Von Hippokrates bis Röntgen Streifzug durch die Medizingeschichte

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Er war seiner Zeit weit voraus: anatomische Studien der menschlichen Muskeln von Leonardo da Vinci. Doch seine erstaunlich detaillierten Skizzen wurden erst 300 Jahre später bekannt. Foto: imago/imagebroker/saurerEr war seiner Zeit weit voraus: anatomische Studien der menschlichen Muskeln von Leonardo da Vinci. Doch seine erstaunlich detaillierten Skizzen wurden erst 300 Jahre später bekannt. Foto: imago/imagebroker/saurer

Osnabrück. Hightech-Diagnostik und Nanotechnologie in der Therapie – das sind nur zwei Stichwörter, die heute den Fortschritt in der modernen Medizin markieren. Der Weg dahin war gekennzeichnet von vielen Entdeckungen.

Von Hippokrates bis Röntgen: Hier eine Auswahl medizingeschichtlicher Meilensteine.

Medizin als Wissenschaft

Dank Hippokrates wurde in der Antike die Krankheit nicht mehr als eine Strafe der Götter betrachtet, sondern vielmehr als eine Störung des Gleichgewichts der vier Körpersäfte – Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle. Er glaubte an die Selbstheilungskräfte des Körpers: Der griechische Arzt verfolgte bei der Beobachtung von Krankheiten und der Behandlung von Kranken einen ganzheitlichen Ansatz: Neben sorgfältiger Anamnese gehörte auch die Prophylaxe beispielsweise durch Hygiene dazu.

Über 2000 Jahre später, nachdem Hippokrates wissenschaftliche Methoden in die Medizin eingeführt hatte, verwarf der deutsche Pathologe Rudolf Ludwig Karl Virchow (1821–1902) die Viersäftelehre: Nach seiner Theorie der Zellularpathologie wiesen Krankheiten auf Störungen in den Körperzellen hin. Denn Letztere, so erkannte Virchow, bestehen nicht – wie bisher gedacht – aus Urschleim, sondern aus Zellen. Auf dieser Basis wurde es möglich, noch gezielter Ursachen und Verlauf von Krankheiten zu untersuchen. Virchow gilt als Begründer der modernen Pathologie.

Anatomie

Wie ist der menschliche Körper aufgebaut? Diese Frage trieb früh medizinische Gelehrte um. Im 2. Jahrhundert hatte dazu der griechische Arzt Galenos von Pergamon, heute Galen genannt, Studien nach umfänglichen Sektionen an Tierkörpern angefertigt. Sein Wissen sollte die medizinische Lehre bis ins 16. Jahrhundert dominieren.

Leonardo da Vinci (1452–1519) schuf Anfang des 16. Jahrhunderts anatomische Skizzen, darunter die erste detailgetreue Darstellung der Wirbelsäule. Der Universalgelehrte hatte für seine Studien über 30 Leichen von hingerichteten Frauen und Männern seziert. Doch die Zeichnungen des Künstlers und Wissenschaftlers wurden erst 300 Jahre später bekannt. So gilt als Begründer der modernen Anatomie der flämische Medizinstudent Andreas Vesalius (1514–1564), der 1536 begann, menschliche Leichen zu sezieren. Er stellte Abweichungen zu Galens Lehre fest und erweiterte die Erkenntnisse über den Aufbau des menschlichen Körpers.

Impfung

Fieber und eitrige Blasen auf der Haut – Zeichen eines Ausbruchs der Pocken. Noch im 18. Jahrhundert starben viele Menschen an der ansteckenden Viruserkrankung. Vielen derjenigen, die sie überlebten, drohten schwere gesundheitliche Folgeschäden. Trotz mehrerer Versuche gab es noch kein Mittel, um sich gegen die Pocken zu schützen.

Das ändert sich mit Edward Jenner (1749–1823). Der englische Landarzt machte im Kuhstall eine Beobachtung: Melkerinnen, die sich mit den harmlosen Kuhpocken angesteckt hatten, zeigten sich gegen die gefährlichen menschlichen Pocken immun. Er nahm deshalb an, dass ein infizierter Körper Abwehrstoffe gegen die Krankheit bilden kann.

Während einer Epidemie 1796 setzte er in einem aus heutiger Sicht fragwürdigen Menschenversuch seine Theorie in die Praxis um: Erst infizierte er den achtjährigen gesunden Sohn seines Gärtners mit den Erregern der Kuhpocken, nach Ausheilung folgte eine Infizierung mit den gefährlichen Menschenpocken. Der Junge blieb unversehrt. Es war die Geburtsstunde der Pockenschutzimpfung.

