Deutsche Diabetes Gesellschaft Experten drängen auf Diabetesregister

Von Elke Schröder

Alltag für Diabetiker: Mit dem Blutzuckermessgerät den aktuellen Zuckergehalt im Blut messen. Foto: dpaAlltag für Diabetiker: Mit dem Blutzuckermessgerät den aktuellen Zuckergehalt im Blut messen. Foto: dpa

Berlin. Bessere Lebensqualität durch maßgeschneiderte Therapien für die 6,7 Millionen Diabetiker in Deutschland sowie Prävention: Das soll ein nationaler Diabetesplan mit einem Diabetesregister leisten, auf den die Deutsche Diabetes Gesellschaft setzt.

Über die Einführung eines nationalen Diabetesplans wird seit mehr als zehn Jahren diskutiert. Nun nährt das im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD beschriebene Vorhaben, die „nationale Diabetesstrategie“ betonen zu wollen, die Hoffnung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), dass sich endlich etwas bewegt: „Es freut uns, dass das Wort nationaler Diabetesplan Einzug in den Koalitionsvertrag erhalten hat“, sagte DDG-Präsident Dirk Müller-Wieland am Dienstag vor Journalisten in Berlin. Sofern die Regierung zustande kommt, ist für Müller-Wieland das erste Ziel erreicht.

DDG will mehr Daten

Für die nächsten Schritte, die praktische und fachliche Umsetzung, positioniert sich die DDG bereits: Sie will die Politik überzeugen, dass bereits vorhandene Daten von betroffenen Patienten künftig „zusammengeführt und zu einem Diabetesregister verfeinert werden können“, erklärte der DDG-Sprecher Baptist Gallwitz: „Wir brauchen mehr Zahlen, damit wir die Patientenversorgung besser planen können.“ Die dramatische Zahl von jährlich eine halbe Million Menschen, die in Deutschland an Diabetes neu erkranken, könnte den Handlungsdruck erhöhen – begleitet von Datenschutz-Diskussionen. Letzteres sei ein zentrales Thema für die Fachgesellschaft, betonte Müller-Wieland.

Nach Meinung der DDG könnte ein Diabetesregister künftig Unterschiede in der regionalen Versorgung aufzeigen und detaillierte Erkenntnisse über die langfristige Wirkung von eingesetzten Medikamenten oder auch Maßnahmen wie Patientenschulungen liefern. „Es gibt häufige Diabetesformen und sehr seltene“, so Müller-Wieland. Und jede der insgesamt 20 verschiedenen Formen dieser Stoffwechselkrankheit werde von den Patienten anders erlebt, sind sich die Experten einig. Aus diesem Grund gehöre die Frage dazu, wie man das individuelle Patientenwohl erfassen kann. Dazu zählt auch der Umgang mit Ängsten. Das Ziel seien maßgeschneiderte Therapien.

Digitaler Wandel

Die Forschung geht noch weiter: Martin Hrabe de Angelis, Vorstand des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), sieht ein nationales Diabetesregister „als hilfreichen Einstieg“ für die Umsetzung der Idee eines digitalen Diabetes-Präventionszentrums. Dabei geht es um den Aufbau einer großen Datensammlung, einer „zunächst nicht-kommerziellen Big Data“, unter Einbeziehung von Forschungs- sowie Gesundheitsdaten noch nicht erkrankter, großer Bevölkerungsgruppen, um eine bessere Diabetes-Früherkennung zu ermöglichen. Für Björn Andresen, Vater eines Jungen mit Typ-1-Diabetes, hat der digitale Wandel im Alltag zu mehr Lebensqualität geführt: Dank eines digitalen Sensors, den sein Sohn am Arm trägt, können seine Eltern seine Zuckerwerte jederzeit über eine Smartphone-App überwachen. So konnte der Zwölfjährige an einem Trainingslager teilnehmen.