oder gar gefährdet, bleiben zu lassen. Doch wie genau wirkt sich das auf den Alltag aus? Der Ratgeber der Arag Versicherungen gibt Antworten auf die acht wichtigsten Fragen, die Arbeitnehmer im Falle einer Krankschreibung betreffen.

1. Zeitliche Regelung: Wann sollte man den Arbeitgeber über die Erkrankung informieren und ab wann muss die Krankschreibung vorliegen?

Sobald man erkrankt, sollte man am besten sofort, das heißt am Morgen des ersten Tages der Erkrankung, den Arbeitgeber darüber informieren. Dafür meldet man sich am besten direkt beim Chef, dem Sekretariat oder der Personalstelle. Ein spezieller Dienstweg für Krankmeldungen kann je nach Unternehmen auch vorgegeben sein. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens am darauf folgenden Tag vorzulegen. Auch hierbei gibt es Unterschiede in den Unternehmen, die womöglich sogar vertraglich festgelegt sind: So kann es beispielsweise sein, dass man ab dem ersten Tag bereits ein Attest vorlegen muss.

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2. Darf man trotz Krankschreibung einkaufen gehen? Und was passiert, wenn der Chef einen dabei sieht?

Generell ist hier zu sagen, dass alltägliche Besorgungen, wie das Einkaufen im Super- oder Drogeriemarkt, wie auch der Gang in die Apotheke, der bei einer Grippe keinem erspart bleibt, in der Regel erlaubt sind. Während der Krankschreibung sollte man jedoch auf ausgiebige Shoppingtrips verzichten. Denn wer hierbei gesehen wird, riskiert eine Abmahnung und im Wiederholungsfall die Kündigung. Die Welt des Online-Shoppings steht Kunden natürlich jederzeit offen und kann eine willkommene Ablenkung, beziehungsweise Alternative sein, falls dringende oder größere Besorgungen anstehen sollten.

3. Wie sieht es mit sportlichen Aktivitäten während der Krankschreibung aus?

Wem der Arzt Bettruhe verordnet hat, der sollte diese auch einhalten. Das gilt ebenso für Fitnessverrückte, auch wenn es hier vielleicht anfangs etwas schwerer fällt, die sportlichen Aktivitäten herunterzufahren. Bei weniger schweren Erkrankungen sollte auf den eigenen Körper gehört und vorher auf jeden Fall das Okay des Arztes eingeholt werden, bevor man sich sportlich betätigt. Spaziergänge an der frischen Luft oder leichtes Training zu Hause, wie Yoga oder Gymnastikübungen, sind möglich. Wer hierbei merkt, dass er schneller als sonst außer Atem und ins Schwitzen gerät oder gar Kopfschmerzen oder Schwindel auftreten, sollte dem Körper die Ruhe gönnen, die er benötigt, um sich zu erholen und wieder ganz gesund zu werden.

4. Langeweile auf der Couch: Darf man dieser in Form von Freizeitaktivitäten außer Haus, wie Kino- oder Restaurantbesuchen, entgegenwirken?

Bei einer Krankschreibung steht immer die Genesung des Arbeitnehmers an oberster Stelle. Solange diese nicht gefährdet wird, ist ein solcher Besuch im Kino oder Restaurant je nach Schwere der Erkrankung in Ordnung. Jedoch sollte man nicht außer Haus essen gehen, wenn man der Arbeit wegen einer Erkrankung des Magen-Darm-Trakts fern bleibt. Wird man in einer solchen Situation angetroffen, droht eine Abmahnung.

5. Was gilt es zu beachten, wenn man während des Urlaubs krank wird?

Oft erwischt es Arbeitnehmer im wohlverdienten Urlaub, das ist zwar besonders ärgerlich, aber die Urlaubstage sind nicht verloren: Der Urlaubsanspruch verlängert sich vielmehr um die Tage, an denen der Arbeitnehmer krankgeschrieben ist. Diese können zu einem späteren Zeitpunkt wieder als Urlaub genommen werden. Hierbei ist wichtig, dass der Arbeitgeber schnellstmöglich darüber informiert wird, der Arbeitnehmer eine Kontaktadresse und -telefonnummer hinterlegt und die Krankenkasse über die Arbeitsunfähigkeit informiert.

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6. Und was, wenn man vor einer lang geplanten Reise krankgeschrieben wird?

Ist die geplante Reise erholsam und förderlich für die Genesung, spricht grundsätzlich nichts dagegen. Eine kurze Rücksprache mit dem Arzt, um wirklich sicher zu gehen, ist dennoch ratsam. Partyurlaube hingegen, egal ob in der Sonne am Ballermann oder beim Aprés-Ski in Ischgl, sind verständlicherweise tabu.

7. Die Arbeit ruft: Darf man trotz Krankschreibung den Kollegen aushelfen?

Ein solcher Teamgeist ist sicherlich ehrenhaft, jedoch befindet man sich hier schnell in einer rechtlichen Grauzone. Denn als Arbeitnehmer hat man sich so zu verhalten, dass man schnellstmöglich wieder gesund wird. Fühlt man sich allerdings gesund genug und dazu im Stande, kann man auch schon vor Ende der Krankschreibung wieder im Büro oder aber von zu Hause aus arbeiten. Denn ein Attest ist kein Arbeitsverbot, sondern lediglich die Prognose des Arztes, wie lange der krankheitsbedingte Arbeitsausfall voraussichtlich andauern wird. Damit es keinen Ärger mit dem Arbeitgeber gibt, sollte man erst wieder bei der Arbeit erscheinen, wenn keine Gefahr mehr besteht, dass man die Kollegen ansteckt.

8. Wenn das Kind krank ist: Wie sieht hier die Regelung aus?

Rechtlich hat der Arbeitnehmer den Anspruch auf fortlaufende Vergütung, wenn er seine Arbeitsleistung für einen unerheblichen Zeitraum nicht erbringen und dafür nicht verantwortlich gemacht werden kann. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn das eigene Kind erkrankt ist. Hierbei wurde gerichtlich festgelegt, dass man bei Erkrankung eines Kindes unter acht Jahren Anspruch auf fünf freigestellte Arbeitstage hat, für diese man Gehalt erhält und keine Gegenleistung, etwa in Form von Überstunden, erbringen muss. Jedoch kann es auch so geregelt sein, dass dieser Anspruch vertraglich ausgeschlossen ist.

(mit Material der Arag Versicherungen und Advocard)


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