1726 Neuerkrankungen – Sieben Grippetote Niedersachsen: Grippewelle nimmt immer mehr Fahrt auf

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Die Zahl der an Grippe erkrankten Niedersachsen ist weiter gestiegen. Foto: Imago/PhotothekDie Zahl der an Grippe erkrankten Niedersachsen ist weiter gestiegen. Foto: Imago/Photothek 

Osnabrück. Die Grippe nimmt in Niedersachsen Fahrt auf: Dem Landesgesundheitsamt in Hannover (NLGA) wurden in der 8. Kalenderwoche 1726 laborbestätigte Influenzafälle gemeldet. In der Vorwoche waren es mit 1203 Neuerkrankungen deutlich weniger. Die Zahl der Todesfälle ist von sechs auf sieben gestiegen.

Insgesamt wurden damit in Niedersachsen seit Beginn der Influenzasaison im November vergangenen Jahres 5654 Influenzafälle registriert. Da es sich dabei nur um laborbestätige Fälle handelt, muss von einer erheblichen Dunkelziffer ausgegangen werden. In der 8. Kalenderwoche ist die Positivrate für Influenza in Niedersachsen auf 54 Prozent gestiegen.

Die Grafik zeigt die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen in der siebten (links) und achten (rechts) Kalenderwoche. Grafik: Arbeitsgemeinschaft Influenza, Robert Koch-Institut

In der Vorwoche betrug die Positivrate für Influenza 44 Prozent. Von einer Grippewelle ist die Rede, wenn der Erreger in mehr als 20 Prozent der übermittelten Proben zu finden ist.

84 Prozent ( Vorwoche 81 Prozent) der Influenzanachweise entfielen auf Influenza B, 15 Prozent auf Influenza A(H1N1) und ein Prozent auf Influenza A(H3N2). Von den insgesamt 1726 laborbestätigte Influenzafällen in Niedersachsen handelt es sich in 322 Fällen um Influenza A-Virus (vier mal davon A(H3N2), 68 mal A(H1N1)pdm09) und 1362 mal Influenza B-Virus.

Typ B der Yamagata-Linie

Die Influenza-Viren des Typs B der sogenannten Yamagata-Linie sind in diesem Winter besonders verbreitet. Sie sind allerdings in dem zurzeit noch gängigen Dreifachimpfstoff nicht enthalten. Effektiver ist daher der Vierfachimpfstoff, der einen zusätzlichen Bestandteil gegen Influenza-B-Viren enthält. Der teurere Vierfach-Schutz ist bislang allerdings keine einheitlich geregelte Kassenleistung und wird nur von wenigen Krankenkassen übernommen, wenn die Patienten zu einer Risikogruppe gehören.

Dreifachgrippeimpfstoff

Experten übten deshalb deutliche Kritik an den Kassen. In diesem Winter sei der von den Krankenkassen empfohlene Dreifachgrippeimpfstoff zum zweiten Mal in Folge nur eingeschränkt wirksam, sagte der Direktor der Klinik für Pneumologie Tobias Welte auf der „7. Hannover Herz Lungen Messe“ in der niedersächsischen Landeshauptstadt. .Der breiter wirksame Vierfachimpfstoff sei von den Krankenkassen in der Regel aber nicht erstattet worden.

Der in dem Dreifachimpfstoff fehlende Influenza-B-Virustyp, der in dieser Grippesaison dominiere, sei unter anderem dafür bekannt, dass er direkt das Herz infizieren könne und schwere Herzmuskelentzündungen auslösen könne, betonte Welte. „Wenn man die hohen Kosten der intensivmedizinisch kranken Influenzapatienten bedenkt, ist das im Nachhinein eine teure Fehlentscheidung“, kritisierte der Experte.

Grippewelle

In der Region Hannover hat die Grippewelle nach seinen Angaben zu einem drastischen Anstieg bei Herz- und Lungennotfallpatienten geführt. Die Zahl der Herzinfarktpatienten, die seit Januar in die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) eingeliefert worden seien, habe im zweiten Jahr in Folge in gleichem Umfang zugenommen wie die der Patienten mit Grippesymptomen im gleichen Zeitraum. Seit Jahresanfang mussten demnach in der MHH 92 Patienten mit Herzinfarkt behandelt werden. Der Zustand von Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD sowie mit schweren Lungenentzündungen habe sich durch die Influenza zum Teil dramatisch verschlechtert, so Welte.


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