Anästhesie:

Eine Operation ohne die Möglichkeit einer Narkose, zumindest einer örtlichen Betäubung? Das will man sich als Patient heute kaum vorstellen. Bis 1846 war das noch Realität. Doch dann wagte der amerikanische Zahnmediziner William Thomas Green Morton an einem Abend im September ein revolutionäres Experiment, um seinen Patienten nicht nur vom kranken Zahn zu befreien, sondern auch von den Schmerzen beim Ziehen zu erlösen: Dazu ließ er den Musiker Schwefeläther einatmen. Wenig später wiederholte er die Betäubung vor Fachpublikum in Boston. Die Chirurgen waren beeindruckt, fortan konnten sie sich an bisher undenkbare Operationen wagen.

Hygiene

Was Hippokrates schon wusste, entwickelte der Arzt Ignaz Semmelweis (1818–1865) weiter: Hygiene braucht es, um gesund zu bleiben oder es zu werden. Das gilt nicht nur für den Patienten, sondern für den medizinischen Behandlungsbereich.

Im frühen 19. Jahrhundert war das alles andere als anerkanntes Wissen, geschweige denn gab es ein Bewusstsein dafür: Desinfektion war noch kein Thema. Das OP-Besteck wurde nicht gereinigt auch für andere Patienten genutzt.

Welche schwerwiegenden Folgen das haben kann, entdeckte Semmelweis aufgrund einer gehäuften Zahl gefährlicher Kindbettfieber-Erkrankung bei Müttern. Sie waren von Medizinstudenten behandelt worden, die zuvor an einer Leichenschau teilgenommen hatten. Einer hatte sich dabei verletzt und so Krankheitserreger übertragen. Nachdem Semmelweis die Händedesinfektion in der Geburtshilfe eingeführt hatte, sank die Zahl der Infektionen deutlich. Sein britischer Kollege Chirurg Joseph Lister sorgte dafür, dass die Desinfektion Einzug in den Operationssaal erhielt. Dass er mit seiner Maßnahme Bakterien bekämpfte, war Semmelweis übrigens nicht klar.

Es blieb dem Mediziner Robert Koch (1843–1910) vorbehalten, einen direkten Zusammenhang zwischen einem Bakterium und einer Krankheit nachzuweisen: 1882 präsentierte er in Berlin das Mycobacterium tuberculosis als Erreger der Tuberkulose. Dafür erhielt er neben Ferdinand Julius Cohn 1905 den Medizin-Nobelpreis.

Penicillin

Ein Heilmittel gegen die Tuberkulose fand der Mikrobiologe Robert Koch jedoch nicht. Einem Zufall ist es zu verdanken, dass es vom Bakteriologen Alexander Fleming in seinem Londoner Labor entdeckt wurde und so der 3. September 1928 die Geburtsstunde des ersten Antibiotikums markiert: An diesem Tag sah er, dass sich unbeabsichtigt blaugrüner Schimmel in einer Petrischale mit Bakterien ausgebreitet hatte, jedoch waren um den Pilz herum keine Bakterien mehr zu finden. Daraus zog Fleming den Schluss, dass der Schimmelpilz einen Stoff produzierte, der das Wachstum der Bakterien stoppt. Es sollte jedoch noch eine Weile dauern, bis die Wissenschaftler Ernst Boris Chain und Howard Florey daraus ein Medikament entwickelten: Erst 1944 wurde Penicillin für die amerikanischen Soldaten eingesetzt.

Röntgenstrahlen

Einen lebenden Menschen durchleuchten zu können, einen Blick ins sonst verborgene Innere werfen, ohne den Körper öffnen zu müssen: Wovon Galen, Da Vinci und Versalius noch träumen konnten, wurde 1895 wahr: Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte – zufällig bei einem Experiment im Labor – die erst später nach ihm benannten elektromagnetischen Strahlen, die dies ermöglichten. Röntgen erhielt für seine Entdeckung 1901 den ersten Nobelpreis für Physik. Er nannte sie X-Strahlen. Ihre Entdeckung bedeutete einen unglaublichen Fortschritt für die medizinische Diagnostik, für die Kunst des 20. Jahrhunderts und für die Physik. Nur zwei Jahre nach Röntgen erhielten Henri Antoine Becquerel, Marie und Pierre Curie den Nobelpreis für Physik für die Entdeckung und Untersuchung der Radioaktivität. Physikerin und Chemikerin Marie Curie (1967–1934) entwickelte im Ersten Weltkrieg einen Röntgenwagen für die Behandlung von verwundeten Soldaten.


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