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Minimalistisch, fesselnd, genial Beim Kartenspiel The Mind verschmelzen Geist und Materie

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Im Spiel zu zweit ist Level 12 das Ziel beim kooperativen Kartenspiel The Mind:die Verschmelzung von Geist und Materie. Wer auf dem Weg dorthin Fehler macht, verliert jeweils ein Leben (Karte rechts). Foto: Karsten GrosserIm Spiel zu zweit ist Level 12 das Ziel beim kooperativen Kartenspiel The Mind:die Verschmelzung von Geist und Materie. Wer auf dem Weg dorthin Fehler macht, verliert jeweils ein Leben (Karte rechts). Foto: Karsten Grosser

Osnabrück. Das Kartenspiel „The Mind“ ist in seinen Regeln so einfach, so minimalistisch, so überraschend fesselnd. Dabei geht es nur um das gemeinsame Ablegen von Karten in der richtigen Reihenfolge. Eine Aufgabe, die in der Verschmelzung von Geist und Materie gipfelt.

Mein Blick wandert von einem Spieler zum anderen. Ich versuche, in ihren Augen zu lesen. Versuche ihre Gestiken zu deuten. Hoffe auf Informationen, die mir helfen, eine Entscheidung zu treffen. Sprechen ist verboten im kooperativen Kartenspiel „The Mind“. Auch Zeichen dürfen wir uns nicht geben. Und doch müssen wir harmonieren. Auf einer Wellenlänge senden. Ein gemeinsames Zeitgefühl entwickeln. Merken, wie die anderen ticken.

Die Aufgabe klingt simpel: Von den Karten mit den Zahlen von 1 bis 100 hat zunächst jeder eine auf der Hand. Diese müssen nun in aufsteigender Reihenfolge in die Mitte gelegt werden. Die kleinste zuerst, die größte zum Schluss. Nur: Wer fängt an? Jeder darf jederzeit eine Karte ausspielen. Wer hat die Karte mit der kleinsten Zahl auf der Hand? Ist es meine 33? Ich zögere. Gucke nach links, gucke nach rechts. Mundwinkel ziehen sich hoch. Ein Grinsen durchzuckt das Gesicht. Ungewissheit mutiert zur Unsicherheit.

Wir beweisen erhöhte Sensibilität

Ein Mitspieler lehnt sich zurück; er hat es wohl noch nicht so eilig – nonverbale Kommunikation, die für uns die Regel vielleicht dehnt, aber nicht überstrapaziert. Mein anderer Nebenmann nestelt an der Karte. Meine Ungeduld wächst – und lässt sich nicht zurückhalten. Die 33 liegt. Gleich danach fliegt die 41 in die Mitte, ehe die 96 das Level 1 erfolgreich beendet und wir damit eine „erhöhte Sensibilität“ bewiesen haben – wie uns die Aufgabenkarte bescheinigt. Fertig? Mitnichten!

In Level 2 startet jeder mit zwei Karten. Ein Fehler, also eine zu früh ausgespielte Karte, kostet ein Leben. Sind alle Leben verbraucht, ist das Spiel zu Ende. Das wollen wir nicht. Ziel im Spiel zu dritt ist, Level 10 zu schaffen. Auf dem Weg dorthin erreichen wir Levelziele wie „Verstärkte Empathie“ oder „Gedankenwahrnehmung“. Und manchmal auch eine Belohnung wie ein zusätzliches Leben. Danke, nehmen wir gerne.

Synchronisation zu Beginn eines Levels

Zu zweit geht es bis Level 12. Ein Level, bei dem jeder mit zwölf Karten beginnt. Unmöglich? Denken in Wahrscheinlichkeiten hilft jedenfalls nicht weiter, weil sich eine einzelne Verteilung der Zahlenkarten nicht an Statistiken orientiert. Synchronisieren hilft. Ein kurzes gemeinsames Innehalten zu Beginn des Levels. Und mit ein bisschen Übung läuft die Sortiermaschine rund. Nicht immer, aber immer besser.

Im Zweifel setzen wir einen der raren Wurfsterne ein, der allen das Abwerfen der niedrigsten Handkarte erlaubt. Diese Aktion erleichtert die Aufgabe und liefert Informationen über die Karten der Mitspieler. Das Spiel, das wie ein telepathisches Experiment wirkt, gewinnt an Reiz. Erstaunt. Überzeugt. Fasziniert.

Verschmelzung von Geist und Materie

Sicher ist aber auch: Es ist kein Spiel, das jedem gefallen wird. Dass eine Kindergartenaufgabe wegen des Kommunikationsverbots zur Herausforderung wird – darauf muss man sich einlassen können. Darauf, dass Zeit verstreicht, ohne dass etwas passiert. Doch gerade diese stillen Momente, in denen sich einfach alle nur angucken, sorgen für ein intensives Spielgefühl. Anfangs überrascht es noch, dass dieses Prinzip funktioniert. Wenn es in der Runde jedoch flutscht, dann erfahren alle Spieler am Ende von Level 12 die „Verschmelzung von Geist und Materie“. Wir sind dann einfach nur noch „The Mind“.

Würfelwert: 6 (genial)

The Mind (Nürnberger-Spielkarten-Verlag) von Wolfgang Warsch ist für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren, dauert etwa 20 Minuten und kostet rund 9 Euro.

Weitere Spielekritiken finden Sie auf der Spielekenner-Themenseite.


Legende der Würfelnoten:

1 = schwach

2 = mittelmäßig

3 = ordentlich

4 = gut

5 = stark

6 = genial

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